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Katasterkarte von Dorf Sare (Gawayto)
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Die christlichen Syrer bzw. Suryoye sind ethnisch gesehen Aramäer semitischen Volksstammes, die in Aram Naharaim (Aram-Nahrin=Mesopotamien) zu Hause sind. Der in der Literatur verwendete Begriff "Syrer" hat mit der jetzigen politischen Bezeichnung "Syrien" als arabischer Staat nicht unbedingt zu tun. Die Begriffe "Syrer" und "Aramäer" sind hier identisch und bezeichnen ein und dasselbe Volk, sind also ethnisch und nicht politisch-geographisch zu verstehen. Die Verwendung des Begriffes Syrer für die Aramäer geht auf die Griechen zurück. Die Griechen bezeichneten das Gebiet "Syria" und seine Bewohner, die mehrheitlich Aramäer waren, als "Syrer". Mit Alexander dem Großen (336-323 v. Chr.) fand diese Bezeichnung für die ethnischen Aramäer große Verbreitung. Der Begriff "Syrer" hat sich aber erst mit der Christianisierung der Gebiete endgültig durchgesetzt. Die eigentlichen Bewohner des alten Syrien (Aram) bezeichneten sich selber als Aramäer, so die berühmten griechischen Historiker und Geographen Poseidonios und Strabon. Auch die aramäischen Gelehrten sind sich über ihre ethnische Zugehörigkeit einig.
siehe dazu Geschichte und Lehre der Aramäer, Teil 1
siehe dazu Geschichte und Lehre der Aramäer, Teil 2

Christianisierung der Aramäer
Die Aramäer Aram-Nahrins (Mesopotamiens) haben bereits in den ersten
Jahrhunderten das Christentum angenommen. Zunächst verbreitete sich das
Christentum von Antiochien bis hin zur zweitgrößten aramäischen
Provinzhauptstadt Edessa, dem bedeutenden Kulturzentrum der Aramäer.
Tur-Abdin, Beth-Zabdai und Umgebung haben das Christentum am Ende des
ersten bzw. zu Beginn des 2. Jh. durch den Apostel Addai (Thaddäus)
angenommen. Der Briefwechsel zwischen dem aramäischen König Abgar V.
und Jesus wird von unseren Kirchenvätern als Zeugnis dafür verwendet,
dass die Aramäer bereits zur Zeit Jesu die Frohe Botschaft angenommen
haben. Bis heute wird dieser Tag, der 1. Oktober, in der syrisch-orthodoxen
Kirche von Antiochien als der Tag der Christianisierung der
Aramäer und als der Neujahrstag der Aramäer gefeiert. Der Begriff
"Tur-Abdin" ist christlichen Ursprungs und meint so viel wie "Berg der
Knechte (Gottes)" oder "Berg der Einsiedler". Geschichtlich geht dies
auf die aramäischen Mönche und Eremiten (Einsiedler) zurück, die sehr
früh hierher zogen und in Klöstern und Höhlen wohnten.
Sprache(n) der Aramäer (Suryoye)
Die
syrisch-orthodoxen Aramäer
sprechen einen aramäischen Dialekt, genannt Turoyo. Turoyo wird nur gesprochen,
nicht aber geschrieben. In der Liturgie wird das Alt-Aramäische
verwendet. Die Alt-Aramäische Sprache heißt soviel wie: "Kthobonoyo"
d.h. "Buchsprache, Hochsprache" genannt. Die aramäische Sprache gehört
zum semitischen, besonders dem nordsemitischen Sprachstamm und wird
seit weit mehr als 3000 Jahren gesprochen. Diese Sprache war im 6. Jh.
v. Chr. die eigentliche internationale und offizielle Sprache des
Orients. Als zeugen dieser Sprache des Inschriften und Fragmente aus
Papyrus und Pergament in den großen Museen und Bibliotheken der Welt zu
sehen. Diese Sprache ist das Erbe des aramäischen Volkes, das bis heute
seine Muttersprache ist; Aramäisch war ebenfalls die Muttersprache Jesu
Christi in Galiläa. Für viele scheint diese Sprache gestorben zu sein,
da sie hier kaum bekannt ist. Außerdem hat sie ihre frühere Position
verloren. Die aramäische Sprache wurde vor allem durch die Arabisierung
und Islamisierung des Orients verdrängt. Dennoch hat sie sich in
manchen Gebieten des Orients erhalten können, wie z.B. im Tur-Abdin
(Südosten der Türkei) und in Syrien (Aram), Die lange Geschichte des
aramäischen Volkes lässt eine Entwicklung der aramäischen Sprache
feststellen; es wird daher unterschieden zwischen Altaramäisch,
Mittelaramäisch und Neuaramäisch.
Verkehrs-
und Diplomatensprache
Aramäisch war in alttestamentlicher Zeit zugleich eine 'Lingua franca',
d.h. allgemeine Verkehrs- und Diplomatensprache, des Orients. Sie
verdrängte schnell die Sprachen des nahen Ostens und breitete sich
gesamten Orient aus. Mit dem Beginn der Perserherrschaft ( 540 v. Chr.)
wird das Hebräische als Umgangssprache im jüdischen Volk vom
Aramäischen allmählich verdrängt. Zurzeit Jesu sprach das Volk in
Palästina aramäisch. Auch revolutionierte die aramäische Sprache die
Schriften. Große Teile des Alten sowie des Neuen Testaments werden in
Aramäisch verfasst. So wurden Teile des Daniels- und Esrabuches nicht
in hebräisch, sondern in aramäischer Sprache geschrieben. Aramäisch ist
somit die "zweite Sprache des Alten Testaments". Im aramäischem Urtext
sind folgende Teile des Alten Testaments abgefasst: Jer 10, 11; Esra
4,8 - 6, 18; 7, 12-26; Dan 2,4 - 7, 28
Aramäisch
in viele Dialekte eingeteilt
Ein
Spezifikation des Aramäischen ist, dass es in zahlreichem Dialekte
eingeteilt wird. Es wurde zunächst in Ost- und Westsemitisch
unterteilt. Der älteste Dialekt ist der Proto-Aramäisch. Es wurde vor
1000 v. Chr. gesprochen.
Westaramäische
Dialekte
Die
westaramäischen Dialekte war zum einen jüdisch-palästinensisches
Aramäisch. Es ist die eigentliche Sprache Jesu. Zum anderen
christlich-palästinensisches Aramäisch und samaritanisches Aramäisch.
Ostaramäische
Dialekte
Die ostaramäischen Dialekte umfassten jüdisch-babylonisches Aramäisch, die Sprache der jüdisch-mesopotamischen Gemeinschaft und Mandäisch. Der altsyrische Dialekt, der sog. Peshitta ist der Dialekt mit der ältesten kompletten Bibelübersetzung. Der letzte Dialekt ist ein spätliterarischer Dialekt der heute auch als modernes Aramäisch bezeichnet wird; sog. Suroyo. Er entwickelte sich mit dem Aufstieg des Islam.
Die
Aramäischen Kaiser und Päpste zu Rom
Verfolgung und Auswanderung
Seit Beginn der Islamisierung der Araber und vor allem unter der
Herrschaft der Mongolen, Osmanen, Türken und Kurden erlebten die
Christen im vorderen Orient eine ständige religiöse und politische
Verfolgung und mussten unter der Missachtung ihrer Menschenrechte
leiden. Zu
Beginn unseres Jahrhunderts, 1914/15 wurden über 2 Millionen
christliche Armenier und etwa eine halbe Million Aramäische Christen
(Syrisch-Orthodoxe, Syro-Nestorianer, heute Assyrer, Syro-Chaldäer,
Syro-Melkiten und Syro-Protestanten) massakriert. Allein in den letzten
Jahren wurden über 35 syrisch-orthodoxe Christen in der Region
Tur-Abdin umgebracht. Der islamisch-religiöse Fanatismus und türkische
Nationalismus haben bis heute kein Ende genommen. Die Konflikte im
Nahen Osten und vor allem die Veränderung der Menschenrechtssituation
im Tur-Abdin zwangen viele aramäische Christen, ihre Heimat zu
verlassen. Seit Beginn der 60er Jahre nutzten viele die Gelegenheit,
als Gastarbeiter in europäische Staaten auszuwandern. Danach, etwa seit
der Mitte der 70er Jahre, als sich die Lage im Tur-Abdin weiter
zuspitzte, mussten viele aramäische Christen fliehen und in den
europäischen Staaten Asyl beantragen.
Anmerkung!
Man
sagt, dass Mor Aphrem Barsaum (sluthe 'aman), zu seiner Zeit, noch als
Bischof im Jahre 1919 beim englischen Premierminister eine Klage gegen
das Osmanische Reich erhob. Folgende Tabelle soll er als Ausmaß des
Schadens vorgelegt haben:
Tabelle von Mor Aphrem Barsaum 1919 an den
englischen Premierminister
original siehe hier
Die Tabelle zeigt die Anzahl der zerstörten Dörfer, Kirchen, der
getöteten Familien, einzelnen Aramäer und Priester.
Die Tabelle habe ich beim durchforcen des Internets nach näheren
Informationen zu diesem Thema gefunden. Mehr konnte ich nicht
rausfinden. Das Internet ist in diesem Fall eher dürftig ausgelegt.
Weiß einer mehr darüber?
Wieviel Aramäer leben heute in einzelnen Staaten?
Es
leben ca. 80.000 syrisch-orthodoxe Christen in Deutschland. Sicherlich
sind nicht alle Mitglieder der SOK in Deutschland Aramäer, aber der
Großteil wird es sein. Und wenn man dann noch die
nicht-syrisch-orthodoxen Aramäer berücksichtigt, so würde man, vermute
ich, auf 80.000 - 90.000 Aramäer kommen (grob geschätzt). -> Angaben
ohne Gewähr!
Mitglieder der SOK
(Syrisch-Orthodoxen-Kirche):
Türkei => 25.000
Kuwait => 1.000
Ägypten => 250
Arabische Emirate => 5.000
Schweiz => 6.500
Österreich => 2.500
Neu Seeland => 1.500
Jerusalem & Jordanien => 6.000
Großbritannien => 700
Libanon => 30.000
Palästina => 3.000
Indien => 2.000.000
Amerika => 35.000
Argentinien => 5.000
Australien => 4.000
Kanada => 7.500
Schweden => 75.000
Brasilien => 3.000
Frankreich => 1.500
Belgien => 6.000
Deutschland => 80.000
Niederlande => 16.000
Syrien => 180.000
Irak => 70.000 / insgesamt aber ca. 270.000 bis 300.000*
------------------------------
Insgesamt => 2.764.450
Die Zahlen in der Tabelle beziehen sich nur auf eingetragene syrisch-orthodoxe Christen. Da gibt es noch viele Aramäer, die Mitglied bei der Assyrischen (Apostolischen) Kirche des Ostens, Syrisch-Katholische Kirche, Chaldäisch-Katholische Kirche und anderen christlichen Kirchen sind. Hinzukommen noch Aramäer, die anderen Religionen nachgehen. Und dann stellt sich noch die Frage, ob wir u. a. Maroniten noch hinzuzählen sollen/können/dürfen....?
*
Im irak leben geschätze 200.000 - 300.000 tausend Suryoye die sich aber
Assyrer nennen. Deswegen sind die viellecht bei der Zahlung nicht
berücksichtigt worden. Und vor paar jahren waren es genau 2 millionen
Suryoye im Irak die alle geflüchtet sind....
siehe dazu Geschichte und Lehre der Aramäer, Teil 1
siehe dazu Geschichte und Lehre der Aramäer, Teil 2
Ainwardo ist eines der bekanntesten Dörfer des Tur Abdin's, es liegt auf einer Höhe, östlich von Midyat und ist 2 Stunden zu Fuß zu erreichen. Alle Bewohner des Dorfes waren syrisch-orthodox. Zur Zeit des ersten Weltkrieges betrug die Zahl seiner Einwohner 200 Familien. In Ainwardo existiert auch die große Mor Hadbschabo- Kirche, die wie eine unbezwingbare Festung aussieht.
Die Männer aus Ainwardo waren bekannt für ihre Tapferkeit und ihr Eifer. Kein Dorf von den Ländern von Mesopotamien konnte sich den Türken und Kurden widersetzten und gegen sie kämpfen, wie dieses. In der Umgebung gedeihen Getreide, Obst und Wein; wie in vielen Ortschaften der Türkei betreiben die Bauern hier auch Viehwirtschaft.
In Ainwardo stehen drei Kirchen: "Mart Schimuni", "Mar Hodtschabo" und "Joldath Aloho". Wie alle christlichen Ortschaften im Tur Abdin ist Ainwardo mehr als 1000 Jahre alt. 1248 wurden hier Mönche und ein Stylit erwähnt. Mehrere Bischöfe, Kopisten und ein Patriarch stammten aus dem unter dem Namen " 'Ain Quarda" ' Ainwarda bekannten Dorf. Ein Evangeliar mit Miniaturen aus dem Jahre 1201 befindet sich noch im Besitz der Dorfkirche.
Im Jahr 1453 besetzten die Türken den Ort; im 16. Jahrhundert erlebte es einen Aufschwung. Damals wurde es mit dem Namen "Aynwerde" unter den reichen christlichen Siedlungen im Tur Abdin in den Katasterbüchern aufgeführt. Von 1526 bis 1570 stieg die Einwohnerzahl von 46 auf 136 Familien. Einige Reisende erwähnten den Namen des Dorfes unter verschiedenen Schreibweisen.
Das
Dorf Arkah ist erstmals in der Lebensgeschichte des heiligen Malke, der
im vierten Jahrhundert gelebt hat, erwähnt. Es ist eines der Dörfer der
früheren Diözese Beth Rische. Es liegt in der Nachbarschaft zum Kloster
Mor Malke von Kluzma, an der Nordseite der Izlo Berge. Östlich davon
liegt das Dorf Arbo, südöstlich Hbob (Habab), südlich Beth Debe, Sederi
und Harabemischka. Nördlich von Harabala kommt man nach Kafro Tachtayto
und nordwestlich nach Anhel.
Zur
Deutung des Namens Arkah haben einige die etwas vage Vermutung
aufgestellt, ihn von einer Kombination des Griechischen ‘arché’ und des
syrischen Buchstabens ‘h’ abzuleiten, was im Syrischen auch die Zahl 8
bedeutet. Das würde die Bedeutung ergeben: ‘Haupt von acht [Dörfern]’.
Oder: Harabale ist eine Zusammenziehung des vollen Namens ‘Harbath
Ayle’, was ‘das zerstörte Dorf der Hirsche’ bedeutet. Der türkische
Name des Dorfes ist Ucköy mit der Bedeutung von ‘Hauptdorf’.
Wie im Leben des Mor Malke berichtet wird, war Arkah in der Mitte des
vierten Jahrhunderts ein syrisches heidnisches Dorf. Wir lesen dort,
daß Schlemun, der Sohn des Vachbun, durch den Heiligen einem Drachen
entrissen wurde. Dies bezeugt sein Freund Rhimo, der Sohn von Zabday.
Dieses Wunder führte zur Bekehrung des ganzen Dorfes zum Christentum.
Schlemun wurde der erste Schüler von Mor Malke. Sie erbauten das
Kloster, und er lebte dort bis zu seinem Tod.
In dem Buch von Patriarch Abdallah von Sadad mit dem Namen
„Statistiken“, das er im Jahre 1870 zusammengestellt hat, erwähnt er
die drei Priester des Dorfes: Schemun, Gawriye (Georg) und Michael.
Bürgermeister war Yakup Makko. Die Statistik enthält die Namen von 41
Familien im Dorf.
Wie mündlich berichtet wird, wurde das Dorf im Verlauf der politischen
Auseinandersetzungen zwischen 1900 und 1926 dreimal niedergebrannt und
von den Bewohnern jedes Mal wieder aufgebaut. Zur selben Zeit verließen
viele das Dorf und die Izloberge und wanderten nach Syrien, in den
Libanon und in den Irak aus. Während dieser Periode der Auswanderung
ging eines Nachts ein schweres Unwetter nieder und 27 Personen, auch
der Bischof Severius Schmuel von Beth Debe, der in Malke residierte,
starben infolge des kalten Wetters. Nicht lange nach dieser Flucht
taten sich die maßgeblichen Männer des Dorfes zusammen und beschlossen,
in das Dorf zurückzukehren. Doch manche blieben in Syrien, im Libanon
und im Irak. Heute gibt es mindestens 70 Familien in Kamischli und in
Kabre Hewore in Syrien.
Im
Folgenden wird ein Überblick über die Namen der Priester, Lehrer und
Bürgermeister des Dorfes seit 1920 gegeben. Priester: Pfarrer Dimet,
der Sohn von Pfarrer Schemun, Pfarrer Aho aus dem Hause des Pfarrers
Gawriye, Pfarrer Schabo von Aynwardo, Pfarrer Aho, Pfarrer Lahdo,
Pfarrer Afrem von Aynwardo, Pfarrer Qawme in Mor Malke, Pfarrer Eliyo,
Sohn des Marawge von Beth Hawshab, der gegenwärtig die Gläubigen von
Arkah und Anhel betreut. Lehrer waren: Malfono Gabriel, Malfono David,
Malfono Fawlus, Malfono Marawge, Malfono Shabo, Malfono Mushe, Malfono
Ishok and Malfono Shlemun. Bürgermeister waren: Yusuf Henno, Tade von
Beth Cheni, Elyas von Beth Goge, Patte von Beth Patte, Aho von Beth
Henno, Ello von Beth Gamsho, Abdulmesih von Beth Enes und Marawge von
Beth Gamsho.
Im Jahre 1980 gab es im Dorf 80 Familien, von denen 24 bis heute im
Dorf verblieben sind. Gegenwärtig leben etwa 1000 Familien von Arkah in
Europa und in Syrien. (Das kann aber nicht bedeuten, daß 1000 von Arkah
stammende Familien ausgewandert sind! Anm. der Redaktion.)
Folgende
Priester, die von Arkah gebürtig sind, versehen heute ihren Dienst:
Pfarrer Eliyo im Dorf Arkah, Pfarrer Sleman in Kabre Hewore, Pfarrer
Habip Hapsun Isa in Mor Aho in Demkiya, Pfarrer Habib Schao von Beth
Muksi Lachdo in Göppingen (Deutschland). Mönch Aziz Gawriye von Beth
Hawschab und Schwester Zero Isa von Beth Patte leben im Kloster Mor
Malke und Mönch Gabriel Dimet von Beth Kaschischo Schemun und Schwester
Sayde Malke von Beth Hio sind im Kloster Mor Gabriel.
Die
staatliche Schule wurde im Jahre 1961 eröffnet. Die Militärstation
verlegte man 1975 vom Dorf Habab (Ehwo) nach Arkah. 1984 wurde ein
Tiefbrunnen gebohrt, um das Dorf und die Militärstation mit Wasser zu
versorgen. Das Dorf kann auf drei Straßen erreicht werden: Eine Straße
führt durch die Dörfer Maare, Harabemischka, Sederi, Beth Debe und
Habab; eine zweite kommt von der Hauptstraße Midyat Cizre und führt
durch die Dörfer Barekwe, Kafnas, Daywan und die Yezidi Dörfer; die
dritte wird von den Dorfbewohnern hauptsächlich benützt. Sie zweigt bei
Anhel von der Straße Nusaybin Midyat ab und führt über Kafro Tachtayto
ins Dorf. Sie wurde in diesem Jahr planiert und asphaltiert.
Das
Dorf erhielt 1986 Strom und 1988 Telefon. Der nicht aufgeklärte Mord
von Aydin von Beth Patte und seinen Begleitern im Jahre 1993 in einem
Minibus hat viele aus dem Dorf und den Nachbardörfern bewogen, das Dorf
zu verlassen. Zur Zeit wird für die Jugend des Dorfes ein neuer
Fußballplatz errichtet: der Boden ist planiert, um den Platz ist eine
Mauer im Bau, ebenso werden Duschräume und Toiletten gebaut werden.
Die wichtigste Erwerbsquelle sind die Weintrauben und die Tierzucht.
Das Dorf ist durch seine Trauben, die Drayso genannt werden, bekannt.
Sie werden frisch oder getrocknet als Rosinen verkauft und sind im
Vergleich zu anderen sehr teuer. Diese Art von Trauben findet man sonst
nirgends im Turabdin. Sie sind viel größer als die sonstigen
Weintrauben und schmecken ausgezeichnet.
Arkah war einst der Mittelpunkt einiger Dörfer der Umgebung und der Ort, wo sich die Menschen einfanden, um ihre Probleme zu lösen. Jetzt ist es eines der wenigen christlichen Dörfer, die im Turabdin übriggeblieben sind. Es wurde beschützt durch die Vorsehung Gottes gemäß dem Bibelwort: „Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut. Wenn nicht der Herr die Stadt bewacht, wacht der Wächter umsonst (Ps 127,1). Jetzt wartet das Dorf auf die Rückkehr seiner Söhne und Töchter, damit sie darin leben. Es ist das Dorf ihrer Vorfahren, die für sie Kirchen und Klöstern erbaut und hinterlassen haben. Zusammen mit dem Kloster Mor Malke in seiner Nähe lädt es zur Rückkehr in die Heimat ein. Warum sollten die Izloberge, die einst eine blühende Ansiedlung waren, nicht aufs neue aufblühen.
Quelle:arkah.deAntiocheia am Orontes -
Stadtgeschichte
Um
115 n.Chr. zerstörte ein schweres Erdbeben die Stadt, während sich
Kaiser Trajan dort aufhält. Im Jahre 260 n.Chr. wurde
Antiochia für kurze Zeit durch den Perserkönig Shapur I. in Besitz
genommen, aber bald von den Römern zurückerobert. Nach der
Anerkennung der christlichen Kirche durch Konstantin (313)
wurde Antiochia Sitz eines Metropoliten, später eines Patriarchen.
In den Jahren 526 und 528 zerstörten erneut schwere Erdbeben große Teile von Antiochia, und 540 wurde es durch Chosrau I. erneut von den Persern erobert. Es folgt die nochmalige römische Rückeroberung durch Justinian, der Antiochia wieder aufbauen ließ, aber nach weiteren Eroberungen in den Jahren 611(Eroberung durch die Perser) und 628 (Kaiser Heraklios) fältt Antiochia 638 an die Araber, von denen es 969 letztmalig durch den byzantinischen Kaiser Nikephoros Phokas zurückerobert wird, bevor ab 1084 die Seldschuken über Antiochia herrschen. Während der Kreuzzüge wurde Antiochia 1098 durch Bohemund von Tarent erobert und bis 1268 Hauptstadt des Fürstentums Antiochia.
Entstehung
und Geschichte der christlichen Gemeinde im 1. Jahrhundert nach
Christus.
Die
antiochenische Gemeinde war offenbar von Anfang an eine aktive
Missionsgemeinde. Zielgruppe der Mission waren zunächst sicher die
zahlenmäßig sehr stark in Antiochia vertretenen Diasporajuden. Doch
wurde schon sehr bald die Grenze des Judentums überschritten, und es
entstand eine aus ehemaligen Heiden und ehemaligen Diasporajuden
gemischte Christengemeinde.
Paulus
schloss sich nach seiner Berufung zum Apostel der antiochenischen
Gemeinde an. Daraufhin betrieben Barnabus und Paulus aktive Mission in
Zypern und Kleinasien (Südgalatien).
48 n.Chr. fand das sogenannte
Apostelkonzil statt (Gal 2,1-10; Apg 15). Die Vertreter der Gemeinden
von Antiochia und Jerusalem verständigten sich darüber, dass das
Bekenntnis zu Christus und die Taufe auf seinen Namen (also die
Vollzugehörigkeit zur christlichen Gemeinde - die sich ja
als Volk Gottes versteht) nicht die Beschneidung zur
Voraussetzung hat. D.h. die Gemeinde von Antiochia konnte ihre
beschneidungsfreie Heidenmission weiter betreiben. Gleichzeitig begann
das frühe Christentum aus dem Rechts- und Religionsverband des
Judentums herauszutreten.
Danach kam es allerdings in der
antiochenischen Gemeinde zu Konflikten über das Zusammenleben von Juden
und Nichtjuden in der gleichen Gemeinde, und zwar über die Frage,
wieweit die Gesamtgemeinde - also auch die Christen nichtjüdischer
Herkunft - auf die jüdischen Speisegebote, an die sich die Christen
jüdischer Herkunft gebunden fühlten, Rücksicht nehmen muss (so
genannter Antiochenischer Konflikt, vgl. Gal 2,11-14).
Paul
von Samosata wurde von zwei Synoden abgesetzt, weigerte sich aber, die
Hauptkirche von Antiochia zu räumen. Erst als sich die neue
Gemeindeleitung an den (heidnischen!) Kaiser Aurelian wandte, konnte
man ihn aus der Kirche vertreiben. Die kann wohl erst 272 stattgefunden
haben, nachdem Aurelian Antiochia zurückerobert hatte. Denn Zenobia,
Königin von Palmyra, hatte zwischenzeitlich Syrien, Ägypten und
Kleinasien erobert um dort ein selbstständiges Reich zu etablieren.
Paul von Samosata wird auch als Parteigänger und Berater der Zenobia
bezeichnet. Ob das stimmt, lässt sich nicht mehr überprüfen. Etnweder
hat er sich während der Besetzung Antiochias durch Palmyra mit der
neuen Oberherrschaft gut gestellt, oder es handelt sich um
Verleumndung, um ihn bei Aurelian anzuschwärzen.
Ende
des 3./4. Jahrhunderts war Antiochia Sitz theologischer Gelehrsamkeit.
Die antiochenischen Theologen waren weniger spekulativ als die
Alexandriner oder dann die Jungnicäner, sondern sie waren eher
exegetisch-biblisch orientiert. In der Schriftauslegung übten sie
deutlich Zurückhaltung gegenüber der Allegorese (Origenes). Typisch für
die antiochenische Theologie ist Theodor von Mopsuhestia. Auch der
Presbyter Lukian († 312 während der Diokletianischen
Verfolgung), der sich um die Revision der Septuaginta bemühte, also
grammatische Arbeit leistete, kann als typischer Vertreter der
antiochenischen Theologie angesehen werden. Berühmt ist auch Johannes Chrysostomos (*
349 in Antiochia; † 407 in Konstantinopel). Er war eng mit dem
gleichaltrigen Theodor von Mopsuhestia befreundet.
Bevor
er im Jahre 386 Presbyter in Antiochia wurde, hatte er ein asketisches
Leben in den Bergen außerhalb der Stadt geführt. Johannes Chrysostomos war
ein gefeierter Prediger. Überliefert sind von ihm 17 Abhandlungen und
mehr als 700 Predigten. Ein erheblicher Teil dieser Predigten stammt
aus seiner Zeit in Antiochia, und sie sind auch eine reiche Quelle für
das Leben der Stadt Antiochia, die Beziehungen der Christen zu Heiden
und Juden, über tagespolitische Fragen usw.
Libanios
und Julian Apostata
Im 4. Jahrhundert gab es in Antiochia eine pagane Gegenreaktion gegen
das sich ausbreitende Christentum. Bedeutendste Vertreter dieser
Bewegung war Libanios (* 314 † 393). Er stammte aus Antiochia und war
Abkömmling einer Patrizierfamilie. Libanios hatte ein Rhetorikstudium
absolviert und war so erfolgreich, dass er bereits mit 25 Jahren
Rhetorikprofessor in Athen war. Er wirkte aber auch in den Städten
Konstantinopel, Nikomedien und ab 354 in Antiochia. Libanios lehnte als
Vertreter der paganen Religiosität das Christentum konsequent ab.
In den Jahren 362-363 hielt sich Kaiser
Julian Apostata in Antiochia auf, um seinen Perserfeldzug
vorzubereiten. Libanios gehörte zu dessen engstem Berater- und
Freundeskreis. So ist es auch kaum verwunderlich, dass Julian Apostata
während seines Aufenthaltes in Antiochia den Versuch unternahm, viele
alte heidnische Kulte wiederzubeleben.
Die Entwicklung
nach 451 (Konzil von Chalcedon)
Arnas: Arnas -
Baglarbasi - 'Urnus - 'Oernes – Urnas
Dieser
Ort liegt 9 km nördlich von Midyat auf einem steilen Abhang an der
steilen Piste Midyat - Arnas — Hah. Von den 970 (942) Einwohnern sind
30 Familien christlich (1980: 28 Familien). Sie sprechen Turojo und
Kurdisch. Die Dorfkirche „Mär Kyriakos" aus dem Jahre 76l ist
nur teilweise restauriert. Ruinen, Säulenreste, Steinblöcke mit
Inschriften und Ornamenten umgeben das Bauwerk. Auch im Dorf stehen
zahlreiche Ruinen, darunter die Überreste einer Burg.
Dazwischen nehmen sich einige moderne, langestreckte Verwaltungsbauten
und die Schule wie Fremdkörper aus.
Arnas
war schon seit dem 9. Jahrhundert bekannt; ein Bischof und ein
Metropolit stammten von hier. Im 16. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung
dieses blühenden christlichen Ortes von 85 auf 188 Familien an.
Zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert wurde Arnas durch mehrere hier
kopierte Handschriften, einige Bischöfe und einen Maphrian bekannt . Im
19. Jahrhundert hatte der Ort wie alle anderen christlichen Ortschaften
im Tür 'Abdin seine Bedeutung verloren. Colonel Shiel traf hier um 1835
einen von den Osmanen eingesetzten „wild aussehenden Bürgermeister" an,
ob Christ oder Muslim, ist unbekannt. Um 1870 war jedoch bereits die
Hälfte der Bevölkerung muslimisch. Aber die alten Überlieferungen
waren noch lebendig: Parry, die Architektur der Dorfkirche bewundernd,
erfuhr von den Einheimischen, eine Säule im Kircheninnem sei noch ein
Rest eines von der Kaiserin Helena angebrachten Kreuzes. Die
byzantinische Vergangenheit ist bis heute nicht vergessen.
Die
Dorfkirche „Mar Kyriakos" spiegelt das Schicksal der Christen im Tür
'Abdin wider; häufig zerstört, wurde sie wiederaufgebaut und
restauriert; Ornamente und Inschriften verschwanden hinter Putz, wie
schon die englische Kunsthistorikerin Gertrude Bell bemängelte.
Trotzdem entdeckte der Franzose Pognon eine größere Zahl von
Inschriften, von denen heute noch die meisten an der Kirchenwand zu
sehen sind. Um 1900 hatte sich das Bevölkerungsgewicht
bereits zugunsten des muslimischen Anteils verschoben (100 muslimische,
90 christliche Familien), die amerikanische Mission konnte zehn
Familien gewinnen. Wie ich bei meinem Besuch 1968 von einem
Mitarbeiter der österreichischen Schule in Istanbul erfuhr, hatte sich
ein Teil der christlichen Bevölkerung irgendwann der unierten Kirche
angeschlossen, war Aber wieder zur alten Kirche zurückgekehrt. 1968
habe der Priester bei ihmangefragt, was die katholische Kirche für ihn
und seine Anhänger tun könne,wenn sie zur syrisch-katholischen Kirche
überwechselten. Im Gegensatz zum 19. Jahrhundert, als auch die
katholische Kirche die westsyrischen Christenmit den verschiedensten
Mitteln zum Übertritt bewegen wollte, winkt sie jetzt zumeist
bei solchen Vorstößen der Einheimischen ab. Deshalb gehörtPriester
Schimun Dag (geb. 1923, Priesterweihe 1955) noch der
syrisch-orthodoxen Kirche an.
Quelle:Helga Anschütz-Die Syrischen Christen im Tur Abdin
Quelle: Lebendiges Kulturerbe (Prof. Dr. Hans Hollerweger)
Arbo
zählt
324 (369) christliche Einwohner (1980: 30 Familien) und liegt 30 km
südöstlich von Midyat im Zentralen Tur Abdin, 6km südlich des Klosters
Mar Gabriel . Seine Bevölkerung spricht Turojo. In der Kirche Mar Dimet
befinden sich mehrere Patriarchen- und Bischofsgräber. Der Priester
Afrem Alan aus dem benachbarten Harapali betreute die Gemeinde bis zu
seiner Übersiedlung nach Deutschland 1981. Dort starb er
1982. Mehrere Kirchenruinen ( Mar Schallita, Joldath Aloho, Mar Eschajo
und Matt Schimmuni) so wie die Überreste des Klosters Mar Schimun in
der nähe Arbo bezeugen die frühere Bedeutung des heute kleinen Dorfes.
Möglicherweise
war Arbo in römischer Zeit Hauptort der Provinz Arbaye die bald den
Persern, bald den Römern gehörend, von Nisibis (Nusaybin) bis zum
Tigris reichte. An dieser Zeit erinnert der Bezirk Arbu innerhalb des
Kreises von Midyat. Er reichte von dem Dorf Arbo (Ba`arbaja) bis
Nusaybin Süden und dem Tigris im Norden, entsprachen also in seiner
Ausdehnung der Provinz Arbaye in der Römerzeit. Im Tur Abdin ist
mehrfach zu beobachten, wie Antike Verwaltungsgrenzen und Orte die
vergangenen 1500 Jahre bis heute überdauerten. Größere Ruinenfelder
weisen, wie in Arbo auf die frühere Bedeutung der Orte hin.
Der
einheimische Überlieferung entsprechend soll Arbo als einzige
christliche Ortschaft 1400 von den Tataren verschont geblieben sein.
Behnan Setti, Bischof von Arbo, soll Tatarenkhan Timur besucht und sich
so interessant mit ihm unterhalten haben, dass der sonst so
Unnachsichtige die Heimsucht des Ortes unterließ. Das besorgte dann
aber 1403 und 1505 die Kurden. Ein Sonderpatriarch aus Midyat stammte
noch um 1784 aus Arbo. Im 19. Jahrhundert hatte Arbo wie die anderen
christlichen Siedlungen unter mehrfachen Überfällen kurdischer
Heerscharen aus dem Bothan-Gebiet jenseits des Tigris zu leiden.
Zahlreiche Priester und Dorfbewohner wurden getötet und die
Kirchen Mar Dimet, Mar Schimun Mar Schallila und Joldath Aloho
zerstört. Die Räuber öffneten die Gräber der Priester und raubten sie
aus.
Tur-Abdin Karte - hier klicken
Quelle: Helga Anschütz.
Azech - Azach - Azekh - Beth Zabday - Idil
Schicksal einer aramäischen
Stadt
Azech
liegt zwischen Midyat und Cizre. In der ehemaligen rein christlichen
Azech die durch vielen Kirchenruinen bezeugt wird, teilen sich heute
verschiedene ethnische Gruppen die Handelsstadt, in der Arabisch,
Kurdisch, Aramäisch und Türkisch zu hören ist. In Azech sind leider nur
noch wenige christliche Familien.
Quelle: http://www.bethzabday.de/
Kleine Anmerkung:
Über
Azekh ist im Volksmund ein großer Unsinn bekannt: Angeblich hieße die
Stadt früher "Beth Zabdai". Das ist nur die halbe Wahrheit. Sie hieß
schon "immer" Azekh und wurde über eine kurze Periode nach einer
bedeutenden Persönlichkeit Namens "Zabdai" benannt. Die Türken nannten
sie später Idil.
Azekh ist somit vollkommen richtig.
* 19.4. 1928 Hamburg, † 13.5. 2006 Reinbek, Geographin, Journalistin und Fürsprecherin der syrisch-orthodoxen Christen. - Aus einer ursprünglich in Thüringen beheimateten Familie von Ärzten und Gelehrten stammend, wurde A. am 19.4. 1928 als Tochter des Psychologen Prof. Georg Anschütz (1886-1953) in Hamburg geboren, besuchte in Reinbek die Sachsenwaldoberschule und studierte 1948-1956 an der Universität Hamburg Geschichte, Pädagogik, Philosophie und Zeitungswissenschaft. Nach dem 1. Staatsexamen für das Höhere Lehramt 1955 promovierte sie 1956 unter der Anleitung von Prof. Fritz Fischer mit einer Arbeit über "Die Nationalsozialistische Arbeiterpartei in Hamburg bis 1930" zum Dr. phil. in Geschichte, Vorgeschichte und Wirtschaftsgeographie.
Nach vier Jahren Schuldienst wirkte sie 1960-1989 als Dozentin für deutsche Sprache an den Goethe-Instituten in Teheran und in Rabat. Ab 1965 erforschte sie den in der Südosttürkei liegenden Tur 'Abdin und die dort lebenden "Suryoye" und gleicht darin anderen Damen der europäischen Bildungsschicht seit dem 19. Jahrhundert, die - zuweilen alternativ zu einem populären, aber nicht erfüllenden geselligen Bohème-Leben - alleinreisend den Orient erkundeten. Aufmerksam geworden war sie auf die Syrer einerseits durch einen ihrer Sprach-Studenten, Melek Simsek, andererseits wie schon bei ihrer Dissertation durch die Auseinandersetzung mit ihrem Vater, der 1915 bis 1919, also in Zeiten der Verfolgung der Armenier und "Nestorianer" durch die Jungtürken und der "Jakobiten" vor allem durch die Kurden (zuweilen wohl mit stillschweigender Duldung seitens der türkischen Behörden und Regierung), in Istanbul ein Institut für experimentelle Psychologie gegründet und geleitet hatte. 1968 bis 1971 unternahm A., gefördert durch drei DFG-Stipendien, Feldforschungen in der südosttürkischen Provinz Mardin, die sie 1984 in der Monographie "Die syrischen Christen vom Tur 'Abdin" zusamenfaßte. Hierin stellt sie in einer Bestandsaufnahme den Zustand der westsyrischen / aramäischen Gemeinden im Zeitraum zwischen 1965 und 1982 dar, der sich angesichts des vorangegangenen türkischen und des nun erneut zunehmenden kurdischen Drucks auf diese zwischen Stagnation, Resignation und Auswanderung bewegte (vgl. dazu auch H. Kaufhold in Oriens Christianus 70 (1986), 205-211). Daneben betrieb sie bei zusätzlich bei Julius Aßfalg und Peter Kawerau syrische Sprachstudien.
Gleichzeitig produzierte sie ab 1968 gemeinsam mit ihrem libanesischen Ehemann, dem Theologen und Filmemacher Dr. Boulos Harb (* 1933) über 80 Fernsehdokumentationen. Reisen führten sie nach Nordafrika und durch den gesamten Vorderen Orient. Nicht nur in mehreren Vereinen, die sie mitgründete, dem 1990 gegründeten Deutsch-Libanesischen Verein in Reinbek, dessen Schriftführerin und Öffentlichkeitsreferentin sie war, dem 1992 gegründeten Mar Gabriel Verein, dessen Vorsitz sie von 1992 bis 2005 innehatte, der DAVO (Deutsche Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient), wo sie das Panel zum Christlichen Orient anregte, sondern auch in vielen Veranstaltungen an Universitäten, Akademien, Volkshochschulen und in Kirchengemeinden erhob beständig sie die Stimme zugunsten der westsyrischen Christen / "Jakobiten" im Gebiet des "Berges der Knechte Gottes", die sie zu Zeiten, als diese noch nicht wie später durch Zeitschriften und durch Internet-Publikationen selber ihre Stimme erheben konnten, gewissermaßen adoptiert hatte, und der "Suryoye" insgesamt, deren Zerstrittenheit in "Aramäer" und "Assyrer" sie beklagte. 2001 wurde A. bei einem schweren Autounfall in ihrer zweiten Heimat Marokko schwer verletzt und war fortan in ihrem Wirken eingeschränkt. Nach ihrem Tod am 13.5. 2006 wurde sie am 27.5. 2006 auf dem Friedhof des syrisch-orthodoxen Klosters Mar Ephräm in Losser/Glane in den Niederlanden begraben, damit ihrer als Fürsprecherin der syrischen Christen aus dem Tur 'Abdin weiterhin gedacht werden kann.
Die
syrischen Christen vom Tur 'Abdin: eine altchristl. Bevölkerungsgruppe
zwischen Beharrung, Stagnation und Auflösung. von
Helga Anschütz
258
Seiten
ISBN
3-7613-0128-6
Würzburg,
Augustinus-Verlag,1984
Zu
diesem Buch:
Aufgabe
dieser Arbeit soll es sein, die Gegenwartslage der syrischen Christen
im Tur 'Abdin und die Situation in den von ihnen - früher oder
gegenwärtig, ganz oder teilweise - bewohnten Ortschaften darzustellen.
Der von uns untersuchte Zeitraum umfaßt genau die Jahre 1965 bis 1979
bzw. 1982. Dabei kommen den sozialen und kulturellen Hintergründen, die
zu dem jetzigen Zustand geführt haben, natürlich eine besondere
Bedeutung zu. Notwendigerweise müssen, wenigstens in gewissem Umfang,
auch die historischen Zusammenhänge in unsere Betrachtung einbezogen
werden, um das Neben- und Gegeneinander der verschiedenen Bevölkerungs-
und Religionsgruppen zu verstehen. Es gilt, manche heutige
Verhaltensweisen zu ihren geschichtlichen Wurzeln zurückzuverfolgen.
Dabei zeigt sich, wie sehr sich die Bedeutung der christlichen
Bevölkerung und ihrer Kultur gegenüber früheren Zeiten verringert hat.
Unübersehbar lassen dies u. a. die zahlreichen
Kulturhinterlassenschaften Kirchen, Klöster, Ruinen - erkennen, die
sich auch außerhalb der heute von Christen bewohnten Ortschaften
finden. Gegenwärtig aber scheint eine seit dem frühen Mittelalter
währende christliche Prägung des Gebietes überhaupt zu Ende zu gehen.

Das aramäische Alphabet, das mit der aramäischen Sprache als lingua franca die weiteste Verbreitung unter den nordsemitischen Alphabeten gefunden hatte, führte ab dem frühen 9. Jh. v. Chr. und ebenfalls unter Beibehaltung der Abgad-Reihe die matres lectionis ein. Seine typologischen Weiterentwicklungen in der palmyrenischen, haträischen und syrischen Schrift führten zu keinen wesentlichen Veränderungen des Alphabets, aber der konsonantischen Orthographie und damit indirekt zu Verschiebungen in der Häufigkeit des Gebrauchs einzelner Buchstaben. Insbesondere wurde über die Vermittlung des Nabatäischen das Samech in der arabischen Schrift völlig aufgegeben, die dagegen schließlich dem höheren Phonemstand durch die Einführung diakritischer Zeichen zur phonetischen Doppelbelegung einzelner Grapheme Rechnung trug. Das moderne arabische Alphabet basiert dabei nicht mehr auf der Abgad-Reihe.
Olaf
= nichts
Beth
= b
Gomal
= g / gh
Dolath
= d / dh
He
= h
Wow
= w / u
Sai
= s
Cheth
= ch
Teth
= t
Jus
= j / i
Kof
= k
Lomas
= l
Mim
= m
Nun
= n
Semkas
= s / ß
´e
= ´
Fe
= f
Sode
= s oder ß
Qof
= q
Risch
= r
Schin
= sch
Tau
= T / th
Die Kanzlei-Kursive des achämenidischen Perserreichs wurde in nachexilischer Zeit sukzessive auch für das Hebräische übernommen (vgl. Esr 4,7; Babylonischer Talmud, Traktat Sanhedrin 21b.22a; Text Talmud), womit eine „jüdische“ Schrift entstand. Als ihr ältester Beleg mag immer noch der Papyrus Nash gelten, ein den Dekalog und das → „Schema Israel“ ( Dtn 6,4f) enthaltendes ägyptisches Papyrusfragment aus dem 2. Jh. v. Chr. In den Handschriftenfunden vom Toten Meer und der judäischen Wüste (→ Qumran etc.) wurde in der grob in einen hasmonäischen und einen herodianischen Typ zu unterscheidenden Schrift geschrieben, die ihre Vollendung schließlich in der sog. Quadratschrift fand, die bis heute als die typische hebräische Buchschrift gilt.
Wo Hebräisch
nicht mehr Erst- oder Muttersprache war, entstand in der jüdischen
Diaspora, aber auch im griechisch- oder aramäischsprachigen
Palästina das Bedürfnis nach zusätzlicher Bezeichnung der
Vokale über die alte Verwendung der matres lectionis hinaus. Hierbei
hatte sich schließlich seit dem 8. Jh. n. Chr. das tiberische System
durchgesetzt, wonach Vokale – im Prinzip ohne Interesse an ihrer
Quantität, aber offene und geschlossene Qualitäten unterscheidend –
durch unter oder über die Konsonantenzeichen, die eigentlichen
Buchstaben, gesetzte Punkte oder Striche bezeichnet werden. Da es sich
hierbei um Zusatzzeichen handelt, die im Prinzip auf der gleichen Ebene
wie die Akzente und der diakritische Punkt für
Die Aramäische Sprache heute
Bis heute hat das Aramäische
als Sprache von religiösen Minderheiten, hauptsächlich von
syrischen Christen (Suryoye),
aber auch von Juden und Mandäern, auf Sprachinseln verteilt über den
ganzen fruchtbaren Halbmond, überlebt. Diese aramäischen Sprachen und
Dialekte bezeichnet man als Neuaramäisch[4]. Im Westen Syriens liegen die drei Dörfer,
Ma‘lula, Bax‘a und Jub‘adin, in denen das so genannte Neuwestaramäisch
gesprochen wird[5]. Als Neuostaramäisch bezeichnet man alle anderen
Sprachen, wie das Neumandäische im Südirak und Südwestiran[6], das Nordostneuaramäische[7] mit vielen unterschiedlichen von Juden und
Christen gesprochenen Dialekten im osttigridischen Raum, der bis nach
Iranisch-Azerbeidjan reichte und schließlich die Sprache des Tur Abdin,
Turoyo und die inzwischen ausgestorbene Mundart von Mlahsô[8], einem Ort nahe der Stadt Lice in der Umgebung von
Diyarbakir. Zur Schriftsprache brachte es nur der Dialekt von Urmia,
aus dem Bereich des Nordostneuaramäischen, als in der Mitte des 19. Jh.
mit Hilfe von amerikanischen Missionaren dieser Dialekt wohl vor allem
für Missionszwecke verschriftlicht wurde. Damit war eine neue
aramäische Literatursprache geschaffen, in der neben der Bibel auch
viele andere literarische Werke, Lexika und Übersetzungen aus der
Weltliteratur verfasst wurden[9]. Von
einer systematischen Verschriftlichung sind alle anderen neuaramäischen
Dialekte weit entfernt.
siehe
dazu Geschichte und Lehre der Aramäer
Quelle:

Die
Geschichte der Bibliotheken des Suryoye Volkes
Die
Bibliotheken im Kloster Mor Aphrem der Syrer in Damaskus: Im Syrisch
Orthodoxen Kloster Mor Aphrem der Syrer in Damaskus befinden sich
folgende Bibliotheken: Die Bibliothek des Patriarchen Mor Ignatius
Aphrem Barsaum (1887, Mossul -1957, Homs).
Die
Bibliothek des Klosters Mor Athansios
Diese
Bibliothek befand sich in der Ortschaft Bet Tell-Besme nahe Risch Ayno
und wurde im 8. Jh. vom Metropoliten Mor Athanasios IV. Sandalaja
gegründet. Zwischen 740 bis 1042 kamen 15 Episkopen aus diesem Kloster
hervor. Der Abt Anastas verwaltete zu jener Zeit die Klosterbibliothek.
Die
Bibliothek des Klosters Teil Ada
Die
Bibliothek des Klosters wird schon im 7. Jh. von einigen
Schriftgelehrten erwähnt. Sie besaß eine reiche Sammlung von Werken aus
dem Jahre 570, die von Mor Ishok geschrieben waren. Nachdem Mor Yakub
aus Urfa (684-708) verstarb, wurden seine Werke von den Mönchen des
Klosters der Klosterbibliothek hinzufügt. Heute befinden sich einige
der wichtigsten Exemplare aus dieser Bibliothek im British Museum unter
der Nummer 740.
Die
Bibliothek des Klosters Mor David
In
der Vergangenheit existierten zwei Klöster, die nach dem Heiligen Mor
David benannt wurden. Einer dieser Klöster befand sich in der Ortschaft
Busar, nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus. Später wurde das Kloster
nach den Heiligen Mor Hina umbenannt. Den syrischen Quellen nach wurde
in der zweiten Hälfte des 6. Jh. ein weiteres Kloster nahe der Stadt
Qenneshrin erbaut.
Zu
den wertvollsten Werken der Bibliothek des Klosters Mor Hina zählte das
Manuskript "Filulutis" (die Wahrheit Lieben) des Heiligen Mor Severyos.
Dieses Werk wurde im 7. Jh. dem Abt des Klosters Mor Daniel
ausgehändigt. Dieses Exemplar befindet sich heute in der Bibliothek des
Vatikans (Nr. 139).
Die
Bibliothek des Klosters Mor Yuhanon
Die
Bibliothek des Klosters wird in der Zeit des Abts Paulus dreimal
erwähnt (163, 171, 182). Aus dieser Bibliothek ist nur noch eine Bibel
aus dem Jahre 586 erhalten geblieben. Heute befindet sich diese Bibel
in einer florentinischen Bibliothek.
Die
Bibliothek des Klosters Mor Yuhanon
Narip
Es
wird angenommen, dass dieses Kloster in der Nähe der syrischen Stadt
Aleppo errichtet wurde. Ein wertvolles Buch von Briefen und Artikeln
des Bischofs Mor Filiksinos, das im Jahre 569 beendet wurde, wurde für
eine längere Zeit, in dieser Bibliothek aufbewahrt. Heute befindet sich
dieses Exemplar im British Museum.
Die
Bibliothek des Klosters Mor Mushe (Berg Nabih)
Zu
den Sammlungen dieser Klosterbibliothek gehörte ein Werk des Mor Ivanis
Fumo d'Dahbo (der mit der Goldenen Zunge) aus der Mitte des 6. Jh.s.
Gegenwärtig befindet sich dieses Werk in einem Museum.
Die
Bibliothek des Klosters Mor Esfulus (Risch Ayno)
Im
Jahre 724 wurden vom Episkops von Mardin
und Esfulus der Bibliothek zahlreiche Werke geschenkt. Einige dieser
Werke befinden sich heute im Britischen Museum (Nr. 24)
Die
Bibliothek des Klosters Atnos
Das
Kloster Atnos befand sich in der Nähe der Ortschaft Tel-Basam bei
Ras-al-Ayn. Die Bibliothek des Klosters wurde im 8. Jh. seitens des
Bischofs Atanasios aus Mofarkat gegründet. Während des Zeitraums von
740-1042 wurden in diesem Kloster 15 Bischöfe ausgebildet. In den
Eintragungen wurde die Klosterbibliothek unter dem Namen "Anastas"
aufgeführt. Einige Werke aus dieser Bibliothek befinden sich heute im
British Museum unter der Nummer 934.
Die
Bibliothek des Klosters Mor Kuryakus
Bsorino
- Baspirin - Haberli - Bissorino (Haus der Hoffnung) - Besorino -
Bisorino/Basebrina
Baspirin liegt 37 km östlich von Midyat in der Nähe der Straße Mardin -
Cizre im Waldland des östlichen Tur-Abdin. Terrassen mit Wein-,
Obstbaum- und Walnußpflanzungen umgeben den Ort; überall stehen Ruinen
in der Nähe und im Ort selbst. Zwischen den Felsen sieht man die
unregelmäßigen, durch Steinwälle abgegrenzten Ackerflächen rotbraun
hervorleuchten. Beiderseits des in das Dorf führenden Weges stehen die
flachen Zementbauten der Polizeistation, des Krankenhauses und der
Schule.
Baspirin ist Bezirksort mit 505 (775) christlichen Einwohnern (1980: 60
Familien), die Turoyo (aramäischer Dialekt) sprechen. Hanna Aydin
schätzte die Zahl der christlichen Einwohner für 1980 auf 62 Familien.
Am östlichen Ortsende steht die Kirche "Mar Dodo" mit mehreren
Grabkammern. Hier ruhen auch die sterblichen Überreste des als Heiliger
und Märtyrer des Tur-Abdin verehrten Maphrian Schimun; er lebte im 18.
Jahrhundert, war als Autor theologischer Schriften und Hymnen bekannt
und wurde von Kurden ermordet. An das Hauptgebäude schließen sich zwei
kleine Kapellen an, davon wird eine jetzt als Schafstall benutzt.
In einer Ecke des Hofes wurde eine überdachte Nische mit einem
Altarstein für die exkommunizierten Kirchenmitglieder angebracht; sie
durften nur hier beten. Im Westen grenzen die umfangreichen Ruinen des
Klosters "Mar Dodo" an, dessen große Flügel früher einen weiten Hof
umschlossen.
Hier lebten einst Mönche und Nonnen in den verschiedenen Gebäudeteilen.
Dorfpriester ist heute Yusuf Cicek; bis etwa 1974 war es Gabriel Arslan
(geb. 1927, Priesterweihe 1951). Er wanderte nach Berlin aus, wo er
1978 starb. Bei meinem Besuch 1967 zeigte er mir mehrere alte
aramäische Handschriften, die er restaurieren lassen wollte.
Als ich Baspirin 1967 und 1968 besuchte, erfuhr ich, daß es dort
insgesamt 25 kleinere und größere Kirchen gebe.
Der Priester führte mich zu den Kirchen "Mar Schimun", "Mar Jakub
Malphono", "Mar Daniel", "Mar Kaume", "Mar Osyo", "Mar Azazael", "Mar
Kyriakos", "Mar Sarkis Bakos", "Mar Aho", Yoldath Aloho", "Mar Eschayo"
und zwei Kirchen "Mariam Magdoleito". Diese würfelförmigen
Tonnengewölbe waren oft nicht als Kirchen zu erkennen und standen
entweder im Dorf oder außerhalb davor zwischen Ruinen.
Die zahlreichen Kirchen und umfangreichen Ruinen in der Umgebung weisen
darauf hin, daß Baspirin früher eine weitaus größere Bedeutung hatte
als heute mit seinen kaum 400 Einwohnern. Aber bei vielen Dorfbewohnern
ist das Bewußtsein früherer Größe noch lebendig, die Kirche "Mar Dodo"
mit dem Grab des heiligen Schimun ist Ziel von Wallfahrern aus dem In-
und Ausland. In die Sonntagsschule gehen etwa 60 Kinder.
Der Ort war bereits im 10. und 11. Jahrhundert durch Mönche, Kopisten,
Autoren und Bischöfe bekannt. Bis 1167 wohnten hier auch Muslime.
Jedoch kam es häufig zu Reibereien zwischen den beiden
Religionsgruppen, und deshalb kauften die Christen den Muslimen nach
langwierigen Verhand-lungen das Land ab. Die Muslime versuchten
daraufhin mehrmals vergeblich, sich in den benachbarten Dorfruinen eine
neue Existenz zu schaffen.
Da die Christen keine Muslime in der Nähe haben wollten, besetzten sie
die Ruinen von Sari mit 10 Familien und bauten diese wieder auf. Die
Muslime aber zogen nach Damaskus und holten sich dort militärische
Hilfe gegen die Christen, um wieder in Baspirin einziehen zu können.
Ihre Angriffe scheiterten jedoch am erbitterten Widerstand der
christlichen Bewohner.
Damals wurde der Ort von der reichen Familie Sobo regiert, die den
Landkauf finanzierte. Auch ließ sie die zerstörten Kirchen "Mar Dodo",
"Mar Aho", "Mar Osyo" und "Mar Eschayo" wiederaufbauen, eine Burg und
eine Karawanserei errichten sowie Gärten und Brunnen anlegen. In ihrem
Auftrag wurden außerdem mehrere Handschriften mit Buchmalerei und
goldenen Dekkeln angefertigt. Im 15. Jahrhundert stammten aus Baspirin
bedeutende Bischöfe, Autoren und Kopisten.
Mehrfach in seiner Geschichte hatte der Ort unter Überfällen und
Verwüstungen zu leiden: 1396 durch die Tataren, 1433 durch osmanische
Truppen, ,1453 durch nomadisierende Kurden aus Bohtan, 1492 durch
Kurden, Jesidi und Stämme aus dem westlichen Tur-Abdin. Oft wurden
Gefangene in die Sklaverei verkauft.
Das Dorf blieb aber auch von Naturkatastrophen nicht verschont: 1423
forderte die Pest 400 Opfer, 1674 wurde es durch ein Erdbeben zerstört;
1727 vernichteten Heuschrecken die gesamte Ernte, 1759 herrschte
Hungersnot. - Aber trotz aller Heimsuchungen blieb das geistige Leben
ungebrochen: 1631 besuchten z.B. 306 Kinder die Sonntagsschule. Viele
Hymnen wurden über die Geschichte von Baspirin verfaßt.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts bot Baspirin ein Bild des Wohlstands,
von seinen Frauen durch reichen Silberschmuck zur Schau gestellt. Die
Umgebung war sorgfältig in Terrassen angelegt. Der ganze Ort war
wohlbefestigt, bestand aus Häusern mit Terrassen, und war stets durch
seine hohen Mauern und Schießscharten verteidigungsbereit.
Die festungsähnliche Kirche überragte auf einem felsigen Bergrücken das
Dorf und die Umgebung. Der Missionar Sandreczki besuchte damals den Ort
und wurde von einem Priester empfan-gen, der ihn in sein geräumiges und
reinliches Haus führte. Der Geistliche machte - im Gegensatz zu manchen
Kollegen in dieser Gegend - einen belesenen Eindruck. Wie heute, so
sprachen in jener Zeit die Bewohner der 80 Häuser Aramäisch (d.h.
Turoyo); sie trugen die gleiche Kleidung wie die Kurden.
Dieser Wohlstand dauerte aber nicht lange; wenig später brannten die
Briganten des Kurdenführers Massur Beg das Dorf nieder und töteten
zahlreiche Einwohner. Auch in der folgenden Zeit erlebte Baspirin nur
kurze Erholungspausen; die Situation der aramäischen Christen
verschärfte sich durch innere Streitigkeiten. Pognon geriet
beispielsweise Ende des 19. Jahrhunderts in einen Krieg zwischen den
Christen von Baspirin und Sari. Die Bevölkerung von Sari war bereit,
sich dem Kurdenhäuptling Serkhan anzuschließen, um neuen Verfolgungen
zu entgehen; nun sollte sie von den kämpferischen Nachbarn mit Gewalt
daran gehindert werden. In der Kirche "Mar Dodo" standen die Kämpfer
bereit.
Wenig später, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, hatten die wiederholten
Kriege und Überfälle den Ort gezeichnet: er erschien den Außenstehenden
trist und unbedeutend; die Umgebung wurde nur durch einige Bäume und
Sträucher belebt und ging bald in eine öde Felsgegend über. Für den
Kunsthistoriker Preusser hatte Baspirin mit seinen verfallenen Kirchen
ohne Ornamente die "Leblosigkeit eines Gräberfeldes".
Seine englische Kollegin Gertrude Bell interessierte sich dagegen für
die vielen Bauwerke in der wasserlosen, mit niedrigen Eichen
bestandenen Landschaft. Außerhalb der eigentlichen Ortschaft stieß sie
auf das nur noch von einem Mönch bewohnte Kloster "Mar Bar Sauma" und
einige, von je einem Mönch bewohnte kleinere Klöster, die wie Festungen
auf verschiedenen Hügeln errichtet waren. Die Tausend und eine" Kirchen
wiesen keine Ornamente oder Inschriften auf. In der größten Dorfkirche
fand sie auch nur einen Lesetisch aus Stein in einer Apsis, sonst Wohn-
Eßräume und Ställe.
Im 1. Weltkrieg gehörte der stark befestigte Ort neben Idil, Ayinvert,
Zaz und Enhil zu den Dörfern, die sich gegen die kurdische Übermacht
bis zur Beilegung des Krieges erfolgreich verteidigen konnten. Auch
darüber berichtet eine Reihe von Hymnen.
'''Das Dorf Badebe (Badibe, Beth Debe)'''
Bethzabday (Azech - Beth Zabday - Idil)
Türkischer und offizieller Name seit der Ernennung zur
Distrikthauptstadt: Idil
Azech
befindet sich in Südostanatolien im Grenzgebiet zu Syrien. Es liegt auf
einer Linie zwischen Mardin und Cizre. Die Entfernung Mardin-Azech
beträgt 128, Azech-Cizre 30 Km.
Die Kleinstadt zählt heute rund 15000 Einwohner, überwiegend kurdische
Muslime. Vor 40 Jahren war Azech noch die Heimat Arabisch sprechender
Christen. Sie sind im Ursprung Aramäer und nahmen im Laufe der Zeit die
arabische Sprache an. Neben Arabisch sprachen die Einwohner dieser
Stadt die Sprache ihrer kurdischen Nachbarn. Wer die Schule besuchte,
beherrschte Türkisch in Wort und Schrift. Hocharabisch oder Aramäisch
wurden in einer Religionsschule in der Mariannenkirche illegal
unterrichtet.
Die Geschichte der Einwohner in dieser Stadt ist vom Kampf um die
Bewahrung der kulturell-religiösen Identität inmitten einer
kurdisch-muslimischen Umgebung geprägt. Den Alltag mit den kurdischen
Nachbarn bestimmten sowohl friedliche Koexistenz und gute geschäftliche
Beziehungen als auch täglicher Kleinkrieg bis hin zu bewaffneten
Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen in dieser Region.
Unentwegt galt es, sich als christliche Minderheit zu behaupten: unter
dem langen Arm der Hohen Pforte, später unter der
straff-bedingungslosen Hand der Jungtürken und schließlich unter der
Ägide gleichgültig abweisender Beamten der Türkischen Republik. Hinter
den Kulissen zogen meist die eigentlichen Machthaber der Region die
Fäden: die kurdischen Aghas. Sie waren Fürsprecher der christlichen
Nachbarn bei der Obrigkeit oder ließen sie fallen und bekämpften die
Christen im Namen der Staatmacht. Nicht selten hatten die Aghas das
Schicksal der Christen in ihrer Hand.
Heute haben bis auf wenige Familien, nahezu alle Christen Azech
verlassen. Die verschiedenen Flucht- und Auswanderungswellen werden im
folgenden kurz zusammengefasst.
Anfang
des 19. Jh. leitete Schammas Stayfo die Geschicke von Azech. Viele
Geschichten und Legenden ranken sich um seine Person. Er genoß höchste
Anerkennung als außergewöhnlich mutiger, gescheiter und zugleich
bescheidener Mann. Er sah das Verderben, in das sein Neffe Shaq Bazo
die Stadt führen würde, vorher. Ungeachtet dieser Warnung ernannten die
Stadtbewohner Azechs Shaq Bazo zum Nachfolger von Semmas Stayfo und
beschworen damit die erste große Vertreibung herauf. Shaq Bazo nämlich
verweigerte dem Mire Bota, dem kurdischen Emir von Bota, der seinen
Sitz in der heutigen Stadt Cizre hatte, den üblichen Tribut. Schlimmer
noch: Shaq Bazo machte die Soldaten des Mire Bota zum Gespött und
schickte sie gedemütigt zurück. Der Mir reagierte prompt. Er überfiel
Azech gemeinsam mit Mire Kora, dem "einäugigen Emir" von Rawanduz. Der
Ferman Rawenduz, wie der Überfall noch heute unter den Leuten aus
dieser Stadt genannt wird, leitete die erste große Fluchtbewegung in
der Geschichte von Azech ein. Zahlreiche Mädchen und Frauen wurden in
den Irak entführt. Es war der Auftakt zu einer jahrzentelangen Tragödie
von Flucht, Vertreibung und Auswanderung.
Immer wieder gab es bewaffnete Auseinandersetzungen mit kurdischen
Stämmen. Häufig kämpften diese im Namen der Obrigkeit, meist jedoch
hatten sie ihre eigene Unabhängigkeit im Sinn, bisweilen nur schlichte
Bereicherung.
Zur Zeit des ersten Weltkriegs, als die Armenier auf der Seite Rußlands
gegen die Mittelmächte und deren osmanische Verbündete kämpften,
griffen kurdische Soldaten im Namen der Osmanen auch andere christliche
Dörfer an. Zahlreiche Dörfer wurden damals zerstört. Nur in wenigen
konnte die christliche Bevölkerung den Angriffen standhalten- Azech war
eines davon. Die Alten berichten nicht ohne Stolz über die
entbehrungsreiche Zeit der "Kurdenangriffe" während des Ersten
Weltkrieges und ihren erfolgreichen Wiederstand gegen die Angreifer.
Azech wurde damals nicht zerstört, das Vertrauen vieler Familien in
ihren Ort als sichere Heimat aber war erschüttert. Viele wanderten aus,
vor allem in das nahegelegene Qamischli im heutigen Syrien sowie in den
Libanon.
Nach
dem Ersten Weltkrieg verliehen Kemal Atatürk und seine neue
laizistische Türkische Republik Christen und Muslimen die gleichen
Rechte als Staatsbürger. Damit verbesserten sich die allgemeinen
Lebensbedingungen der Christen, und das Verhältnis zwischen Christen
und Muslimen entspannte sich in der Folge etwas.
Die Entspannung jedoch war nicht von Dauer. Mit dem Tod Atatürks und
dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kehrten wieder schlechte Zeiten
ein. Viele Männer wurden eingezogen. Eine große Hungersnot herrschte
zur Zeit der Inflation im Tur Abdin. Hinzu kamen immer wieder
Auseinandersetzungen mit kurdischen Muslimen. In ihren Geschichten
erinnern die Alten an die schweren Hungersnot in der es nichts zu essen
gab und die Not entsprechend groß war.
Hunderte Familien wanderten zu dieser Zeit in das nur 20 Kilometer
südöstlich liegende Derike (Malikiyye) im heutigen Syrien aus. Heute
zählt Derike mehrere tausend christliche Bewohner, die aus Azech
ausgewandert sind.
Ein weiterer Markstein der Auswanderungsgeschichte war die Zypernkrise
im Jahr 1964. Vor dem Hintergrund der griechisch-türkischen
Auseindandersetzungen wurde von seiten der Kurden auf die Christen des
Tur Abdin erneut verstärkt Druck ausgeübt. Von den damaligen
Übergriffen berichten die Alten von Azech in ihren Erzählungen von
Entführungen und Morden. Wieder verließen viele Christen Azech. Meist
folgen sie bereits ausgewanderten Verwandten nach Derike und Qamischli.
Neben Handwerk betrieben die Bewohner dieser Stadt hauptsächlich
Landwirtschaft. Sie lebten vom Anbau von Getreide, Wein, Obst und
Gemüse sowie von der Vieh- und Bienenzucht. Mit Ackerbau und Viehzucht
konnten keine Reichtümer angehäuft werden. Die Äcker waren steinig und
nicht übermäßig ertragreich. Plünderungen von Feldern und Weinbergen
und die Abholzung von Obstbäumen durch Kurden kamen erschwerend hinzu.
Die Lebensgrundlage der Bauern schwand nach und nach.
Als zu Beginn der 60er Jahre ein Rekrutierungsbüro in Diyarbakir
Fremdarbeiter für Deutschland anwarb, meldeten sich auch einige Männer
aus Azech. Sie wollten von Deutschland aus ihre Familien in der Heimat
unterstützen, Diesem Beispiel folgend schickten immer mehr Familien
ihre erwachsenen Söhne zum Arbeiten nach Deutschland, damit diese so
zum Lebensunterhalt der Familien in Azech beitragen konnten.
Auswanderung nach Europa hatten die Bewohner der Stadt, zum damaligen
Zeitpunkt nicht im Sinn. Zwar war das Verhältnis zu den Kurden nach wie
vor kompliziert und die ökönomische Lage der meisten Familien
schwierig, aber die Mehrzahl der Leute wollten die Heimat nicht
aufgeben.
Als im Jahre 1974 im Vorfeld der Bürgermeisterwahlen auf offener Straße
ein Attentat auf den Christlichen Bürgermeister und einige
einflussreiche Männer verübt wurde, und ein Muslim sich anschickte den
"traditionell" christlichen Bürgermeister abzulösen, waren viele
Christen verunsichert. In den folgenden Jahren fand die bisher größte
Auswanderungswelle, diesmal nach Europa statt. Sie erreichte ihren
Höhepunkt 1978, als ein Muslim das Amt des Bürgermeisters übernahm. Nun
sahen die meisten Christen in Azech keine Zukunft mehr. Land und Besitz
waren ohnehin übernommen worden. Was noch nicht in kurdischer Hand war,
wurde von den Auswanderern an die neuen Leute von Azech verpachtet.
Heute leben die Christen aus Azech überall, nur nicht in Azech. So lebt
ein großer Teil in Syrien, in den grenznahen Orten Derike (Malikiyye)
und Qamischli.
Größere Gemeinden haben sich in einigen Orten und Gegenden Schwedens,
der Schweiz und Deutschland gebildet. So gibt es im schwedischen
Norrköping eine Gemeinde von etwa 200 Familien, in der Nähe von Zürich
(Baden und Umgebung) etwa 120 Familien, im Tessin (Lugano, Locarno und
Bellinzona) etwa 100 Familien. In Deutschland leben in Stuttgart und
Umgebung etwa 100 Familien, in Bad Vilbel und Umgebung etwa 100
Familien, in Pfullendorf etwa 100 Familien, in Böhl-Iggelheim und
Umgebung etwa 30 Familien. Einzelne Familien finden sich in Aalen,
Augsburg, Hamburg, Gelsenkirchen, Calw, Balingen und Göppingen. Auch in
Frankreich, Österreich, Italien, Australien und den Vereinigten Staaten
haben sich einzelne Familien niedergelassen.
Etwa 50 Pfarrer der syrisch-orthodoxen Kirche halten heute in ganz
Deutschland regelmäßig Gottesdienste ab und kümmern sich um das
Seelenheil der Gläubigen. 1997 wurde für die syrisch-orthodoxen
Christen in Deutschland eine Diözese gegründet. Die Diözese Deutschland
hat ihren Sitz im ehemaligen Dominikanerkloster in Warburg
(Nordrhein-Westfalen), Oberhaupt ist Metropolit Mar Dionosius Isa
Gürbüz.
Glaube, gemeinsame Herkunft und nicht zuletzt ein eigenständiger
Dialekt vermitteln den Leuten von Azech auch in ihren neuen Gemeinden
ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Quelle: bethzabday.de
Beth Kustan (Bekusnoye, Alagöz,
Bakisyan)
Das
Dorf
Das
Dorf Beth Kustan liegt etwa 28km nord-östlich von Midyat, der
Kreisstadt entfernt, umgeben von fruchtbaren Feldern.Obwohl Beth Kustan
eines der interessantesten Dörfer Tur Abdins ist, findet es in den
Schriften gegenwärtiger Autoren kaum Beachtung. Oft ist nur vom "Land
zwischen Hah und Deyrkube" die Rede, wenn sie über diesen Ort
berichten. Der
Name Beth Kustan oder Kustin
taucht schon in frühen Annalen auf. Es heißt, die Armee Konstantins
durchquerte mehrmals mitsamt ihren Pferden das Dorf Beth Kustan. Unweit
des Dorfes liegt der "Shu'o d-Helane", ein Gestein, das nach Helena,
der Mutter Konstantins benannt wurde. Einigen Legenden zufolge fand sie
das heilige Kreuz Jesu in Palästina. Es
wird manchmal erzählt, dass Beth Kustan in vorchristlicher Zeit eine
Herberge oder eine Raststelle für Reisende war. Im folgenden soll auf
Beth Kustan näher eingegangen werden.
Die
Landschaft
Kaum
ein anderes Dorf in Tur Abdin verfügt über soviel Land wie Beth Kustan.
Südlich des Dorfes befinden sich Höhlenkomplexe, die durch den Abbau
des Kalkgesteins vergrößert wurden. Sie scheinen unendlich komplex
zusein. Beim Abbau des Kalkgesteins wurden Gräber aus vorchristlicher
Zeit freigelegt. Unterdessen tauchte beim Bau einer Strasse, etwa 1984,
ein vom Pfeil durchbohrter Schädelknochen auf. Immer wieder trifft man
auf Knochen, die jedoch aufgrund ihres Alters zerfallen. Die Gräber
wurden zum Teil in den Gestein hineingehauen.
Die
”Berhemiye” liegt 2 km östlich vom Dorf. Die Mor Barsawmo-Kirche liegt
auf einem Berggipfel, von dem aus man einen großartigen Rundblick über
diese Gegend hat. Weinberge, Eichen und andere Fruchtbäume prägen das
Bild der Landschaft.
Weiter
nord-östlich von der "Berhemiye" auf der links gegenüberliegenden
Bergseite befinden sich die “Harbe d-Mor Gabriel”, die Ruinen des
Heiligen Gabriel, dem berühmtesten Sohn dieses Dorfes. Es handelt sich
um ein Hof dessen Mauern aus felsenschweren Steinblöcken bestehen. Die
Mauern sind lediglich etwa ein Meter hoch. Von
Beth Kustan aus erreicht man in süd-östlicher Richtung eine Gegend, die
"Qasroke" genannt wird. Hier befindet sich vermutlich die Ruine eines
sehr alten heidnischen Tempels. Die Bewohner von Beth Kustan sprechen
oft von den "Salme di Qasroke", d.h. Götzen(anbeter) der
Qasroke. In
einer Entfernung von etwa 4km östlich vom Dorf befindet sich im Berg
auf der rechten Seite "i M'artho da 'ajobe" die Höhle der Wunder. Eine
besonders komplexe und unendlich scheinbare, von vielen Sagen umwobene
Höhle. Dessen Eingang wurde versperrt, um zu verhindern, dass Menschen
oder Vieh sich darin verirren. In
Sarhavdana, so der Name einer Landschaft, befinden sich die Überreste
zweier Kirchen. Eine Mutter-Gottes-Kirche und Mor Osyo. Die genauere
Gegend dieser beiden Kirchen trägt ebenfalls den Namen "Mor Osyo".
Prof. Hans Hollerweger nennt die Mor Osyo Kirche Mor Esha'yo in seinem
Buch "Lebendiges Kulturerbe Tur Abdin". Die Bevölkerung von Beth Kustan
aber spricht immer von Mor Osyo. Ob es ein Synonym für Mor Esha'yo ist
oder eine Verwechselung mit einer weiter süd-östlich gelegenen
Kirchenruine ist, ist noch nicht klar. Die Kirchen wurden vermutlich
vom Tatarenkhan Timur Lenk und seine plündernden Horden, die um das
Jahr 1400 Tur Abdin heimsuchten, zerstört. Südöstlich von Sarhavdana
befinden sich in der Schlucht auf einen Hügel die Ruinen eine Kirche
oder Kloster. Hier fand man vor einigen Jahren ein altes
Weihrauchgefäss.
Die mystische Landschaft "Zini" befindet sich nord-westlich von Sarhavdana. Hier stößt man auf beeindruckende Ruinen einer alten Zivilisation, möglicherweise den Vorfahren der kusnoye. In hartem Felsengestein gehauene Höhlen, Brunnen und geheimnisvolle Bauten bezeugen eine große Vergangenheit. Die "Harbe da Hadode", Ruinen der Schmiede, nord-westlich vom "Zini" gelegen, sind Ruinen eines alten Dorfes. Große Säulen aus hartem Gestein "geschmiedet", stehen hier inmitten der Häuser. Wände aus rechteckigen, tonnenschweren Steinen lassen die Bedeutung dieses Ortes erkennen. Die meisten Wände stehen noch fast vollständig aufrecht, die Decken hingegen sind alle eingestürzt. Über die Bevölkerung ist nichts bekannt. Die Kusnoye erzählen eine Legende über diesen Ort: Die Dorfbewohner sollen sich während einer Versammlung einstimmig gewünscht haben, dass ihre Häuser ihnen über ihre Köpfe einstürzen mögen. So soll es darauf geschehen sein.
Unstimmigkeiten
innerhalb der Familie, weshalb das Vorhaben zunächst verschoben wurde.
Später verschlechterte sich die Lage der Christen in der Türkei. Die
Bevölkerung begann auszuwandern. So verließ auch die Familie Beth
Haushab die Siedlung.
Die
"Dayrinto" nennt man die kahle Bergseite nord-östlich vom Dorf. Hier
befinden sich auch Überreste von alten Bauten, zu denen auch die Mor
Shem'un Kirche gehört. Die Decke der Kirche ist eingestürzt. Die
übrigen Ruinen dürfen viel älter sein als die Kirche. Dort sollen einst
Menschen gelebt haben. Vor langer Zeit sollen die Kusnoye Tongefäße
ausgegraben haben, die mit gelblicher Erde gefüllt waren. Da die
damaligen Gräber hofften Goldschätze zu finden, zerstörten sie die
Gefäße und gruben sie wieder ein.
Nord-westlich
des Dorf, in einer Entfernung von drei bis vier Kilometern ist eine
weitere Siedlung. Diese Siedlung wird "Beylo" genannt. Sie war bis etwa
1900 bewohnt. Einige Kusnoye-Familien lebten dort. Die Häuser und die
Kirche sind inzwischen zerfallen. Die Familien mussten den Kurden
ausweichen und zogen nach Beth Kustan zurück. Eine davon ist die
Familie Beth La'go.
Die
Bevölkerung
Die Vorfahren der Kusnoye sind vermutlich aus den verschiedenen umliegenden Siedlungen zusammengezogen. Über die vorchristliche Glaube der Kusnoye gibt es verschiedene Meinungen. Manche gehen davon aus, dass die vorchristlichen Vorfahren der Kusnoye Götzenanbeter waren, weil die "Qasroke" ein Tempel solcher Götzenanbeter gewesen sein soll. Beth Kustan wurde wahrscheinlich wie viele andere Dörfer im Tur Abdin im 4. Jahrhundert christianisiert. Die Kirche Mor Eliyo ist auf das Jahr 343 datiert. Eine Steintafel enthielt eine Alt-Aramäische Inschrift, die man lange Zeit dachte, es sei römisch. Erst vor wenigen Jahren wurde der Text entziffert und festgestellt, dass es altes Aramäisch ist. Bei Renovierungsarbeiten wurde auch das Grab eines Mönches entdeckt.
Seit
dem Einzug des Islams ins Land mussten die Kusnoye ständig wachsam sein
und die Übergriffe der Moslems, insbesondere ab dem 15. Jahrhundert,
abwehren. Beth Kustan überdauerte viele Schicksalsschläge: die
Eroberung Tur Abdins durch die Araber um 640, die Herrschaft des
Tatarenkhans Timur Lenk um 1400 und den Genozid im "Jahr des Schwertes"
1914/1915. Ihre Hartnäckigkeit brachte ihnen Hass und Anerkennung
gleichzeitig. Kurdisch-islamistische Extremisten lauerten ihnen ständig
auf um sie hinterhältig zu töten. Besonders im 19. und 20. Jahrhundert
töteten Kurden, wie "Ali Qut" Ali der Kurze, im Schutz der türkischen
Politik, die Christen von Beth Kustan.
Nach
1960 begann die Emigration, zunächst nach Midyat und Istanbul und
später ins Westeuropa und Skandinavien. Die Auswanderung hat das Dorf
fast entvölkert. Gegenwärtig leben in Beth Kustan etwa 12 Familien.
Gabriel Aktas ist der Pfarrer, Bürgermeister ist sein Bruder Ibrahim
Aktas. Malfono Lahdo Acar leitet den Chor der Knaben und Mädchen.
Quelle: beth-kustan.org
Bildergalerie von Tur-Abdin 1909 bi 1911
Bnebil
liegt 12 km östlich von Mardin an den südlichen Abhängen des Tur 'Abdin
unterhalb einer etwa 200 m hohen Felswand. Die 276 (285) Einwohner
sprechen Mardin-Arabisch; 30 Familien waren
1980
noch christlich. Ihr Priester ist Jakub Günay (geb. in Keferzi,
Priesterweihe 1954). Dorfkirche ist „Mor Jakub".
Der
Ort wurde im Zusammenhang mit kopierten Handschriften und deren
Kopisten mehrfach erwähnt. Als der Missionar Pany um 1895 Benabil
besuchte, erlebte er einen heftigen Streit um ein Mädchen, das seinem
Verlobten weggelaufen war, um einen anderen Mann zu heiraten. Nur das
Machtwort des Patriarchen konnte den Streit dadurch schlichten, daß er
eine größere Geldsumme an die Familie des verlassenen Bräutigams durch
den jungen Ehemann zahlen ließ.
Zwar
hat der Patriarch im fernen Damaskus heute in dieser Region kaum noch
Einfluß auf sein Kirchenvolk; der Bischof Philoxenos Hanna
Dolabani aber wurde bis kurz vor seinem Tode 1969 noch häufig bei
Streitigkeiten hinzugezogen. Eine solche Persönlichkeit fehlte den
Christen im Tur 'Abdin seit der Pensionierung von Bischof Juavannes
Afrem Bilgic; sein Nachfolger Jakub AI Ain-wardi vermochte wegen seiner
häufigen Abwesenheit diese Lücke nicht zu füllen. Auch deswegen, weil
sie ihres Haltes beraubt waren, suchten die syrischen Christen vom Tür
'Abdin ihr Heil in der Auswanderung. Die weitere Entwicklung seit der
Weihe eines neuen Bischofs 1982 bleibt abzuwarten.
Gregorius Bar-Hebraeus Abu al-Faraj
Bar`Ebroyo
- Bar-Hebräus: Er ist in Melitene (heute: Malatya) in der Türkei, im
Jahre 1226 geboren und auf den Namen Yuhannun (Johannes) getauft
worden. Sein Vater war ein Arzt und Diakon Namens Ahrun (Aaron), Sohn
von Touma. Über Bar-Hebräus schreiben einige westliche Autoren, dass er
jüdischer Abstammung und der Name Bar-Hebräus oder Bar`Ebroyo sei
darauf zurückzuführen. Die aramäischen Kirchenväter halten dies für
falsch. Deren Auffassung nach ist der Name Bar`Ebroyo auf das
aramäische Wort `bar (hbar) zurückzuführen, was so viel wie durchgehen,
überqueren, eintreten bedeutet. Er wurde zu einem Zeitpunkt geboren,
als dessen Eltern den Fluss Euphrat überqueren wollten. Aufgrund dieser
Tatsache wird er vom Wort `bar (hbar), Bar`Ebroyo genannt.
Bezüglich seiner Herkunft schreibt Bar`Ebroyo selbst in einem Gedicht:
"Enhu
d-moryo qnumeh kani lam shomroyo,
lo testam`ar (testamhar) en neqrunokh bar`ebroyo,
frothoyau ger hau shumoho of nahroyo,
lo d-tauditho mumthonitho w-lo sofroyo"
Deutsche
Übersetzung: "Wenn
der Herr sich selbst Samariter nannte,
so sollst du dich nicht schämen, Bar`Ebroyo genannt zu werden.
Denn dieser Name bezeichnet keine Religionszugehörigkeit
oder einen Glauben, sondern kommt vom Fluss Euphrat"
Dies ist eine Bestätigung, dass Bar`Ebroyo keine jüdische Abstammung
hatte.
Er beherrschte neben seiner Muttersprache Aramäisch auch Arabisch und
Griechisch. Er verfasste Schriften in Theologie, Medizin, Astronomie
usw.
Er
wurde am 14.09.1246 vom Patriarchen Ignatius Davud II. (1222-1252) zum
Bischof von Gubbas geweiht, einem Ort in der Nähe von Malatya und wurde
später vom Patriarchen Ignatius Yeschu III. (oder IV.) (1264-1283) in
der Stadt Bosis mit der Würde des Maphiryans (Katholikos) bekleidet.
Der Zuständigkeitsbereich des Maphiryono (Katholikos) umfasste das
Gebiet von Ost- und Niedermesopotamien (Aram-Naharaim), den Iran bis
hin zum Kaukasus und war in 10 Diözesen aufgeteilt. Dabei waren seine
hauptsächlichen Aufenthaltsorte Mossul-Nineve, Maraghah in Azerbaycan
und Täbris.
1285 erwartete er aufgrund astrologischer Erwägungen für das nächste
Jahr seinen Tod und tatsächlich starb er in der Nacht zum 30.07.1286.
Seine letzte Ruhestätte hat er im Kloster Mor Matai bei Mossul (Irak)
gefunden.
Bar`Ebroyo, genannt "Meer der Weisheiten", "Licht des Ostens" (des
Morgenlandes) und des Westens (des Abendlandes), "König der
Wissenschaftler" usw. hat in seinem Leben 36 Bücher geschrieben.
Quelle: Sabo Hanna
Bevor er 1974 an die Universität Oxford ging, lehrte Professor Brock an der Universität Birmingham (1964 - 1967) sowie an der Universität Cambridge (1967 - 1974). Er ist Mitglied der British Academy und korrespondierendes Mitglied des Aramäischen Lehrstuhls der Iraqi Academy. Professor Brock wurde die Ehrendoktorwürde des Päpstlichen Orientinstituts verliehen (1992), und er erhielt von der Maronitischen Diözese in St. Maron, USA (1989) den St. Silvesterorden. Auf seinem Fachgebiet liegen zahlreiche Publikationen von ihm vor.
Metropolit Mor Julius Yeshu Çiçek
Eine
große Säule der Syrisch-Orthodoxen Kirche ist gefallen, seine Eminenz
Mor Julius Cicek Metropolit Zentral-Europas und der Benelux-Länder ist
am 29. Oktober 2005 entschlafen und übergegangen von dieser irdischen
Welt zur himmlischen Welt.
Herzliches Beileid an seine Heiligkeit Moran Mor Ignatios Zakka Iwas,
das Oberhaupt der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien und den
restlichen Bischöfen und allgemein an den Klerus der Syrisch-Orthodoxen
Kirche
Das
ganze syrisch-aramäische Volk trauert und weint und bemitleidet unseren
guten und wahren Hirten der Syrisch-Orthodoxen Kirche, seine Eminenz
Abun Mor J. J. Cicek.
Würdig wurde ihm der Titel "Mor Yakub des 20. Jahrhunderts" verliehen
von seiner Heiligkeit Moran Mor Ignatios Zakka des Hauses Iwas I. Der
wahrhaftig einer der Reorganisatoren der Syrisch-Orthodoxen Kirchen
war. Eine große Säule, die die Syrisch-Orthodoxe Kirche hielt und
festigte ist gefallen und gestürzt durch seinen plötzlichen Tod der
über uns alle kam, sie der unerwartete Dieb der Nacht, der Jesus selbst
versinnbildlicht, wenn Jesus seinen Engel des Todes aussendet um sein
Pfandgut zu ihm zu holen.
Es ist ein großer Verlust für die Syrisch-Orthodoxe Kirche und für das
syrisch-aramäische Volk. Mögen seine Gebete uns stets begleiten.
Biography
englisch siehe Link:
http://syriacchristianity.org/bio/SyriacOrthodox/bio_JuliusCecek.htm
Metropolit Mor Julius Yeshu Çiçek
mit dem Aram-Preis für die aramäische Sprache und Literatur
ausgezeichnet
SOLNews – Stockholm (Januar 2004). „The Association of the Academic Arameans“ verlieh am 12. Dezember 2003 den Aram-Preis des Jahres 2003 seiner Eminenz Mor Julius Yeshu Çiçek, dem Metropoliten der syrisch-orthodoxen Diözese Mitteleuropas, wegen seines großen Verdienstes an der Belebung und Pflege der syrisch-aramäischen Sprache und Literatur. Mor Julius schrieb eine große Anzahl syrischer Handschriften in seinem eigenen kalligraphischen Stil ab und gab über hundert syrische Bücher heraus. Er machte einen großen Teil der syrischen Literatur den interessierten Lesern zugänglich und bereicherte das Studium der syrischen Sprache und Bücher, indem er den syrischen Bibliotheken viele schöne handgeschriebene Faksimileausgaben bescherte, so die Begründung der Jury in der ihm verliehenen Urkunde.

1. Januar 1942
- 29. Oktober 2005
Nicht
nur literarisch hat sich Mor Julius Yeshu Çiçek einen Namen gemacht,
sondern auch im pastoralen Dienst für die syrisch-orthodoxe Kirche.
Seit Übernahme der Leitung der neu gegründeten Diözese von Mitteleuropa
im Jahre 1977 als Patriarchalvikar und seit 1979 als Bischof
investierte er viel Kraft in den Aufbau der Kirchengemeinden der
Diözese, welche sich über sechs Länder erstreckt: Holland, Deutschland
(seit 1997 selbstständige Diözese), Belgien, Frankreich, Schweiz und
Österreich. Er erwarb vierzig Kirchen und drei Klöster: Mor Ephrem der
Syrer 1981 (NL), Mor Augin 1996 (CH) und Mor Jakob von Serug 1996 (D);
er weihte zahlreiche Priester, Diakone, Mönche, Nonnen und Subdiakone
sowie Lektoren. Darüber hinaus veröffentlichte er bislang 113 Werke und
gibt seit 1978 die Zeitschrift Kolo Suryoyo
kontinuierlich heraus. Für den Bar ‘Ebroyo Verlag erwarb er 1986 eine
eigene moderne Druckerei, die leider nur ungefähr vier Jahre in Betrieb
gehalten werden konnte. Wegen seiner hervorragenden Leistungen verlieh
ihm der Patriarch Mor Ignatius Zakka Iwas den Titel „Mor Jakob Burd‘ono
des 20. Jahrhunderts“ und begründete dies damit, „dass Mor Julius seine
Diözese mit großem Eifer leitet, Gemeinden baut und das syrische Volk
im Glauben stärkt. Daher ist er würdig, seinen Namen mit Buchstaben
aus Licht in das Buch der Geschichte einzutragen“. Der
heilige Mor Jakob Burd‘ono († 578) war derjenige Bischof, der die
syrische Kirche im 6. Jahrhundert mit über achtzig von ihm geweihten
Bischöfen reorganisierte, als die syrische Kirche auf Grund ihrer
Verurteilung der Lehre des Konzils von Chalkedon (451) von den
Chalkedonensern massiv verfolgt wurde.
Mor
Julius Yeshu Çiçek, der 1942 geboren ist, stammt aus einer
Priesterfamilie aus dem Dorf Kafro ‘Eloyto im Tur Abdin. Seine Eltern,
Priester Barsaumo und Bathqyomo Sayde, waren ab
1951 im Pastoraldienst in der nördlich vom Tur Abdin gelegenen Region
Besheriye tätig. Seine Mutter war eine geweihte Bathqyomo (1),
ein seltenes Amt in der gesamten damaligen Syrischen Kirche, und hatte
die Aufgabe, einen Priester zu unterstützen, vor allem bei der Taufe
der erwachsenen Frauen. Um seinen Eltern bei seelsorgerlichen Aufgaben
zu helfen, ließ sich Mor Julius von 1951-1955 im Kloster Deir Za‘faran
theologisch ausbilden und war zwei Jahre lang im Dienst des gelehrten
Bischofs Mor Philoxenos Hanna Dolabani († 1969) in Mardin, der ihn
durch seine Spiritualität und sein Engagement für die Herausgabe
syrischer Bücher entscheidend beeinflusste.
Er
vertiefte sich in dieser Zeit vor allem in das Studium des Syrischen
und des Arabischen und erlernte auch den Umgang mit der Druckerei. 1957
hatte er seinem Vater bei der Betreuung syrischer wie auch armenischer
Familien in den zerstreuten Dörfern des Besheriye beizustehen. Nach
Verlauf eines Jahres weihte ihn Bischof Hanna Dolabani 1958 zum Diakon
und schickte ihn in die Regionen Bitlis und Seert, wo er ca. 270
Menschen taufte (ohne den heiligen Myron, der nur einem Priester
vorbehalten ist) und sie seelsorgerlichen betreute. Nach dem Massaker
an den Syrern im Jahre 1915 blieben die wenigen Überlebenden dort ohne
geistliche Betreuung und damit ohne Empfang der heiligen Sakramente und
gerieten so in Vergessenheit.
In
dieser Zeit entschied sich Mor Julius für ein Leben als Mönch. Als er
1960 in das Kloster Mor Gabriel kam, wurde er Mönch und 1969 Priester,
geweiht durch den Bischof vom Tur Abdin, Mor Iwannis Afrem Bilgiç (1891-1984).
Nach dem Ableben des Abtes Şabo Güneş übernahm Mor Julius 1962
die Leitung des Klosters und begann, wie Mor Shmuel und sein Schüler
Mor Shemun, die ersten Gründer dieses Klosters vor 1607 Jahren, das
Kloster wieder zu beleben. Er renovierte die verfallenen Gebäude, schuf
Neubauten, befestigte das Kloster mit einer Mauer, gründete ein
Priesterseminar (1963), trug das Kloster und seine Immobilien ins
Grundbuch des türkischen Staates ein (1964), baute eine Autostraße
(1966), versorgte das Kloster mittels eines Generators mit dem damals
in der Region nur selten vorhandenen Strom (1972) und gab die
Klosterchronik in arabischer und türkischer Sprache heraus (1971). Um
dies alles zu finanzieren und die Klostergemeinschaft zu versorgen,
unternahm er zweimal Spendenreisen: 1964 nach Syrien und 1972 nach
Europa. Während seines zwölfjährigen Dienstes bereitete Mor Julius
Yeshu das Kloster Mor Gabriel auf die Mönchsgemeinschaft und die vielen
Seminaristen vor, so dass es heute als Perle im Herzen des Tur Abdin
glänzen kann.
Das
Kloster Mor Gabriel ist bekannt für die vorbildliche Pflege der
syrischen Sprache sowie dafür, dass die in ihm ausgebildeten
Seminaristen als Bischöfe, Priester und Lehrer der syrischen Kirche
dienen, wie das Kloster und seine Mönche damals im 7. und 8. Jh. die
einzigen in der Region waren, die in ihrer theologischen Haltung und
weltlichen Politik gegen die Unterdrücker der syrischen Kirche eine
entscheidende Rolle spielten.
Als
Mor Julius 1973 in den Libanon reiste, um für das Kloster Mor Gabriel
eine syrische Druckerei zu erwerben und einzurichten, wurde er
unerwartet vom mittlerweile verstorbenen Patriarchen Mor Ignatius Jakob
III. († 1980) beauftragt, die Syrer in der westlichen Diaspora zu
betreuen. So kam er 1974 nach Deutschland und hielt sich von 1975-1977
in den USA bei Mor Athanasius Yeshu Samuel auf. Dann kehrte er wieder
nach Europa zurück und betreute von der niederländischen Stadt Hengelo
aus all die zerstreuten syrischen Gemeinden in den europäischen
Ländern, deren Mitglieder in den 1960er und 1970er Jahren als
Gastarbeiter zum großen Teil aus dem Tur Abdin kamen. Als die zwei
Diözesen von Mitteleuropa und Skandinavien im Jahre 1977 gegründet
wurden, übernahm Mor Julius Yeshu Çiçek endgültig die Leitung der
Diözese Mitteleuropas.
Der
Aram-Preis des Jahres 2003 ist ein deutliches Zeichen für die
Anerkennung und Dankbarkeit im Hinblick auf das geistige und
literarische Werk seiner Eminenz Mor Julius Yeshu Çiçek, der seit 45 Jahren im Dienst der der syrischen Kirche und für die Pflege des
syrisch-aramäischen Erbes unermüdlich tätig ist.
Das Kloster Deir
az-ZafaranDas
größte und bedeutendste Kloster des Tur Abdin liegt unweit der Stadt
Mardin und trug ursprünglich den Namen Deir Mar Hanania
(Ananiaskloster). Heute wird der Komplex allgemein Deir
az-Zafaran
genannt, was eine Anspielung auf die safrangelbe Farbe seiner
Außenmauern ist.
Die
ältesten Gebäudeteile stammen aus dem 4.
Jh. n.Chr.
Hierzu zählt auch das sog. Beit
Qadishe
(Haus der Heiligen). Hierbei handelt es sich wahrscheinlich
ursprünglich um einen Unterrichtsraum für Medizin. In seiner heutigen
Gestalt zeigt es sich allerdings als Grabgebäude, zu dem es wohl im 13.
Jahrhundert umfunktioniert worden ist. Es sind sieben Arkosolnischen zu
sehen, in denen insgesamt ca. 50 Patriarchen und über 100 Metropoliten
beigesetzt sind. Die Amtsträger wurden in vollem Ornat beigesetzt,
wobei jeweils der zuletzt verstrobene sitzend bestattet wurde. Der
gesamte Raum ist von einer Kuppel überwölbt.
Aus dem 4. Jahrhundert n.Chr. stammt die Marienkirche, die heute für Taufen benutzt wird. Es ist noch ein geosteter Steinaltar mit einem Holzaufsatz (wohl aus dem 16. Jh.) erhalten. Vor diesem Altar sind noch einige Mosaikreste zu sehen, die ins 5./6. Jahrhundert n.Chr. datiert werden.
Die
eigentliche Klosterkirche,
die dem Heiligen Ananias geweiht ist, stammt ebenfalls aus dem 4.
Jahrhundert n.Chr.. Sie war ursprünglich größer, ist aber nach der
Zerstörung durch die Mongolen kleiner wieder aufgebaut worden. Es
handelt sich um einen Bau mit drei Apsiden. In großer Höhe über dem
Boden befindet sich eine Holzempore, auf der die Menschen den Gottesdienst
verfolgen konnten, wenn die Kirche sehr voll war. Direkt neben dem
Eingang ist ein Fresko aus dem 9. Jh. erhalten, das den Ananias zeigt.
In der Hauptapsis befinden sich ein Metropolitenthron und der Thron
des syrisch-orthodixen Patriarchen,
der auch als Patriarch von Antiochia bezeichnet wird. Da das Kloster
aufgrund der gefährlichen Situation der Christen in der Türkei heute
nicht mehr der Patriarchensitz ist (der Patriarch lebt seit 1959 im
Exil in Damaskus), wird der Patriarch durch ein Foto repräsentiert, das
den Thron ziert. Bemerkenswert ist noch ein Friesband, das den ganzen
Raum umzieht. Es zeigt Rankenmuster und korbähnliche Motive.
Diözesen
der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien
Die
Syrisch-Orthodoxe Kirche durch die Jahrhunderte. vom
Patriarch der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien Mor Ignatius
Zakka Iwas I.
37 Seiten
Nederland, Bar Hebraeus Verlag, 1995
Bezug über: Mor Ephrem Monastry
1.Patriarchen-Sekretär: Metropolit
Mor Athanasius Eliyo Bahe
2. Patriarchen-Sekretär: Mor Philoxenos Mattais Nayis (seit 7.1.2007)
Patriachalvikar für die Angelegenheiten Indiens: Mor
Athanasius Geeverghese
Patriarchal-Vikariat von Damaskus
Bischof: Mor Iwannis Paulos al-Souky
Erzdiözese von Aleppo
Metropolit: Mor Gregorius Hanna Ibrahim
Erzdiözese von Jazirah und Euphrat
Metropolit: Mor Ostatheos Matta Rohom
Erzdiözese von Homs und Hama
Metropolit: Mor Silvanos
Petrus al-Na'ma
Vorgänger: Mor Malatius Barnaba (+ 2004)
Irak
Heiliges Land
Libanon
Türkei
Erzdiözese des Tur'Abdin (Metropolit: Mor Timotheus Samuel
Aktas)
Erzdiözese von Mardin
Mitteleuropa
Patriarchal-Vikariat
von Holland
Patriarchal-Vikariat von Deutschland
Schweden
Großbritannien
USA
USAKanada
Australien
Argentinien
Brasilien
Indien – Kerala
siehe dazu Geschichte und Lehre der Aramäer, Teil 1
siehe dazu Geschichte und Lehre der Aramäer, Teil 2

Dieses
in seiner langen Geschichte häufig zerstörte Kloster wurde erst nach
dem 2. Weltkrieg von den christlichen Bewohnern der umliegenden Dörfer
wiederaufgebaut. Es liegt 4 km südlich von Harapali und etwa 20 km
südöstlich von Midyat in der "Raite" oder im "Izala", dem gebirgigen
Teil des südlichen Tur 'Abdin. Am Fuße des Hügels, auf dem Deir Mar
Malke errichtet wurde, entspringt der Av-i-Spi, ein Quellfluß des
Djaghdjagh, der die Sümpfe bei Nusaybin bildet. Obst-, Wein-, Gemüse-
und Tabakanpflanzungen umgeben das Bauwerk, ein umfangreicher
Landbesitz gehört dazu.
Das
von den einheimischen Christen als Wallfahrtsort verehrte Kloster wird
dem heiligen Malke, einem Verwandten des Klostergründers Mar Augen,
zugeschrieben. In der Kirchengeschichte wurde es verschiedentlich
erwähnt. Bis vor kurzem wurden noch manchmal Epileptiker
hierhergebracht, die, an eine Kette gefesselt, in einen tiefen Brunnen
hinabgelassen wurden, wo sie mindestens 24 Stunden verbringen mußten.
Wie man mir bei meinem Besuch versicherte, seien verschiedene
Geisteskranke auf diese Weise geheilt worden.
Über
diesen Ruf des Klosters berichtete schon Niebuhr um 1760: Epileptiker
seien durch die Fürbitte des heiligen Malke und die Gebete der Mönche
geheilt worden. Gertrude Bell beobachtete an eine Kette gefesselte
Geisteskranke, bei denen "wirksame Teufelsaustreibungen" vorgenommen
worden waren. Als sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts dort war, traf sie
noch einen Bischof an, der in diesem mehrfach von Kurden geplünderten
und nur noch teilweise restaurierten Bauwerk residierte.
Bis
1981 war das Kloster dagegen nur von Schabo Bilgic, Mönch aus dem
Kloster Mar Gabriel, und einer Familie bewohnt. (Als ich das Kloster
1968 besuchte, hatte der Mönch Jakub Kurt /heute in Hah/ eine
Klosterschule für die Dorfjugend aus den umliegenden christlichen
Siedlungen eingerichtet; sie mußte jedoch geschlossen werden, als er
das Kloster verließ.) Nach einem Überfall der Kurden verließen alle
Bewohner 1981 das Kloster.
Das
Wahrzeichen von Diyarbakir ist die 5,5 Km lange Stadtmauer, die von den
Römern erbaut wurde zur Verteidigung des “Landstriches” Mesopotamiens
gegen die Perser. Im Jahr 639 n. Chr. wurde Diyarbakir von den Arabern
erobert, was die Islamisierung zur Folge hatte. Im Jahre 1085 von den
Seldschuken und 1515 von Sultan Selim. Das alte Diyarbakir war schon im
4.Jahrhundert Bischofssitz der Syrisch-Orthodoxen Kirche. Im
Mittelalter war das Kloster Patriarchenresidenz. Die Marienkirche ist
der Rest der grossen Bischofskirche aus dem 6.Jahrh. In ihr befinden
sich 3 Grabmale des Theologen Jakob von Sarug (451-521) Er war ein
gebildeter Bischof wie Ephrem der Syrer (4.Jahrh.) der in hymnischen
Gesängen den Glauben lehrte. Ein weiteres Wahrzeichen ist die Brücke
über dem Tigris: Ihre früheste Erwähnung besagt, das sie von Johannes
Saoro Bischof von Diyarbakir im 4. Jahrhundert erbaut wurde.
SOLNews – Diyarbakir (09.01.03). In der Nacht vom 6. auf den 7. Januar 2003 wurde in die syrisch-orthodoxe Mutter-Gottes-Kirche in Diyarbakir, die dort als „Meryem Ana Kilisesi“ bekannt ist, von bislang unbekannten Moslems eingebrochen und dort großer Schaden angerichtet. Nach Informationen des in der Kirche wohnenden Syrischlehrers Saliba Açis gegenüber Suryoyo Online (www.suryoyo-online.org) entwendeten die Plünderer wertvolle liturgische Gegenstände – darunter das im Altarraum befindliche große, handgeschriebene Evangeliar mit silbernem Deckel aus dem 18. Jh., drei silberne bischöfliche Handkreuze aus dem 17. Jh. und eine sehr alte Mutter-Gottes-Ikone, die über dem Grab des im Jahre 1171 verstorbenen berühmten syrischen Theologen und Metropoliten Dionysios Bar Salibi stand, sowie zwei seltene, aus Seide gefertigte und vergoldete liturgische Velen über dem Kelch und der Patene, die ebenfalls aus dem 18. Jh. stammen. Weitere Heiligengemälde – so Saliba Açis – wurden auf den Boden geworfen und geschändet. Die Räuber waren in die Kirche eingedrungen, nachdem sie die für unüberwindlich gehaltenen hohen Außenmauern erklommen und ein mit Stahlgittern gesichertes Kirchenfester aufgesägt hatten. Entdeckt wurde die Tat erst am frühen Morgen, als der Priester Yusuf Akbulut das Morgengebet abhalten wollte. Die Behörden wurden sofort eingeschaltet.

Aramäische Dörfer
(Alphabetisch geordnet)
Ardo
Ainwardo
(Iwardo)
Adiyaman
Arbo
Arkah
Ahlah
Anhel, Turkish
Arbayé
Azakh
(Azech, Beth Zabdai)
Arnas
Barmunus
Bohtan
Bsorino
Beth
Qustan / Beth
Kustan
Beth-Ishok
Badibé/Beth
Débé
Békusyoné
Beth Man’am
Birguriya
Bseriye (Bscheriye in Syrien)
Benkelbé
Bnebil
Boté
Chtrako
Dara
Dayro
du Slibo
Dayro d´ kirko
Dayro du K´fon
Deyro
da kubé
Diyarbakir
(Amid)
Difne
Derelya
Esfes
Ester
Elazig
Ehwo
Enhil
(Anhil)
Gziro
Gremira
Gharzan
Gerjusch
Gundeké di ‘ito
Gunduk Shukro
Hah
Habsus
Hassana
Harabale
Harran
Harabémechka (türkisch Ücköy)
Hasankeyf
(Hesno d-kifo)
Ihwo
Izlo
Iwardo
(Ainwardo)
Kfarbé
Kfarburan
Kafro ‘Elayto
Karkine
Karabash
Kadikoy
Kabieh
Kafro
Tahtayto
Kanak
Karboran
Keferze
(Kfarze)
Kamischli
Kelith
M’aré
Midyat
Miden
Mzizach
/ Mzizzah
Mardin
Malatya
Mar
Bobo
Nisibin
(Nusaybin, Nsiwin)
Nemrud Dag
Omid
Qanak
Qilleth
Qall'et Mara
Quarbel
Sharabi
Sederie
Saleh
Sawro
Savur
(Sor)
Saré
(Gawayto)
Séderi
Strako
Tamerzé
Urdnus (Hirdnis)
Urfa
Yardo
Zaz
Zercel
Zinawrah
Anmerkung!
Man sagt, dass Mor Aphrem
Barsaum (sluthe 'aman), zu seiner Zeit, noch als Bischof im Jahre 1919
beim englischen Premierminister eine Klage gegen das Osmanische Reich
erhob. Folgende Tabelle soll er als Ausmaß des Schadens vorgelegt haben:
Tabelle von Mor Aphrem Barsaum 1919 an den
englischen Premierminister
DIE
DREIFALTIGKEIT UND DIE EINHEIT
Nach
der Lehre der syrisch-orthodoxen Kirche
Was bedeutet die Dreifaltigkeit und Einheit?
Die Dreifaltigkeit und Einheit bedeutet: Wir bekennen einen
einzigen Gott - Lobpreis seinen Namen! - in der Dreiheit,
d.h. in drei real voneinander verschiedenen Hypostasen*,
die als der Vater, der Sohn und
der Heilige Geist bekannt sind.
(*syr.-aram.=Qnume, hier als Personifizierung
göttlicher Besonderheiten oder Eigenarten in der Trinität. Deshalb wird
auch "Hypostase" gewöhnlich mit "Person" übersetzt)
Ist also jede der drei Hypostasen oder göttlichen Personen der
eine wahre Gott?
Ja, jede dieser Hypostasen (Personen, Qnume) ist voll und ganz Gott;
denn sie sind in der Gottheist wesensgleich.
Sind aber demnach die drei göttlichen Hypostasen (Personen,
Qnume) nicht drei Götter?
Keineswegs! Sondern es ist nur ein Gott; denn sie (die drei Qnume,
göttlichen Hypostasen) besitzen ein und dieselbe Gottheit, die eine
göttliche Ousia (syr-aram= Ithutho, Wesenheit), gleiche Herrlichkeit,
gleich ewige Erhabenheit, dieselbe Ehre und denselben Ruhm, ein und die
selbe göttliche Natur/Substanz, einen Willen, eine Kraft/Macht, nur ein
und dasselbe Wirken und eine Herrschaft.
Was ist die Eigenart der göttlichen Hypostasen(aram=Qnume)?
Die Eigenart/persönliche Besonderheit der ersten Hypostase (Qnumo) ist
die Vaterschaft,
die der zweiten Hypostase (Qnumo) ist die Sohnschaft,
und die der dritten Hypostase (Qnumo) ist das ewige Hervorgehen*.
Durch diese hypostatischen Eigenschaften, das heisst persönliche
Besonderheiten, unterscheiden sich die Hypostasen (Qnume) voneinander.
(* Bezüglich des Heiligen Geistes bedeutet das
syrisch-aramäische Wort für "Ausgehen" hier "ewiges Hervorgehen", da es
sich nicht um eine menschlich ausdenkbares und materielles hervorgehen
handelt, sondern um ein göttliches, daher ewiges.
Quelle: Katechismus der christlichen (syr.-orth. Kirche) Lehre,
Patriarch Mor Ignatius Aphrem I.Barsaum
Ephesos
- Hauptstadt der Provinz Asia
Den
ältesten Fund im Gebiet des heutigen Ephesos stellt ein mykenisches
Grab aus dem 14. Jh. v.Chr. dar; es lässt auf eine mykenische
Ansiedlung am Ayasoluk um 1500 v.Chr.
schließen.
In hethitischen Quellen begegnet eine
Ortschaft Apasa, in einer Landschaft Arzawa an der Westgrenze des
hethitischen Einflussgebiets. Sie könnte mit Ephesos identifiziert
werden.
Ab
800 v.Chr. gehörte Ephesos zum ionischen
Städtebund.
Im 6. Jh. v.Chr. kam es unter lydische Herrschaft (unter Kroisos,
560 - 547 v.Chr.). Die besondere Bedeutung des Kroisos für die
Siedlungsgeschichte von Ephesos bestand darin, dass er die Einwohner
der ionischen Siedlung am Koressos zwang, mit den Bewohnern der
Ansiedlung um den Kultplatz in der Ebene zusammen zu ziehen. Er
gestaltete diesen Ort als Heiligtum der Artemis aus. Sein Ziel war es,
ein Gegengewicht gegen Milet, den großen Tempel in Didyma und das
Hera-Heiligtum auf Samos zu schaffen. 546 v.Chr. erlitt Kroisos eine
Niederlage gegen die Perser, und Ephesos wurde persisch. Es war nicht
am ionischen Aufstand beteiligt.
Die christlichen Bauten von Ephesos:
Die Forschung am Lukasgrab, das sich in der Nähe des Magnesischen Tores befindet, ist noch nicht abgeschlossen, es ist aber gesichert, dass dieses Bauwerk zwei wesentliche Bauphasen erlebt hat. In der ersten Phase handelte es sich um eine römische Brunnenanlage, einen Monopterusbrunnen, der in der Mitte des 2. Jh. n.Chr. errichtet worden war. Das Podium hatte einen Durchmesser von 15,15 m. Auf der Sockelmauer sind 16 Pfeiler errichtet worden, die mit Orthostatenplatten verkleidet waren. Bei den Ausgrabungen wurde an der aus byzantinischer Zeit stammenden Südtreppe eine dreisträngige Wasserleitung freigelegt, die auf den Mittelpunkt des Rundbaus zulief. Diesen bildete ein Mittelpfeiler, der innen hohl war. Die Zugänge befanden sich an der Ost- und Westseite, die heute byzantinisch überbaut sind. An der Nordseite zwischen zwei Pfeilern hat sich ein in den Boden eingelassenes Wasserbecken (70 x 35 x 50 cm) zum Ablauf des Brunnens befunden.
Auffällig
sind die T-förmigen Verlängerungen der Säulenfundamente in Richtung
Mitte. 14 Zwischenräume waren von außen durch Türen zu betreten, von
denen vier in den Umgang um die Mittelsäule führten, die übrigen
führten in Kammern, die hinten verschlossen waren. Die Nutzung dieser
Kammern ist unklar.
In der 1. Hälfte des 5. Jh. n.Chr.
wurde die römische Brunnenanlage byzantinisch
umgestaltet.
Die sogenannte Paulusgrotte ist eine 7 x 3 m große Höhle, von der aus ein ca 15 m langer Gang in den Berg hinein führt. Die Paulusgrotte trägt diesen Namen aufgrund eines Freskos mit der Darstellung von Paulus, das sich an der westlichen Längswand befindet. Zu Beginn des Ganges ist zunächst eine Darstellung Abrahams mit Isaak zu finden. Die Fresken wurden von Hirten, die diese Höhle als Unterstand und Feuerstelle nutzten, mit einer Kreideschicht versehen. Vor der christlichen Nutzung dieser Grotte scheint sie auch bekannt gewesen und genutzt worden zu sein. Darauf lässt eine Gipsschicht unter den Fresken schließen, die zwar nicht bemalt wurde, auf der aber noch Fingerabdrücke und Graffiti zu erkennen sind.
Die Fresken stammen aus dem 6. Jh. n.Chr. Am Eingang kann man auf einem roten
Hintergrund eine Fürbitte lesen. Im Gang befindet sich ein Fresko, das
die Legende von
Paulus und Thekla
wiedergibt.
Der erwähnte Gang führt zu einer
weiteren Höhle. Am Ende des Ganges waren wohl vor dem eigentlichen
Altarraum Chorschranken angebracht. In der Mitte des Altarraums ist
Christus dargestellt, rechts und links von ihm sind jeweils drei
lebensgroße Gestalten mit einem Nimbus abgebildet.
Das
Siebenschläfer-Coemeterium
Einer
Legende nach sollen sieben Männer während der Decischen Verfolgung (249-251)
in eine Höhle geflüchtet sein, in der sie dann von den Verfolgern
eingemauert wurden. Unter Theodosius II. (408-450) sollen diese Männer
wieder hervorgekommen sein. Ebenso wie viele andere Orte, beansprucht
auch Ephesos für sich, Schauplatz dieses Vorfalles gewesen zu sein.
In
der Höhle sind heute noch 10 Grabkammern zu erkennen. Über diesen ist
wohl gegen Ende des 4. Jahrhunderts n.Chr. eine Kirche errichtet
worden, die mit der unterirdischen Anlage über eine Treppe im
nördlichen Vorhof verbunden war. Am Eingang des Coemeteriums befindet
sich ein Sarkophag, der als letzte
Ruhestätte der Maria Magdalena verehrt wird.
Die
Johannesbasilika
Epehsos ist geprägt von einer sehr
starken Johannes-Tradition (die Gelehrten streiten darüber, um welchen
Johannes es sich handelt. zur Auswahl stehen u.a. der Jünger Johannes,
der Verfasser der Apokalypse, der sog. Presbyter Johannes, der
Zebedaide Johannes...). Eine Grablege auf dem Ayasoluk-Hügel wurde von
den frühen Christen als die letzte Ruhestätte dieses Johannes verehrt,
und so wurde bereits im 4. Jh. n.Chr. ein Memorialbau mit
Basilika
über dem Grab errichtet. Justinian ließ die vorhandenen Bauten im 6. Jh.
niederreißen, um eine neue Basilika zu errichten. Diese orientierte
sich architektonisch stark an der Apostelkirche in Konstantinopel. Es
handelt sich dabei um eine Kreuzkuppelkirche in Form eines lateinischen
Kreuzes, deren Hauptkuppel sich direkt über der Grablege erhob. Das Baptisterium des Vorgängerbaus wurde beibehalten. Auch
heute noch sind in zahlreiche Bodenmosaiken zu erkennen, und auch das
Taufbecken ist noch erhalten.
Enhil
- Yemisli - Anhil - Anhel - Anhül
Dieser Ort liegt mit seinen mehrheitlich christlichen 1520 (1426) Einwohnern 10 km südlich von Midyat an dem alten Verkehrsweg Midyat-Nusaybin auf einem Kalkfelsen. In neuester Zeit erhielt der 1968 noch rein christliche Ort muslimischen Zuzug. 1980 lebten hier noch 120 christliche Familien. Im Dorf stehen mehrere alte Kirchen und ein Kloster: "Mar Kyriakos" (Priester: Ibrahim Özkaya, geb. 1924, Priesterweihe 1953, Landwirt. Er wanderte 1979 in die Bundesrepublik Deutschland aus und lebt heute im Frankfurter Raum.) - "Mar Eschaya" (Priester bis 1973: Abdulahat Isik, geb. 1895, Priesterweihe 1927, gest. 1973. Sein Nachfolger wurde Priester Aho). Im Kloster "Mar Schimun" werden nur an besonderen Feiertagen Gottesdienste abgehalten. Mehrere Kirchenruinen befinden sich in der Umgebung des Ortes, u.a. noch die Überreste der Kirche "Mar Gewergis".
Enhil
gehört zu den größten Dörfern des Tur 'Abdin und beherrscht dessen
südlichen, "Raite" genannten Teil. Einige Läden und Handwerksbetriebe
haben sich hier angesiedelt.
Im
17. Jahrhundert gingen aus Enhil ein Sonderpatriarch und ein Maphrian
hervor; im 19. Jahrhundert war es Bischofssitz. 1821 wurde ein Maphrian
aus Enhil von Kurden getötet. Mehrere Kopisten und Autoren stammten
noch im 19. Jahrhundert aus diesem Dorf; Kurdenscharen unter der
Führung von Massur Beg plünderten und brandschatzten Enhil 1855; dabei
kamen drei Priester um. Von diesen Kriegsereignissen erholte sich das
Dorf nur schwer und wurde deshalb von den verschiedenen europäischen
Reisenden für unbedeutend gehalten. Preusser beschrieb es sogar als
"echtes Räubernest", das von "wild aussehenden Kurden" bewohnt war.

Suryoyo Sat ist das wichtigste Projekt und die größte Herausforderung der aramäischen Gemeinschaft seit dem Aufbau der Syrisch-Orthodoxen Kirche in Europa ab Ende der 1970er Jahre. Es ist mit Sicherheit eines der größten Projekte in der aramäischen Geschichte.
Nun ist es kein Traum mehr, Suryoyo Sat ist Realität! Was noch vor wenigen Jahren kaum jemand für möglich gehalten hätte, ist Realität: Wir, die Aramäer, haben einen eigenen Fernsehsender. Er ist frei, unabhängig und gehört uns - allen Aramäern. Aber, wir müssen alle dazu beitragen, dass Suryoyo Sat ein Erfolg – ein Vorzeigeprojekt - wird.

In der Antike waren die Assyrer eine kulturelle Großmacht. Sie sind die Urbevölkerung des Nahen Ostens. Heute ist das vergessene Christenvolk über alle Erdteile verteilt. Und überdies in rivalisierende Kirchen und Konfessionen gespalten. Von den rund 5 Millionen Assyrern lebt jeder Dritte in der westlichen Diaspora, in Schweden sind es rund 80 000. In Södertälje sind sie seit Jahrzehnten zuhause.
Babylonische
Vielfalt sind sie gewohnt, die Macher von Suroyo-TV in
Södertälje. Vier Stunden Programm senden sie täglich über Satellit in
80 Länder. In Schwedisch, Arabisch, Deutsch und zwei aramäischen
Dialekten.
Suroyo
will die Stimme für alle assyrischen Christen sein, sagt Redakteur
Metin Rhawi mit Nachdruck - ohne Rücksicht auf die konfessionelle und
staatliche Zugehörigkeit der Zuschauer.
”Unser Volk hat viel durchgemacht. Einst waren wir bedeutend, doch heute wird uns die Existenz abgesprochen. In unseren Heimatländern haben wir keine Rechte. Grenzen haben uns getrennt. Mit unserem Programm wollen wir diese Grenzen überwinden. Das bedeutet sehr viel für mich und meine Kollegen hier.”
SuroyoTV
strahlt seit einiger Zeit sehr erfolgreich eine Interview-Reihe, "Dore
u Yawmotho" über alle Dörfer des TurAbdin aus.
Diese Sendung wird jeden zweiten Sonntag um 20.25 Uhr ausgestrahlt.
Geboren
wurde er 1974 in Mardin. Nach der Mittelschule hatte er 3,5 Jahre im
Kloster Deyrul Zafaran studiert. In seiner Klosterzeit hat er
u. a. die Arabische und Aramäische Sprache erlernt. Im Oktober
des Jahres 1993 wanderte er nach Holland aus.
Föderation der Syrischen-Aramäischen-Vereine e.V
Wer
ist die Syriac Universal Alliance?
Foederation
der syrischen-aramaeischen Vereine in Deutschland e.V.

Gawayto (Sare)
Das Dorf Sare liegt
in majestätischer Landschaft auf einem Hochplateau aus Kalkstein, das
sich von Mardin aus in Richtung Osten bis tief ins biblische Tigris-Tal
erstreckt.
Sare– Sari, Sariköy heißt das Dorf in der Provinz Sirnak auf Türkisch -
machte Schlagzeilen in der türkischen Presse, als Anfang Oktober 2004
die Armee in einer symbolträchtigen Zeremonie die Ortschaft ihren
rechtmäßigen Besitzern übergab. Mit ihrer Vertreibung aus Sare
signalisierte Ankara, dass die im Hinblick auf einen EU-Beitritt
forcierten Reformen diesmal nicht nur im Westen des Landes umgesetzt
werden müssten, sondern auch im Osten.
Mor
Gabriel (594-668), Abt und Metropolit:
"Gabriel,
der guten Männer Haupt,
der
erweckte die Toten und der befreite
alle
Besessenen, war ein Segen!"
In der Erinnerung lebte Mor Gabriel als ein heiliger Mann, dem
Propheten Elia gleich. In der Chronik von Kartmin lesen wir, dass er
mit Gottes Hilfe drei Tote zum Leben erweckte: Seinen Freund und Abt
des Klosters "Dayro Daslibo", den Sohn einer Witwe aus Sigun und einen
Jungen aus Olin.
Er sah sie voller Verwunderung an, denn er hatte diese Männer noch nie
zuvor im Kloster gesehen. Als sie ihm erzählten, dass sie Tote seien
und auf seinen Befehl auferstanden sind, warf sich der Heilige vor
ihnen nieder und bat um Vergebung.
Auch ein Besessener, der im Kloster angekettet war, befand sich unter
ihnen. Die Toten hatten ihn von seinen Fesseln befreit. Auf ihre Gebete
und mit Gottes Hilfe wurde der schwere Stein schließlich ins Kloster
transportiert und in der großen Kuppel der Theodora abgelegt.
In einem Traum sah er, dass seine Zeit zu sterben gekommen war. Er rief
seine Schüler zu sich und begann zu beten und zu bitten für alle, die
im Namen Gottes leben. Am 23. Dezember 668 starb der Heilige Gabriel um
9 Uhr im Alter von 74 Jahren.
Die
gesamte Bevölkerung Tur Abdins nahm an seiner Beerdigung teil, darunter
auch 10 Bischöfe, 2700 Priester und Ministranten. Wegen des großen
Andranges wurde dabei ein 10-jähriger Junge zu Tode getrampelt.
Auf seine Fürbitten wurde der Junge wieder zum Leben erweckt.
Die Legende sieht in Mor Schemun d-Zayte (Simon von den
Oliven) diesen Knaben.
Dieses Wunder geschah 126 Jahre nach seinem Tod.
» Die Geschichte von Mor Schmuyel, Mor Schemun und Mor Gabriel
von Dr. A.Palmer., Verlag Bar Hebräus, Losser-Holland, 1983
» Die Geschichte des Klosters Mor Gabriel von F.Y.
Dolabani, Bar Hebräus-Verlag, Losser-Holland, 1991.
Zu
den ältesten noch heute bestehenden Klöstern gehört Mor Gabriel
(Qartmin), eine Gründung des 4. Jahrhunderts sowie das Ananiaskloster
("Dayr Za'faran") mit der Kirche aus dem 6. Jahrhundert, das für
Jahrhunderte auch Sitz des Patriarchen bzw. Gegenpatriarchen der
Jakobiten war. Beide Klöster sind bis heute Bischofssitze der
Syrisch-orthodoxen Kirche.
"Gesegnet
bist du, Kloster der Heiligen Samuel und Simon!
Schätze des Lebens erfüllen deine Mauern.
Zwölftausend sind im "Haus der Heiligen",
Achthundert, die aus Ägypten kamen.
Berühmt und gefeiert heiliger Bischof Gabriel!
Zugleich verherrlicht ihr Heiligen Aksenoyo und Simon von den
Oliven.
Halleluja! Ihre Gebete mögen unsere Hilfe sein."
Das
Kloster Mor Gabriel, vor 1600 Jahren (397) von Samuel
gegründet, zeichnet sich dadurch aus, dass es eines der ältesten, wenn
nicht das älteste bestehende Kloster der Welt ist. Um mindestens 400
Jahre älter als eines der Athosklöster, reicht seine Gründung hinter
die des Klosters Mar Saba in Palästina um etwa 80 Jahre und die des
Katharinenklosters am Sinai um 150 Jahre weiter zurück. Das bedeutet,
dass die Mönche und Nonnen des Klosters Mor Gabriel, die dort heute das
monastische Gebet singen, eine Tradition fortsetzen, die, wenn man von
einigen Perioden absieht, in denen das Kloster einem Überfall zum Opfer
gefallen und für einige Zeit verwaist war, sich über einen Zeitraum von
etwa 1500 Jahren erstreckt.
Schon aufgrund dieses Umstandes verdient das Kloster Mor Gabriel von
der gesamten christlichen Welt in Ehren gehalten zu werden. Für die
Syrisch-Orthodoxe Kirche aber hat das Kloster eine besondere Bedeutung,
da es ein Zentrum syrisch-orthodoxer Liturgiesprache und Tradition
bildet. Über die Jahrhunderte hinweg sind viele berühmte Namen mit dem
Kloster verbunden, wie Mor Aksenoyo (Philoxenos), Mor Shemun d-Zayte
(Simeon von den Oliven), Mor Gabriel aus Beth Kustan, dem das Kloster
seinen gegenwärtigen Namen verdankt, und viele andere.
Ein Zeugnis der Bedeutung des Klosters als kulturelles Zentrum über die
Jahrhunderte hinweg stellen die vielen Manuskripte dar, die von hier
ihren Weg in Bibliotheken des Westens gefunden haben. Ein frühes
Beispiel dafür ist das schöne Estrangelo Manuskript, das die biblischen
Bücher Esra und Nehemia enthält. Es wurde von einem gewissen Emmanuel
im Herbst des Jahres 770 kopiert. Im Mittelalter befand sich dieses
Manuskript, wie einige andere, die im Kloster entstanden waren, in der
Bibliothek des syrischen Klosters in der Nitrischen Wüste. Heute
befindet es sich in der British Library.
Die British Library besitzt auch ein anderes wichtiges Manuskript, das in Mor Gabriel geschrieben wurde. Dieses enthält ein theologisches Kompendium des Bar Hebräus mit dem Titel "Das Buch der Strahlen". Dieses wurde von einem gewissen Barsaumo im Jahre 1364 kopiert, weniger als ein Jahrhundert nach dem Tod des Autors. In jüngster Zeit spielt das Kloster eine sehr wichtige Rolle, indem es Syrischlehrer für syrisch-orthodoxe Gemeinden für viele Teile der Welt zur Verfügung stellt.
Die Schule wurde 1956 durch Abt Shabo Gurash wiederbegründet; sie hat sich unter seinen Nachfolgern sehr ausgeweitet: Abt Yeshu Cicek (von 1962-1973, jetzt Metropolit Mor Yulius) und Abt Samuel Aktas (ab 1979, jetzt Metropolit Mor Timotheos).
Es
erübrigt sich festzustellen, dass der Erfolg jeder Schule von den
Lehrern abhängt. Im Falle der Schule von Mor Gabriel ist dem Direktor
Malfono Isa Gülten für seine unermüdliche Arbeit und sein Engagement in
besonderer Weise zu danken.
Quelle:
Sebastian Brock
Engel
legten das Fundament
Die
Legende von der Gründung des Klosters Mor Gabriel findet man in der
Lebensgeschichte der Heiligen Samuel und Simon.
Diese beginnt so:
Gegen Ende des 4. Jahrhunderts verließ Samuel, der aus Esthin in der
Nähe von Savur stammte, in jungen Jahren sein Dorf und seine Verwandten
und fasste den Entschluss, allein als Mönch zu leben. Er zog sich in
die
Einsamkeit am Umrin Berg in der Nähe von Nusaybin (Nsibin) zurück und
verbrachte dort zehn Jahre in Gebet und Betrachtung. Als die Perser das
Gebiet eroberten, zog er nach Osten und erbaute bei einer Quelle in der
Nähe
von Kartmin eine einfache Behausung aus Stein. Durch ein Wunder heilte
er ein Kind mit Namen Simon, das von einer bösartigen Krankheit
befallen war. Er nahm Simon als seinen Schüler zu sich.
Der heilige Samuel liebte die Einsamkeit. Deshalb zog er weiter weg vom
Dorf und nahm Simon mit sich. Die beiden Heiligen wanderten in
nordöstlicher Richtung. Während sie auf ihrem Weg Psalmen beteten,
gelobten sie, dort ein kleines Kloster zu bauen, wo sie das ganze Buch
der Psalmen beendet hätten. Als sie alle Psalmen gesungen hatten, waren
sie, nur einen Steinwurf entfernt, bei den Ruinen eines heidnischen
Tempels angelangt. Wie sie kurz zuvor versprochen hatten, blieben sie
an dieser Stelle. Die beiden Heiligen, die von ihrer Wanderschaft sehr
müde waren, fielen in einen tiefen Schlaf. Sie nahmen sich vor, beim
Anbruch des Tages mit der Errichtung ihres Klosters zu beginnen.
Als sie in tiefem Schlaf versunken waren, erschien dem Simon ein Engel
des Herrn in der Gestalt des heiligen Samuel: "Simon, mein
Sohn, steh auf! Lasst uns das Fundament für das Kloster legen!"
Simon stand auf und ging mit dem Engel. Der Engel wies auf einen Stein
im Westen und sagte: "Das soll das nördliche Tor sein."
Der Engel bezeichnete dann einen Stein in südlicher Richtung und sagte:
"Und das soll das südliche Tor sein."
Dann gab der Engel dem Simon eine Messschnur und die beiden maßen eine
ausgedehnte Fläche ab: von Ost nach West und von Nord nach Süd. Als der
heilige Simon sah, wie groß der Platz war, wunderte er sich und fragte
bei sich selbst: "Warum einen so großen Platz für zwei
Menschen?" Der Engel wusste, was er dachte und sagte: "Mach
dir keine Sorgen! Das wird in Zukunft der Ort sein, wo viele Menschen
beten und wohnen werden! Hast du nicht von der Offenbarung gehört, die
der Prophet Sacharja erhielt? Dort heißt es: 'Lauf und sag dem jungen
Mann dort: Jerusalem wird eine offene Stadt sein wegen der vielen
Menschen und Tiere, die darin wohnen'. (Sach 2,8) Ebenso heißt es: 'Die
künftige Herrlichkeit dieses Hauses wird größer sein als die frühere'.
(Hag 2,9)." Daraufhin sagte Simon: "Gut, aber wer
wird ein so großes Haus bauen?"
Der
Engel nahm einen großen Stein und hob ihn etwa einen Meter in die Höhe
und sagte: "Die Kraft, die diesen Stein mitten in der Luft
hält, wird diesen Bau errichten."
Nachdem der Engel und der heilige Simon das Fundament gelegt hatten,
kehrten sie zu dem Platz zurück, wo Samuel schlief. Der heilige Simon
legte sich wieder schlafen ohne bemerkt zu haben, dass es ein Engel
gewesen war. Dann wachte der heilige Samuel auf. Sobald er sein Gebet
beendet hatte, weckte er den heiligen Simon auf und sagte: "Steh
auf, mein Sohn, lasst uns Steine sammeln, die wir brauchen, um das Haus
des Gebetes zu bauen." Der erschöpfte Schüler aber sagte: "Meister,
die ganze Nacht haben wir gearbeitet und das Fundament gelegt. Wir
haben doch drei Steine als Markierung an verschiedenen Stellen
aufgestellt." Als er das hörte, begriff er, dass Simon eine
Erscheinung gehabt hatte. Er sagte: "Gut, dann gehen wir zu
diesem Platz und setzen unsere Arbeit fort." Als sie dort
ankamen, sah der greise heilige Samuel den Stein in der Luft schweben
und hatte eine große Freude. Sie begannen miteinander mit der
Errichtung des Hauses des Gebetes.
Dies trug sich im 708. Jahr nach Alexander dem Großen, dem Sohn
Philipps von Mazedonien (d.i. im Jahr des Herrn 397) und zur Zeit
Falabyanos, dem Patriarchen von Antiochien.
Quelle:
Yuhanon Dolabani, Geschichte des Klosters Mor
Gabriel, Mardin 1959
Glaubenslehre der Syrisch-Orthodoxe-Kirche
Die
Syrische Kirche leitet ihre Lehren ab von der göttlichen Inspiration,
geoffenbart in der Heiligen Schrift, wie sie von den heiligen Vätern
ausgelegt wird, und von den Traditionen, die wir von den heiligen
Aposteln empfangen haben. Sie akzeptiert und unterschreibt den Glauben,
wie er von den drei heiligen Ökumenischen Konzilien definiert wurde von
Nicea (Nizäa, 325 n .Chr.), Konstantinopel (381 n. Chr.) und Ephesus
(431 n. Chr.).
Die folgenden 10 Punkte sind eine Zusammenfassung ihrer
wichtigsten Glaubenslehren:
1.) Sie glaubt, dass Gott, der Allerhöchste ist, einer in drei
verschiedenen Personifizierungen (Qnume): der Vater, der Sohn und der
Heilige Geist, und dass diese Personen gleich sind in jeder Hinsicht.
2.) Sie glaubt, dass die zweite Person der Heiligen Dreifaltigkeit vom
Himmel auf die Erde herabkam, im Leib der Jungfrau wohnte, von ihr
durch den Heiligen Geist einen vollständigen menschlichen Leib annahm
und so fleischgewordener Gott wurde.
3.) Sie glaubt, dass unser Herr und Meister Jesus Christus ganz Gott
ist und zu derselben Zeit ganz Mensch ist, und dass er eine Person ist
von zwei Personen her, und eine Natur von zwei Naturen her, ohne sich
zu mischen oder zu verschmelzen oder sich zu verändern.
4.) Sie glaubt, dass der menschgewordene Gott gekreuzigt wurde, starb
und beerdigt wurde. Bei all diesem wich die Göttlichkeit nicht, weder
von seiner Seele noch seinem Leib. Dass er auferstand von den Toten am
dritten Tag und die Menschheit vom Tod, vom Teufel und von der Sünde
rettete. Die Kirche erwartet sein Kommen zu jeder Zeit.
5.) Sie glaubt, dass der Heilige Geist, die dritte Person der heiligen
Trinität vom Vater allein ausgeht.
6.) Sie glaubt, dass die heilige Maria, die Jungfrau, von ihrem Vater
Joachim und ihrer Mutter Anna in der Erbsünde geboren wurde. Dann wurde
sie gereinigt durch das Herabkommen des Heiligen Geistes auf sie. Das
Wort Gottes wohne in ihrem Leibe und wurde von ihr geboren. Deshalb
betrachten wir sie als die Mutter
Gottes
(Theotokos).
7.) Die Kirche glaubt an die Fürsprache der Heiligen, der Märtyrer und
der siegreichen Gerechten. Sie verehrt ihre Reliquien und feiert ihre
Feste.
8.) Die Kirche betet zugunsten der Toten, indem sie für sie Gottes
Gnade und Vergebung erbittet.
9.) Die Kirche spendet die sieben heiligen Sakramente (roze), nämlich:
a) die Taufe, b) das heilige Chrisam, c) die Eucharistie, d) die
Beichte, e) die Salbung der Kranken (Krankensalbung), f) die Ehe und g)
die Priesterweihe.
10.) Die Kirche glaubt an die Auferstehung des Leibes mit seiner Seele
am Tage des Gerichtes beim zweiten Kommen.
H
In
Hah befanden sich 40 Kirchen. Heute sind 23 davon bekannt und die
meisten sind Ruinen. Die älteste Kirche der Christenheit soll nach den
aramäischen Bewohnern von Hah die Mutter-Gottes-Kirche sein, die von
den aus Betlehem zurückkehrenden Königen gebaut worden sein soll. Heute
ist diese Kirche ein Kloster. Das Marienkloster von Hah wird heute
(2006) vom aramäischen Mönch Mushe Gürbüz seelsorgerisch betreut.
Das
Mutter-Gottes-Kloster von Hah ist das berühmteste und zugleich
bedeutendste Bauwerk des Dorfes Hah und somit das Wahrzeichen von Tur
Abdin. Das Mutter-Gottes-Kloster erhebt sich seit fast 2000 Jahren über
die Dorfbewohner von Hah. Es ist Sinnbild der aramäischen Orthodoxie
und Architektur. Nach einer historischen Überlieferung soll die
Klosterkirche während der byzantinischen Ära durch die Stiftung Kaiser
Theodosius II. (+ 449 n. Chr.) errichtet worden sein. Die mündliche
Überlieferung datiert die Grundfundamente auf die Zeit der Geburt Jesu
Christi.
Zwölf
Könige kamen aus dem Osten, einem Stern folgend, den sie als Zeichen
eines neugeborenen Königs im Lande Judäa deuteten. Sie kamen nach Hah
und sandten von hier aus drei von ihnen nach Jerusalem. Diese fanden
das Kind und beschenkten es.
Sie
erhielten als Andenken ein Kleid des Kindes, das sie nicht zerteilen
wollten. Sie verbrannten es, um dann die Asche zu teilen. Doch im Feuer
verwandelte sich das Kleid in 12 Medaillen. Als sie dieses Wunder
sahen, beschlossen sie, ein Denkmal zu Ehren der Mutter Gottes zu
bauen, das bis zum Ende der Welt bestehen sollte. Das Feld, wo sich das
Wunder sich zutragen haben soll, wird bis zum heutigen Tag „Parpuso“
(das Zerrissene) genannt. Im Laufe der Jahrhunderte sind im
Marienkloster weitere Gebäude errichtet worden. Das Bild von O. H.
Parry im Jahre 1892 zeigt noch den alten Baustil der Kuppel. Sie
stellte eine Quadrat mit kegelförmiger Spitze dar, ringsherum mit
Säulen versehen.
Das
Kirchengebäude gehört zum Typus der Querschiffkirche.
Vorgelagert ist ein weiteres Querschiff, das eine Art Narthex bildet.
Biede sind mit je einer Quertonne überwölbt, wobei diese im Hauptschiff
durch die Kuppel durchbrochen wird. Diese wird vom Oktogon durch
Trompenbögen zur vollkommenen Rundung geführt. An das eigentliche
Kirchenschiff schließt sich im Osten eine Apsis an,
in der sieben Nischen durch reich verzierte Blendarkaden aus der
frühesten Zeit dieser Kirche gebildet werden.
Die
Kirche Mor Schemun am Ostrand des Dorfes Habsus sieht man schon von
weitem, wenn man von Midyat kommt. Man betritt durch den an der
Südseite vorgelagerten Hof eine später hinzugefügte Vorhalle, von der
aus man durch eine Türmit reichverziertem Rahmen in den Narthex
gelangt.In Habsus wurde um die Mitte des 7. Jahrhunderts Mor Schemun
d-Zayte, der Erbauer der Kirche, geboren.
Hah liegt 29 km östlich von Midyat im Zentrum einer fruchtbaren, hügeligen Landschaft, die von kleinen Wäldchen, Obst-, Walnuss- und Mandelbäumen und Weinfeldern geprägt ist. Ruinenfelder umgeben den Ort kilometerweit. Obwohl es auch im Norden des Tur-Abdin und in einem Gebiet liegt, das heute hauptsächlich von Kurden beherrscht wird, nimmt es doch im Bewusstsein der Syrern einen solchen Platz ein, dass es von ihnen trotz aller Schwierigkeiten noch gehalten wird. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen war Hah früher bis in den christlichen Jahrhunderten eine der bedeutendsten Städte und Zentren Tur-Abdins.
Der Name Hah stammt vom vorchristlichen Namen Habhi(a). Dieses war früher möglicherweise die Bezeichnung auch für die umliegende Region/Land, das dem heutigen Tur-Abdin entspricht. Die Formulierungen Habi, Habhi oder Habhia kommen bereits zur Zeit des assyrischen Plünderers Assurnasirpal II. vor, der die aramäische Bevölkerung vom Tur-Abdin im Jahre 879 v. Chr. tyrannisierte. Kirchengeschichtlich spielte Hah, einst die größte Metropole Tur-Abdins, eine nicht geringere Rolle: Sie war die erste Diözese im Tur-Abdin; erst 1089 wurde das Gebiet in die zwei Diözesen Kloster Mor Gabriel und Hah aufgeteilt.
Quelle:hahoye.org
Die
Stadt Harran liegt in der Provinz Şanliurfa und
der syrischen Grenze. Harran ist eine uralte, mesopotamische Stadt mit
einer lebhaften Geschichte.
Harran
wird bereits auf den im syrischen Mari gefundenen Keilschrifttafeln vom
Anfang des Jahres 2000 v. Chr. erwähnt. In hethitischen Inschriften aus
der Mitte des 20. Jahrhunderts v. Chr. ist zu lesen, dass bei der
Verhandlung zwischen Hethitern und Mitanniern der Mondgott Sin von Harran
und der Sonnengott Zeuge waren.
Will man dem alten Testament Glauben schenken, wohnte Abraham in Harran
und sein Vater starb hier. Zusammen mit seinem Vater Terach war er aus
Ur in Chaldäa (dem Süden des heutigen Irak) nach Harran gewandert.
Viel
ist von der einstmals stolzen Stadt nicht mehr zu sehen. Was wir sehen,
sind die Reste einer großen Omayadenmoschee, wie sie noch heute in
Aleppo und Damaskus zu finden sind und der ersten islamischen
Universität. Das auf dem Fotos sichtbare Tor soll beide Komplexe
verbunden haben. Der Steinbruch von Harran und die Han al-Ba'rur
Karawanserei sind ebenfalls noch erwähnenswert.
Hasankeyf (Hesno d-kifo:
Festung des Steines)
Dieser Bezirksort blickt auf eine große Vergangenheit zurück, besteht jedoch heute größtenteils aus Ruinenfeldern, einigen alten Bauten, mehreren neuen Häusern und Höhlenwohnungen. Er liegt 50 km nördlich von Midyat und ist seit jeher ein wichtiger Tigris-Übergang gewesen. Die neu angelegte und asphaltierte Straße Midyat - Batman - Diyarbakir hat Hasankeyf mit einer neuen Brücke wieder an das Verkehrsnetz angeschlossen. Fluss aufwärts stehen die Überreste der mächtigen Brücke aus frühosmanischer Zeit. In dem engen Tal mit dem rasch dahinströmenden Wasser ist nicht viel Platz für die Siedlung.
Pfr. Horst Oberkampf ist seit zwei Jahren im Ruhestand und kümmert sich nunmehr seit fast 30 Jahren um die syrisch-orthodoxen Christen im Tur Abdin. Er ist Mitbegründer der „Solidaritätsgruppe Tur Abdin“, die er im Jahr 1993, zusammen mit Prof. Dr. Hollerweger aus Linz ins Leben gerufen hat. Ihr Anliegen ist es, den Tur Abdin zu erhalten, ihn durch Öffentlichkeitsarbeit bekannt zu machen und den Aramäern im Tur Abdin in schweren, aber auch ruhigeren Zeiten begleitend zur Seite zu stehen.
Seit 1991 kümmert er sich zudem um die Christen im Nordirak. Daher ist Pfr. Oberkampf seinen Worten nach, im Grunde genommen doch nicht im Ruhestand, denn sein Blick ist auf den Tur Abdin gerichtet.
Hier sein Bericht aus Tur Abdin
Bericht
über die Situation im
Dorf Sare. Der Vorsitzende des Dorfvereins
von Sare, Matthäus Lukas Turan aus Berlin betonte: Es war damals eine
Symbol trächtige Räumung. Sare war das erste Dorf, das nach
einer 10 jährigen Besetzung wieder geräumt wurde.
Die Planungen für die Wiederherstellung des Dorfes z.B. Infrastruktur,
landwirtschaftliche Wiederaufforstung usw. gehen voran. Quelle:
Höllisches
Paradies.
Zu
"Hans Hollerweger: Tur Abdin.
Lebendiges Kulturerbe.
Wo
die Sprache Jesu gesprochen wird."
Freunde
des Tur Abdin, Linz 1999
Bis
zum Ende des 19. Jhs. war es den Christen in islamischen Ländern
verboten, einen Glockenturm zu bauen und die Glocken zu läuten. Auch
die schmalen, niedrigen Eingänge der Gotteshäuser zeugen für die
Flucht- und Verteidigungsbereitschaft der Gläubigen, die ihre Tradition
auf die ersten Jahrhunderte nach Christus zurückführen und sogar
glauben, dass sie durch den Apostel Thomas und die Heiligen Thaddäus
und Mari für das Christentum gewonnen wurden. Sie sprechen einen
altertümlichen aramäischen Dialekt, ähnlich der Sprache Jesu, die
damals, im persischen, byzantinischen und römischen Reiche
Verkehrssprache zwischen Mittel- und Kaspischem Meer war.
Die
Kulturen des Altertums haben auch den Tur Abdin geprägt, wie
Hollerweger in einigen Details zeigt; allerdings konzentriert er sich
auf die christliche Kultur, die für den Kundigen überall im Land
Zeugnis von einer bedeutenden Geschichte ablegt. "Lebendiges
Kulturerbe" hat Hollerweger den Bildband genannt und hofft, dass diese
christliche Kultur trotz aller Widrigkeiten überleben wird. Der Leser
wird aber zunächst eingeführt durch Grußworte des syrisch-orthodoxen
Patriarchen Ignatius Zakka I Iwas, der seinen Sitz im syrischen
Damaskus hat. Nach eigenen Angaben der syrisch-orthodoxen Kirche leben
in Syrien etwa 200.000 Kirchenmitglieder, zumeist in Aleppo, Damaskus,
Homs, sowie in Hassake und Qamishli an der türkischen Grenze. Die
meisten sind im I. Weltkrieg und danach aus dem Tur Abdin, sowie aus
den Provinzhauptstädten Mardin, Urfa und Diyarbakir nach Syrien
geflohen und haben sich damals unter den Schutz der französischen Armee
gestellt. - So traf Hollerweger seit 1985 auf eine von 10.000 auf kaum
2.000 Köpfe im Jahr 1999 schwindende syrisch-orthodoxe Gemeinde in
einigen Dörfern und Klöstern im Tur Abdin. Diese Entwicklung konnten
weder Erzbischof Timotheos Samuel Aktas, noch die Begeisterung und der
unermüdliche Einsatz von Hans Hollerweger und einiger Freunde
aufhalten, auch die Bemühungen der beiden englischen Syrologen
Sebastian Brock und Andrew Palmer nicht, die in detaillierten Berichten
die Leser in die Geschichte der "Heimat einer alten syroaramäischen
Kultur" und "1600 Jahre Mor Gabriel" einführen.
Sie und viele andere, z.B. der Weltrat der Kirchen, evangelische und katholische Hilfsorganisationen und engagierte Einzelpersönlichkeiten haben sich seit Jahrzehnten um die syrischen Christen im Tur Abdin und den Erhalt ihrer eindrucksvollen Kultur bemüht, die nur durch ihre Träger dem Untergang entgehen kann. Davon erfährt man allerdings in diesem Bildband nichts, auch nicht von den zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten, Missions- und Reiseberichten der letzten 150 Jahre. So verlassen, wie sie sich fühlten oder doch glauben machen wollten, waren die syrischen Christen vom Tur Abdin seitdem nicht; im Gegenteil, Missionare von katholischen Orden und amerikanischen evangelischen Missionskirchen wollten in einer Aufbruchsstimmung um die Mitte des 19. Jhs. den "verirrten" oder "abtrünnigen" Christen den "wahren" Glauben bringen, um sie fit zu machen für eine Mission unter ihren moslemischen, kurdischen Nachbarn. Kirchen, Schulen und Krankenhäuser wurden gebaut, auch die Mädchen in eine Bildung einbezogen. Viele syrisch-orthodoxe Christen, durch Raub und Mord kurdischer Räuberbanden im 19.Jh. verarmt, verängstigt und von der osmanischen Regierung im Stich gelassen, schöpften durch das spendable Auftreten der Missionare neue Hoffnungen, während die gleichzeitig stärker fanatisierten kurdischen Halbnomaden und Feudalherren neidisch auf die beschenkten Christen blickten, die ihren Glauben nun auch selbstbewußt zur Schau stellten.
Der neue Hass der Nachbarn, deren Zahl durch Zuzug aus dem verarmten kurdischen Bergland jenseits des Tigris ständig anwuchs, eskalierte im I. Weltkrieg im Rahmen der Feldzüge und Verfolgungen gegen die benachbarten christlichen Armenier. Kurden stellten einen großen Teil der osmanischen Truppen; sie benutzten die Gelegenheit, auch die mit den Armeniern nicht verwandten syrischen Christen, die sich aus der Politik immer herauszuhalten versuchten, gleichzeitig mit zu eliminieren oder zu vertreiben, um ihren Besitz zu vereinnahmen. Sie überfielen die christlichen Dörfer im Tur Abdin und töteten mehr als ein Drittel der Bevölkerung. Nur einige Dörfer konnten bis zum Kriegsende verteidigt werden. Nach alter Tradition, die auf den Heiligen Ephräm von Edessa (Mar Afrem, um 400) zugeht, haben syrische Christen ihr schweres Schicksal im I. Weltkrieg ("Seifo") in Hymnen gedichtet. Diesen alten Traditionen und ihrer bedeutenden Literatur auf Altsyrisch/Aramäisch, sowie zahlreichen Inschriften verdanken wir die guten Kenntnisse über die im Mittelalter berühmte Kultur vom Tur Abdin, von denen Hollerweger in seinem Bildband eindrucksvolle Beispiele zeigt.
Aber - wie lange bleiben diese Überreste der syrisch-aramäischen Kultur noch lebendig? Von vielen Kirchen und Klöstern - mehr als 100 im Mittelalter - stehen kaum noch Mauerreste. Die seit etwa 900 in den Tur Abdin hereinstürmenden Kurdenstämme haben viele christliche Klöster, Kirchen und Dörfer ausgeraubt und in Schutt und Asche gelegt. Andere Neuankömmlinge aus dem Osten, Moslems oder Anhänger vorchristlicher Religionen, haben ihre Schaf- und Ziegenherden in den alten Gemäuern untergebracht oder aber die sorgfältig behauenen Steinblöcke der Mauern für den eigenen Hausbau verwendet. Nur die in einigen Dörfern zurückgebliebenen 2000 syrischen Christen kennen noch die Ruinen und ihre Geschichte.
Die Legenden der Heiligen und Märtyrer wecken diese Plätze in den Köpfen der Nachfahren zu neuem Leben, anderenfalls bleiben die Steine tot, auch für die Emigranten. - Als ich Ende der sechziger Jahre mit Priester Abdullah Gülce aus Midyat und einigen Sonntagsschülern durch den Tur Abdin wanderte, hielten sie unterwegs an oft hinter Gebüsch versteckten Ruinen an, wo einst ein Heiligengrab oder ein Gebetsraum stand. Jedem der Märtyrer widmeten sie ein Gebet, und der Priester erzählte vom Leben und Sterben der Heiligen, z.B. vom persischen Arzt Dometius (Mar Dimet), der bereits in den ersten Jahrhunderten zum Christentum übertrat und viele Wunderheilungen vollbracht haben soll.
Er erlitt den Märtyrertod, wie Tausende seiner Glaubensbrüder in Mesopotamien durch Römer und Perser nach grausamer Folter. Mehrere Kirchen im Tur Abdin und ein Kloster in seiner Wirkungsstätte Killit tragen seinen Namen. Andere Märtyrer, wie Mar Bossos, wurden der Überlieferung nach wegen ihres christlichen Glaubens von persischen Soldaten die "Höllenschlucht" hinuntergestoßen. Grausam starb auch der Asket Mar Jakub "der Zerschnittene" standhaft für seinen Glauben. Das Kloster Mar Jakub bei Salah trägt bis heute seinen Namen. Solche Überlieferungen sollten unbedingt in einen Bildband über den Tur Abdin gehören, um diese lebendig zu halten. Die von mehreren deutschen und französischen Wissenschaftlern herausgegebenen "Akten Persischer Märtyrer" könnten die mündlichen Erzählungen untermauern und den Jüngeren in der Ferne eine Nachbearbeitung der Berichte ermöglichen. - Die schönen Aufnahmen von glücklichen Menschen und lachenden Kindern lassen den Leser aber fragen, warum die meisten ihrer Glaubensbrüder keine Kosten und Strapazen gescheut haben, um in das kalte, oft unfreundliche Abendland zu gelangen, wo viele in verwohnten Großstadthäusern als Asylbewerber oder Hilfsarbeiter lange Zeit ein oft freudloses Dasein fristen mussten, während ihre stattlichen Steinblockhäuser leer stehen oder von kurdischen Flüchtlingen aus dem Osten besetzt wurden, die berühmten Weingärten und Obstbaumplantagen verkümmerten. Nur wenige haben in den Jahren zurückgefunden, höchstens auf Besuch. Sie haben aber den 2000 Zurückgebliebenen westliche Errungenschaften, wie Fernsehgeräte, Satellitenschüsseln, Videorekorder und auch moderne Kleidung geschickt oder mitgebracht. Die gutgekleideten Dorfbewohner werden auch in dem Buch gezeigt. Trotzdem geht der Auszug in den Westen weiter, Videos von herrlichen Hochzeiten und Luxus mögen manche in die Ferne locken, die Sehnsucht nach den Verwandten in Europa, die wegen ihrer Asylanträge oder Furcht vor den Drangsalen des türkischen Militärdienstes nicht in die Türkei fahren können oder wollen - die Hauptursache für den Auszug ist die tausendjährige Furcht vor neuen Verfolgungen und Diskriminierung um ihres Glaubens wegen. Denn bis heute fühlen sich syrische Christen in der Türkei trotz der Trennung von Staat und Religion durch den Republikgründer Atatürk nicht als vollwertige Staatsbürger, auch wenn sie, wie in Istanbul, zu Ansehen und Wohlstand gekommen sind.
In Pass und Ausweis ist die Religion vermerkt; im Militärdienst kommt es zu Schikanen bis zur Zwangsbeschneidung. Höhere Staatsämter bleiben ihnen verschlossen. Den Klöstern im Tur Abdin wurde immer wieder der Religions- und Sprachunterricht in Altsyrisch verboten. Bekannte Mörder von christlichen Dorfbewohnern wurden nicht verhaftet und unter Anklage gestellt. Übergriffe durch Beauftragte von Feudalherren bleiben ohne Folgen. Alles das und alltägliche Diskriminierungen haben die meisten syrischen Christen veranlasst, nach mehr als 2000 Jahren Verfolgung und auch Blütezeiten, von denen bereits assyrische Keilinschriften aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. zeugen, aus ihrem schönen Paradies zu flüchten, selbst, wenn dann Ruhe herrscht. Auch großzügige Spenden, wie z.B. ein Mähdrescher für 120.000 DM, landwirtschaftliche Projekte mit Landschenkung, Saatgutbeschaffung usw. haben eher die Auswanderung vorangetrieben, wie der zur syrisch-orthodoxen Kirche konvertierte amerikanische Priester Bar Youhanon (früher Fr. Dale A. Johnson) in einem alarmierenden Rundschreiben "Analyse der Emigration vom Tur Abdin" 1999 berichtet. Er, der sich von seiner Familie getrennt hat, um sein weiteres Leben als Mönch im Kloster Mar Gabriel zu verbringen, prangert den westlichen Materialismus als wesentliche Ursache für den Exodus aus dem Tur Abdin an. Die Geschenke, wie z.B. der Mähdrescher, hätten nur Neid der kurdischen Nachbarn auf die Christen, neue Schikanen, Verfolgungen und Entführungen gebracht; schließlich hätten die Christen entnervt die meisten Schenkungen verkauft und damit Schleuserbanden bezahlt, die sie und ihre Familien in das sichere Europa gebracht hätten. Auch die inzwischen in ihre neuen Heimatländer integrierten und vielfach zu Wohlstand gelangten ehemaligen Tur Abdin-Bewohner sähen lieber, wenn alle Verwandten die alte Heimat verlassen würden. Denn immer noch sind sie den Gesandten der kurdischen Feudalherren ausgesetzt, die von ihnen auch in Deutschland, Schweden usw. Tribut fordern.
Anmerkung!
Man
sagt, dass Mor Aphrem Barsaum (sluthe 'aman), zu seiner Zeit, noch als
Bischof im Jahre 1919 beim englischen Premierminister eine Klage gegen
das Osmanische Reich erhob. Folgende Tabelle soll er als Ausmaß des
Schadens vorgelegt haben:
Die Tabelle zeigt die Anzahl der zerstörten Dörfer, Kirchen, der
getöteten Familien, einzelnen Aramäer und Priester.
Die Tabelle habe ich beim durchforcen des Internets nach näheren
Informationen zu diesem Thema gefunden. Mehr konnte ich nicht
rausfinden. Das Internet ist in diesem Fall eher dürftig ausgelegt.
Weiß einer mehr darüber?
Wenn sie nicht zahlen, werden die im Tur Abdin zurückgebliebenen Verwandten beraubt, überfallen oder entführt. So müssen sie sogar von deutscher Sozialhilfe an kurdische Feudalherren zahlen. Diesen Aspekt erwähnt der schöne Bildband nicht, überhaupt sieht man keine kurdischen Nachbarn, die inzwischen in der Provinz Mardin auf mehr als eine Mill. angewachsen sind. Auch den türkischen Staatsvertretern und Menschenrechtlern ist nicht damit geholfen, nur von rätselhafter Auswanderung (eventuell unter Druck) zu sprechen. Man muss die Zustände beim Namen nennen, wenn man sie ändern, wenn man ein so großartiges Zeugnis menschlicher Kultur retten will; nur die Träger dieser Kultur, die syrischen Christen, sind dazu imstande. Ihre Klagen müssen den Zuständigen und Verantwortlichen vorgetragen und für Abhilfe muss gesorgt werden. Vielleicht kehren dann einige zurück. Damit kann der Bildband von Hans Hollerweger helfen und dafür, dass die nächsten Generationen ihre Wurzeln nicht vollständig verlieren.
Die
Angst der Emigranten vor einer wenn auch besuchsweisen Rückkehr in ihre
Heimat sitzt noch zu tief, obwohl dort zeitweise Ruhe eingekehrt ist,
wie Erzbischof Julius Isa Cicek auf seiner ersten Reise nach langer
Zeit im Herbst 2000 feststellen konnte: kurz danach wurde der
syrisch-orthodoxe Priester Yusuf Akbulut in Diyarbakir zur Polizei
vorgeladen, weil er in einem Interview mit der türkischen Zeitung
Hürriyet die Ermordung von Hunderttausenden Armenier und auch syrischer
Christen im I. Weltkrieg bestätigt hatte. Ihm wurde deshalb
Volksverhetzung vorgeworfen. Wegen internationaler Proteste wurde er
schließlich vom Staatssicherheitsgericht in Diyarbakir freigesprochen.
- Dieser, überall in der Welt verbreitete Vorfall diente weder dem
Ansehen der Türkei, noch ermutigte er die syrisch-orthodoxen Christen,
in ihre alte Heimat zu reisen. So hat vor einer schwärmerischen
Schilderung der alten Kulturlandschaft ein Situationsbericht von
gestern und heute zu stehen, damit das Land wieder in Zukunft zu neuer
Blüte kommt.
Quelle:
Dr. Helga Anschütz
Bildband: Tur Abdin. Lebendiges Kulturerbe
Harapali
- Ucköy - Charabale - Charabe Ale - Harabale
Diesen Ort erreicht man etwa 18 km südöstlich von Midyat auf einer kaum
befahrbaren Piste von Enhil aus. Das von Ruinen umgebene Dorf (der Name
bedeutet: "Ruine des AliJ liegt im Hügelland des südlichen Tur-Abdin
und zählt 992 (862) christliche Einwohner (1980: 100 Familien); sie
sprechen Turoyo, einen Dialekt der aramäischen Sprache. In der
Dorfkirche "Mar Afrem" befindet sich eine alte Handschrift in
Estrangela.
Dorfpriester war bis 1980 Afrem Alan (geb. 1920 in Ayinvert, 1958 für
die Kirche "Mar Estephanos" in Keferbe geweiht); 1981 fuhr er in die
Bundesrepublik Deutschland und starb dort nach kurzer Zeit in einem
Krankenhaus an Krebs. In der Sonntagsschule erhielten 1979 55 Kinder
Unterricht. Von einer zweiten Kirche, "Mar Theodorus", stehen nur noch
Ruinen.
Bis um etwa 1840 hieß Harabale, "Arkah" und war offenbar so stark
befestigt, daß es Christen aus benachbarten Dörfern vor kurdischen
Räubern Schutz bieten konnte. Irgendwann wurde es aber verlassen und
später unter seinem heutigen Namen neu besiedelt. Viele Dorfbewohner
wanderten nach Europa aus.
Berühmte
Historiker über die Aamäer und Suryoye
"b-kaldoyutho
armoyto d-lo`uzoyo lo habelton, wal-suryoyutho oromoyto d-koruzoyo
yabelton"
Dies sind die Worte des aramäischen Universalgelehrten Gregorios Bar
Hebräus, der im 13. Jahrhundert lebte.
Die meisten Aramäer haben keine Ahnung von der Literatur ihres Volkes
und manche hoffen, irgendein Professor könnte vielleicht ihre
Wissenslücken füllen. Diese berufen sich dann in irgendwelchen
Diskussionen auf ihn und seine Antworten.
Ich bin der Meinung, dass wir selbst nach der aramäischen Wirklichkeit
fragen und forschen, bevor wir an irgendwelchen Ideologien arbeiten.
Vor vier Jahren habe ich mich eingehend mit unseren uralten Schriften
beschäftigt. Das, was ich in den Schriften unserer Vorfahren über
unsere aramäische Identität fand, beruhigte mich vollends:
www.urhoy.info
Wir haben uns nicht nur "Suryoye" genannt, wie die Eigenbezeichnung
heute ist, wir haben uns auch seit je her "Oromoye" und "bnay Orom"
(Söhne/Kinder Arams) genannt. Die ersten beiden waren zu jeder Zeit und
an jedem Ort in allen unseren Kirchen gleichbedeutend.
Doch wie sieht es heute aus?
Unsere Identität, die im Einklang mit den Schriften der
Historiker/Orientalisten und der unsrigen steht, wird von uns selbst
immer mehr geleugnet und negiert. Unsere Volksbezeichnung wird mit
falschen Bezeichnungen aneinandergekettet und/oder durch neue Namen
ausgetauscht. An die Stelle unserer historischen Identität tritt eine
künstliche Identität, die von Gruppen unseres Volkes konstruiert wurde.
Wir können/dürfen nicht auf unsere aramäische Identität verzichten. Das
können wir unseren Vorfahren nicht antun. Zudem laufen wir auch Gefahr
uns dadurch selbst in der Diaspora zu verlieren...
An dieser Stelle möchte ich nochmals den tschechischen Historiker Milan
Hubl zitieren (das Zitat stammt aus dem Buch 'The Book of Laughter and
Forgetting' des Schriftstellers Milan Kundera):
"Der erste Schritt ein Volk zu liquidieren, ist seine
Erinnerung auszulöschen. Zerstöre seine Bücher, seine Kultur und seine
Geschichte. Danach soll jemand neue Bücher schreiben, eine neue Kultur
erzeugen und eine neue Geschichte erfinden. Innerhalb kurzer Zeit wird
das Volk vergessen was es war und was es ist. Die Welt ringsherum wird
es noch schneller vergessen."
Unsere
eigenen Schriften sollten der Maßstab sein, wie wir uns bezeichnen,
aber was die Autoren der Antike und des Mittelalters sowie die
Orientalisten über uns geschrieben haben, ist auch nicht uninteressant.
Die genauen Quellen dieser Zeugnisse habe ich im Englischen auf meiner
Seite in den Klammern angegeben.
Der
Grieche Poseidonios, der aus dem syrischen Apameia
stammt, ist einer der eindrucksvollsten Universalgelehrten des gesamten
klassischen Altertums. Er wurde im Jahre 135 v.Chr. geboren und starb
51 v. Chr.
"Das Volk, welches wir [Griechen] Syrer nennen, nennt sich
selbst Aramäer."
Strabo, geboren 63 v. Chr. in Amaseia in Pontos und
gestorben 23 n.Chr., war ein griechischer Geschichtsschreiber und
Geograph.
In seiner Erdbeschreibung schreibt er:
"Demnach vermutet Poseidonios, dass auch die Benennungen
dieser Völker einander ähnlich sind. Denn die bei uns Syrer Heißenden
werden von den Syrern selbst Arimäer oder Aramäer genannt."
Flavius Josephus, der 37 oder 38 n. Chr. in
Jerusalem geboren und im Jahre 100 in Rom verstarb, war ein jüdischer
Historiker und verfasste seine Werke in griechischer Sprache, zum Teil
aber auch in seiner aramäischen Muttersprache.
In seinen Jüdischen Altertümern verzeichnet er:
"Von Aram die Aramäer, die von den Griechen Syrer genannt
werden."
Eusebius von Caesarea wird als "Vater der
Kirchengeschichte" bezeichnet. Geboren wurde er zwischen 260 und 264 in
Palästina. Er starb zwischen 337 und 340.
In seiner Chronik schreibt er:
"und von Aram die Aramäer, die auch Syrer genannt werden."
Mohammad ibn Al-Sa'ib Al-Kalbi war ein bedeutender
arabischer Historiker und Gelehrter der islamischen Rechtswissenschaft.
Er ist der Vater des berühmten Genealogen Hisham. Er starb 763 n.Chr.
in Kufa [Irak].
"Aram ist der Name des Patriarchen, in welchem die Genealogien
der Aditen, Thamudäer, der Bewohner von Sawad und der Bewohner von
Gazyra [Mesopotamien] zusammentreffen."
Anmerkung: Patriarch ist hier als Stammvater zu verstehen und nicht als
Oberhaupt einer Kirche (obwohl es in Antiochien einen aramäischen
Patriarchen namens Aram gegeben hat, laut Assemani)
Al-Mas'udi, geboren um 895 in Baghdad und gestorben
957 in Ägypten, war ein arabischer Historiker, Geograph und Philosoph.
Man nennt ihn auch "Herodot der Araber".
In seinem at-Tanbih bringt er die Notiz:
"Tur Abdin ist der Berg, in dem sich noch Überreste der
aramäischen Syrer befinden."
Prof. Dietrich Hermann Hegewisch, geboren 1746 in
Quakenbrück und gestorben 1812 in Kiel, war ein deutscher
Geschichtsforscher.
In seinem Aufsatz "Die Aramäer oder Syrer; ein kleiner Beitrag zur
allgemeinen Weltgeschichte", der in der Berlinischen Monatsschrift 1794
erschienen ist, schreibt er:
"Sollten die Syrer, wie sie gewöhnlich genannt werden, oder
die Aramäer, wie sie eigentlich heißen, nicht mehr Aufmerksamkeit in
der Weltgeschichte verdienen, als gewöhnlich auf sie verwandt wird?"
"Die Namen Syrien, Assyrien, Mesopotamien, Babylonien u.s.w. rühren von
den Griechen her, die, als sie zuerst dieselben zu brauchen anfingen,
mit der wahren Geographie dieser Länder nicht bekannt waren und
nachher, teils aus fortdauernder Unwissenheit, teils bei schon
richtigen Kenntnissen aus Bequemlichkeit, dabei beharrten: weil es eine
Art von Anstrengung erfordert, sich der einmal geläufig gewordenen
Namen und Einteilungen der Länder zu enthalten, und sich der neuen, ob
sie gleich richtiger sind, zu bedienen. Der alte, wahre und einzige
Namen dieser Länder ist Aram; er kommt unzählige Male in der Bibel des
Alten Testaments vor; auch die gelehrten Griechen kannten ihn, und
nannten wohl die Einwohner des Landes Aramäer, aber nur selten: denn
gewöhnlich behielten sie die Benennung Syrer bei, weil diese einmal den
Griechen geläufig war. In allen Stellen des Alten Testaments wo von
Aramäern die Rede ist, werden sie immer als ein und das nehmliche Volk
bezeichnet;
sie
kommen aber schon in der Geschichte der Patriarchen vor, und dann noch
in den Schriften der letzten Propheten. Ungefähr wo diese aufhören,
fangen die Nachrichten der Griechen an und in der Folge der Römer an;
wobei es dem aufmerksamen Leser nicht entgehen wird, dass die Gelehrten
unter ihnen, so wenig bestimmt auch ihre Kenntnis von diesen Ländern
war, gleichwohl mit dem Namen Syrer den Begriff eines großen weit
ausgebreiteten Volks verbanden."
"Die Syrer oder Aramäer waren nicht bloß ein zahlreiches, großes, sie
waren auch ein sehr kultiviertes Volk."
Prof. Arnold Hermann Ludwig Heeren, geboren am 1760
in Arbergen bei Bremen und gestorben 1842 in Göttingen, war ein
deutscher Historiker. Mit seinen einflussreichen Arbeiten zur Handels-
und Verkehrsgeschichte betrat er für die damalige
Geschichtswissenschaft Neuland.
In seinem Buch "Ideen über Politik, den Verkehr und den Handel der
vornehmsten Völker der Alten Welt" das er 1793-1796 in Göttingen
veröffentlichte, schreibt er:
"Einen andern Haupttheil der Länder diesseits des Euphrats
machen diejenigen aus, welche von den Griechen unter dem Namen von
Syrien begriffen werden. Allein diese Benennung ist so schwankend und
unbestimmt, dass eine vorläufige Erörterung derselben durchaus
notwendig ist.
Der griechische Name Syrien entspricht in seiner weitesten Bedeutung
der orientalischen Benennung Aram, und bezeichnet alle diejenigen
Länder, die von dem Volk der Aramäer oder Syrer bewohnt wurden. Es
begreift nicht nur die Provinzen diesseit des Euphrats, sondern auch
oft ganz Mesopotamien und Babylonien, ja auch selbst das eigentliche
Assyrien oder Kurdistan, jenseits des Tigris."
Prof. Theodor Mommsen wurde 1817 in
Schleswig-Holstein geboren und starb im Jahre 1903. Er war ein
deutscher Historiker und gilt als der bedeutendste
Altertumswissenschaftler des 19. Jahrhunderts.
In seinem Werk "Römische Geschichte" von 1854-1856 (dafür erhielt er
1902 den Literaturnobelpreis) schreibt er:
"Dies historische Ganze ist es, was man nicht passend die
Geschichte der alten Welt zu nennen pflegt, die Culturgeschichte der
Anwohner des Mittelmeers, die in ihren vier großen Entwickelungsstadien
an uns vorüberführt die Geschichte des koptischen oder ägyptischen
Stammes an dem südlichen Gestade, die der aramäischen oder syrischen
Nation, die die Ostküste einnimmt und tief in das innere Asien hinein
bis an den Euphrat und Tigris sich ausbreitet, und die Geschichte des
Zwillingsvolkes der Hellenen und der Italiker, welche die europäischen
Uferlandschaften des Mittelmeers zu ihrem Erbtheil empfingen."
"Es ist noch weniger Mangel an Zähigkeit und Eigenartigkeit des
Nationalgefühls; vielmehr haben die Aramäer mit einer Hartnäckigkeit,
welche kein indogermanisches Volk je erreicht hat und welche uns
Okzidentalen bald mehr, bald weniger als menschlich zu sein dünkt, ihre
Nationalität gegen alle Lockungen der griechischen Zivilisation wie
gegen alle Zwangsmittel der orientalischen und okzidentalischen
Despoten mit den Waffen des Geistes wie mit ihrem Blute verteidigt."
Prof. Rubens Duval, geboren 1839 in Morsang
[Frankreich] und gestorben 1911, war der führende französische Syrologe
seiner Zeit.
In "Anciennes Litteratures Chretiennes" schreibt er in der Einleitung:
"Syrien selbst oder das Syrien am Euphrat, Mesopotamien,
Babylonien, die orientalischen Provinzen wie Adiabene, Garmai, Susiana,
waren hauptsächlich von Aramäern bewohnt, die nach der Evangelisierung
dieser Länder den Namen Syrer annahmen."
Prof. Theodor Nöldeke war der bedeutendste deutsche
Orientalist seiner Zeit. Er wurde 1836 in Hamburg-Harburg geboren und
starb 1930 in Karlsruhe.
In seinem Aufsatz "Assyrios, Syrios, Syros" welcher in: Hermes 5,
Zeitschrift für klassische Philologie, im Jahre 1871 veröffentlicht
wurde, schreibt er:
"Es ist nun begreiflich, dass man die wichtigste Nationalität
nach dem Landesnamen zu benennen anfing und so den Namen "syrisch"
ethnologisch fasste und ihn mit "aramäisch" gleichsetzte."
"Auch die Orientalen sahen übrigens bald den ursprünglich
politisch-geographischen Namen als richtige Übersetzung des
einheimischen Aram an. So geben die alexandrinischen Juden Aram,
aramäisch, u.s.w. im Alten Testament überall mit Syrien, syrisch u.s.w
wieder und zwar ohne Unterschied, ob es sich um Dinge diesseits oder
jenseits des Euphrat handelt."
"Wie es nun kam, dass die Aramäer zuletzt mehr und mehr ihren alten
Namen aufgaben und den griechischen Ausdruck syrisch u.s.w. auf sich
selbst, ihre Sprache und Nationalität anwandten, das zu erörtern, würde
uns über die Grenzen dieses Aufsatzes hinausführen."
"Seit Alexander, wenn nicht schon früher, hat man angefangen, den Namen
der Syrer auf die in Syrien vorherrschende Nationalität allein zu
übertragen, und so ist dieser ursprünglich politisch-geographische
Begriff zu einem ethnologischen geworden, der sich mit dem
einheimischen "Aramäer" deckte."
und in seiner Kurzgefassten Grammatik schreibt er:
"Mit dem Namen „Syrer" bezeichneten die Griechen, seit sie
Asien näher hatten kennen lernen, die Nation, welche sich selbst
„Aramäer" nannte."
Prof. Carl Eduard Sachau, geboren 1845 und gestorben
1930, war ein deutscher Orientalist, der ausgedehnte Reisen in den
Orient unternahm.
In der Vorrede zu "Verzeichnis der Syrischen Handschriften der
königlichen Bibliothek zu Berlin", 1899, notiert er:
"die Nation der Aramäer. Dieser einheimische Name machte
später, hauptsächlich in Folge jüdisch-christlicher Literatureinflüsse,
der griechischen Bezeichnung "Syrer" Platz.
Anmerkung!
Suryoyo=omoroyo:Oromoyo=suryoyo
Das bedeutende Kloster Mor Augin aus dem 4. Jh. das an den Abhängen des Izlo-Gebirges erbaut wurde war ein großes Zentrum, aus dem Tausende Mönche hervorgingen. Sie spielten eine großeRolle im Tur Abdin und in der syrischen Kirche.Seit ca. 1983 steht das Kloster unbewohnt und wurde zum Teil von den Kurden zerstört.
Der heilige Mor Augin gilt als
der Begründer des monastischen Lebens im TUR ABDIN und als dessen
zweiter Missionar.
Von
Midyat aus erreicht man in östlicher Richtung über einen Sattel ein
weites llanggestrecktes Tal, an dessen Ende auf einer Anhöhe das Dorf
Inwardo liegt, dessen Name "Quelle der Rose" bedeutet!
Von der Kirche Mor Had Bschabo hat man einen großartigen Rundblick bis
zu den Bergen, die im Norden des Turadin die Grenzlinie zum Tal des
Tigris ziehen. Durch seine leicht zu verteidigende Lage hatte Inwardo
in der Geschichte des Turabdin besondere Bedeutung. Die Christen der
umliegenden Dörfern fanden hier Zuflucht in gefährlicher Zeit und
überlebten.
Die Kirche Mor Hab Bschabo ist von starken Mauern und Wehrtümern
umgeben, in denen noch Gewehrkugeln aus zeiten der Belagerungen stecken.
Der Grundgriss der Kirche gleicht dem der Kirchen von Kfarze und Urdunus

Ihwo/Ehwo
- Hbob - Güzelsu - Habab
Dieses
Dorf liegt 33 km südöstlich von Midyat im südlichen Tur ’Abdin und
wurde erst nach 1960 wieder von ca. 20 christlichen Familien besiedelt.
(Im türkischen Zensus von 1960 wird der Ort nicht aufgeführt.) Seine
Einwohner sprechen Turojo. 1980 lebten hier fünf christliche Familien.
Die Dorfkirche heißt „Mar Sarkis Bakos“. Am Ortsrand stehen die Ruinen
des Klosters „Mar Elijo“. Priester Afrem Alan betreute die Christen bis
1981 Harapali aus mit. Früher war Habab ein großes und bedeutendes
Dorf. Zwar wurde es 1403 von Kurden besetzt, aber um 1570 gehörte es
mit seinen 136 christlichen Familien zu den wohlhabenden Dörfern im Tur
’Abdin. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war Habab Bezirkshauptstadt
und Zentrum des südlichen Tur ’Abdin und zählte damals – Berichten
zufolge – sogar mehr als 1000 christliche Familien. Um 1850 wurden die
Lebensbedingungen im südlichen Tur ’Abdin offenbar durch
Heuschreckenplage, Wasserarmut und die folgenden Hungersnöte
unerträglich. Zahlreiche Dorfbewohner wanderten in die wasserreiche,
aber durch Kriegszüge entvölkerte Ebene am Rande des Tur ’Abdin aus und
siedelten sich dort in den verlassenen Ruinen der Dörfer Giremira,
Gündük, Güdükschükrü und Birguriya an. Nach dem 1. Weltkrieg zogen
viele von hier aus in das nordostsyrische Nachbargebiet und nach
Beirut. Zwar bestand Habab noch am Ende des 19. Jahrhunderts, im 1.
Weltkrieg war es jedoch schon eine Wüstung; während der Kämpfe um die
Unabhängigkeit nach dem Weltkrieg verschanzten sich die Kurden
hier und erlitten große Verluste.
Quelle dieses Textes ist das Buch „Tur Abdin“ von Helga Anschütz
Ihwo
ist nach dem heutigen Erkenntnisstand eines der ältesten Dörfer des Tur
Abdin. Es liegt in einer Tal Ebene östlich vom Kloster Mor Melke. In
der Lebensgeschichte des Mor Melke ist zu lesen, dass Mor Melke einen
geliebten Freund aus dem Dorf hatte. Der Name dieses Mannes war Yesuh
der Sohn von Yousef. Yeshuh war sehr wohlhabend und verehrte Mor Melke.
Aus diesem Grund war er auch maßgeblich am Bau des Klosters Mor Melke
beteiligt. Sowohl finanziell als auch durch Arbeitskraft seiner
Bediensteten. Seine Unterstützung ging so weit, das eins der Gebäude
des Klosters ihm gewidmet wurde. Als Zeugnis davon ist uns bis heute
ein gelochter Stein mit seinem Daumenabdruck erhalten geblieben. Dieser
Stern befindet sich über der Tür zur Kirche von Mor Melke. Mor Melke
lebte Mitte des 3. Jahrhunderts, woraus wir feststellen können das das
Dorf, da es zu dieser Zeit bereits erwähnt wurde, weitaus älter sein
muss. Ihwo hat sich auch in der syrisch orthodoxen Kirche einen guten
Namen gemacht, indem es viele Mönche, Priester, Bischöfe und sogar
einen Patriarchen hervorgebracht hatte.
Jakob
Edessa ist es gewesen, der die erste Grammatik überhaupt für die
syrisch-aramäische Sprache geschrieben und verfasst hat. Ich berufe
mich hierzu auf den großen Gelehrten der Syrischen Kirche, der von den
Schein-Assyrern ermordet wurde, auf den Patriarchen Mor Aphrem Barsaum
I. in seinem Buch Berule Bdhire.
Hier sein Leben in einer kurzen Zusammenfassung:
Jakob von Edessa (+708) Dipl.-Theol. Sabo Hanna
Einer
der größten und berühmten syrisch-orthodoxen Gelehrten. Er gilt in der
Syrischen Kirche als Sprachreformer,
als Restaurator der syrisch-aramäischen Sprache und als Verfasser
vieler Kanones und Regeln für die Mönche und der kirchlichen
Ordnungen. Ein
großes Verdienst um die Erhaltung der Sprache [Syrischen] in dieser für
ihre Existenz bedrohlichen Zeit erwarb sich Jakob von Edessa.
oder "das größe Verdienst aber erwarb sich Jakob durch seine Bemühungen
um die Erhaltung seiner Muttersprache." So urteilt der berühmte
deutsche Orientalist und Syrologe Carl Brockelmann.
Er betätigte sich als Grammatiklehrer, Poet (Dichter), Übersetzer,
Historiker, Exeget, Kirchenrechtler, Philosoph und nicht zuletzt als
Theologe.
Er war seiner syrisch-aramäischen Muttersprache und der griechischen Sprache mächtig. Patriarch Ephräm Barsaum vergleicht ihn mit Bar-Hebräus.
Geboren
wurde Jakob von Edessa im Dorf `indaba (Endeba) nahe Antiochiens gegen
633 n. Chr. Sein Vater hieß Isaak (Ishoq). Er wurde in seiner Kindheit
vom Pater Quryaqos in die Fundamente der Alten und des Neuen
Testamentes und der Schriften der Kirchenväter unterrichtet und
eingeführt. Später ging er ins Kloster Qenneschrin, wo der berühmte
Sevire Sabuchat mit Freude empfing und lehrte bei ihm die griechische
Sprache. Er beendete seine Lehre und sein Studium in der Sprache
(griechische), in der Philosophie und der Theologie mit seinem Freund
und Weggefährten Athanasius aus Bolod (Balad/i), der spätere Patriarch
von Antiochien (als Athanasius II. 683-686). Nach diesem Studium ging
er nach Alexandrien, um sein philosophisches Studium weiterzuführen.
Schließlich kehrte er nach Syrien zurück und erlernte in Edessa (Urhoy)
die hebräische Sprache. Und genau hier wurde er weltberühmt.
Im Jahre 672 wurde er Diakon und zwei Jahre später 674 wurde er von
seinem Freund und dem Patriarchen Athanasius II. aus Bolod Metropolit
von Urhoy. Sein Tod wird auf den 5. Juni 708 datiert und sein
Gedächtnis wird in der Syrisch-Orthodoxen Kirche am diesem Tag
gefeiert, wobei dieses im syrischen Kalender nicht immer eingeführt und
begangen wird. Das ist natürlich bedauerlich im Hinblick auf seine
Berühmtheit und Verdienste für das Syrertum insbesondere für die
syrisch-aramäische Sprache.
Seine Werke:
Mor Jakob von Edessa verfasste viele andere Briefe theologischen und
philosophischen Inhalts.
Über sein ausführliches Leben und Werke empfehle ich BERULE BDHIRE des
Patriarchen Barsaum I.
Das größte und bedeutendste Kloster des Tur Abdin liegt unweit der
Stadt Mardin und trug ursprünglich den Namen Deir Mar Hanania
(Ananiaskloster). Heute wird der Komplex allgemein Deir
az-Zafaran genannt, was eine Anspielung auf die safrangelbe
Farbe seiner Außenmauern ist.
Die
ältesten Gebäudeteile stammen aus dem 4. Jh. n.Chr.
Hierzu zählt auch das sog. Beit Qadishe (Haus der
Heiligen). Hierbei handelt es sich wahrscheinlich ursprünglich um einen
Unterrichtsraum für Medizin. In seiner heutigen Gestalt zeigt es sich
allerdings als Grabgebäude, zu dem es wohl im 13. Jahrhundert
umfunktioniert worden ist. Es sind sieben Arkosolnischen zu sehen, in
denen insgesamt ca. 50 Patriarchen und über 100 Metropoliten beigesetzt
sind. Die Amtsträger wurden in vollem Ornat beigesetzt, wobei jeweils
der zuletzt verstrobene sitzend bestattet wurde. Der gesamte Raum ist
von einer Kuppel überwölbt.
Aus
dem 4. Jahrhundert n.Chr. stammt die Marienkirche,
die heute für Taufen benutzt wird. Es ist noch ein geosteter Steinaltar
mit einem Holzaufsatz (wohl aus dem 16. Jh.) erhalten. Vor diesem Altar
sind noch einige Mosaikreste zu sehen, die ins 5./6. Jahrhundert n.Chr.
datiert werden.
Die eigentliche Klosterkirche, die dem Heiligen Ananias geweiht ist, stammt ebenfalls aus dem 4. Jahrhundert n.Chr.. Sie war ursprünglich größer, ist aber nach der Zerstörung durch die Mongolen kleiner wieder aufgebaut worden. Es handelt sich um einen Bau mit drei Apsiden. In großer Höhe über dem Boden befindet sich eine Holzempore, auf der die Menschen den Gottesdienst verfolgen konnten, wenn die Kirche sehr voll war. Direkt neben dem Eingang ist ein Fresko aus dem 9. Jh. erhalten, das den Ananias zeigt. In der Hauptapsis befinden sich ein Metropolitenthron und der Thron des syrisch-orthodixen Patriarchen, der auch als Patriarch von Antiochia bezeichnet wird. Da das Kloster aufgrund der gefährlichen Situation der Christen in der Türkei heute nicht mehr der Patriarchensitz ist (der Patriarch lebt seit 1959 im Exil in Damaskus), wird der Patriarch durch ein Foto repräsentiert, das den Thron ziert. Bemerkenswert ist noch ein Friesband, das den ganzen Raum umzieht. Es zeigt Rankenmuster und korbähnliche Motive.
Nachfolgend verwenden wir aber den
althergebrachten Namen Kafro und verzichten dabei bequemlichkeitshalber
noch auf den Anhängsel „tahtaito“.
GEOGRAPHIE
Unter dem Begriff 'Rayite' versteht man den
Überbegriff der örtlich angrenzenden Dörfer Kafro, Harabale,
Harapmeski, Sederi, Badibe, Ehwo und Arbo. Sie alle waren
ausschliesslich von Christen bewohnt.
Als Bestandteil des Tur Abdins war das Dorf
Kafro ebenso vom tragischen Schicksal betroffen. Infolge der Vielzahl
von Kriegen, Verfolgungen und Schändungen des Dorfes durch fremde, v.a.
muslimischen Völker blieben über die geschichtliche Entwicklung von
Kafro nur noch mündliche Überlieferungen erhalten. Bücher und andere
schriftlichen Dokumente wurden entwendet, verbrannt und vernichtet. Die
vielfachen gesellschaftlichen Bedrängnisse brachten nicht nur dem Dorf
Kafro, sondern auch allen anderen Dörfern aus dem Tur Abdin den
Niedergang.
Laut mündlicher Überlieferung hat das Dorf
Kafro seinen Entstehungsursprung noch vor Christi Geburt. In dieser
Berichten beschränken wir uns jedoch nur auf den Zeitraum
zwischen 1900 und heute.
Am 24.05.2008 haben wir Kafro besucht. Herr Yako Demir hat uns über die Planungen und Ausführungen im Dorf Kafro unterrichtet. Über die wertvollen Ratschläge die uns Herr Demir auf dem Weg gegeben hat, wollen wir uns noch einmal bedanken. Nach einem ausgiebigen Dinner haben wir Kafro verlassen. Siehe Projektreise Mai 2008
Anmerkung:
Kafro
ist ein Standardname für Dorf oder Kaff. Lt. dem Historiker Sina
Schiffer gründeten Aramäer dort wo sie siedelten Dörfer mit dem Namen Kafro.
Im Turabdin gibt es lauter Dörfer
die so heißen. Auch in Kfarze, Kafarbe und Kerburan (eigentlich
Kfarburan) findet sich das Wort Kafro wieder.
Mit
Kafro Elayto wird gekennzeichnet, dass das Dorf zum Turoyo Celoyo
gehört (höherem Berg). Im Gegenzu dazu gehört Kafro Tahtayto zum Turo
Tahtayo (niedriger Berg). Kafro 'Elayto einfach: Höheres Kafro.
Kfarburan liegt am Ende der von Midyat kommenden Asphaltstraße. Von den umliegenden Hügeln kommt reichlich Wasser. Seine Wassermühlen wurden von den Dörfern aus nah und fern benützt. Diese günstige Lage machte Kfarburan zu einem wichtigen Ort, in dem es syrisch-orthodoxe, syrisch-katholische und protestantische Christen gab, die oft unter dem Druck der kurdischen Muslime zu leiden hatten.
Während des Ersten Weltkrieges wurde sogar der Bischof ermordet. Die in den folgenden Jahren erfreuliche Entwicklung im Verhältnis zueinander wurde bald wieder zunichte gemacht. 1970 waren noch zwei Drittel der ca. 2000 Einwohner christlich, 1979 verließen die letzten Christen den Ort.
Quelle: Lebendiges Kulturerbe/ Hans Hollerweger
Das
Dorf Keferze liegt etwas 15 km nordöstlich von Midyat oberhalb der
neuangelegten Piste Midyat – Hah. Unter den 1622 Einwohnern leben 70
Syrisch-Orthodoxe Familien (1980 waren es 30 christliche Familien). Im
Dorf wird Turojo und Kurdisch gesprochen. Priester ist Melke Gümüs
(geb. 1929, Priesterweihe 1959). 
Kamischli, Qamischli, Kamischlo, Qamishlo
Der Begriff Kamish ist türkischen Ursprungs und bedeutet auf Deutsch Schilf(rohr). Weil dort angeblich viel Schilfrohr produziert wurde, wurde die neugegründete Stadt Kamishli genannt. Und Kamish bedeutet auf Syrisch-Aramäisch Zolo, daher auch Zolin bzw. Zalin (Pluralform). Die Stadtgründer waren allerdings Aramäer (=Suryoye) aus Turabdin, aus verschiedenen Dörfer und Städten der Türkei. Die Stadt Zalin/Kamishli grenzt an Nsibin (türkisch: Nusaybin) und wird daher auch von uns als Nsibin i Hathto, also Neu-Nsibin, genannt.Allein
in Qamishli stehen 4 Syrisch-Orthodoxe Kirchen. In den 50 er und 60 er
Jahren war Qamishli zu ca. 90 % christlich!!! Und der weitaus größte
Teil dieser Gruppe waren gläubige der syrisch-orthodoxen Kirche, die
größtenteils aus dem Tur-Abdin geflohen waren.
Deswegen gibt es wohl fast keinen Suryoyo, der nicht festgestellt hat,
dass er irgendwelche verwandte in Qamishli hat. Das hat seinen
Hintergrund. Ganze Stadtviertel wurden von den Suryoye aus dem
Tur-Abdin besiedelt!! Sie hatten und haben immer die Möglichkeit gehabt
als Suryoyoe aufzutreten und ihre Interessen im Rahmen des rechtlich
und staatlich möglichen geltend zu machen.
Deiro Mor Abrohom wird manchmal mit dem Kloster gleichen Namens bei Midyat verwechselt. Es ist als das „Große Kloster auf dem Berg Izala" in die syrische Kirchengeschichte eingegangen und wurde nach seinem Gründer Abrohom von Kaschkar (gest. 588) benannt.
Kloster Mor Jakob von Sarug (ehemals Kloster Warburg)
Das ehem. jüngere Dominikanerkloster (1892 – 1993) an der Klosterstraße dient heute als Kloster und Bischofssitz der syrisch-orthodoxen Kirche. Das Erzbistum Deutschland der syrisch-orthodoxen Kirche wurde 1997 gegründet. Nachdem die Dominikaner ihr erstes Kloster in Warburg (s. dort) 1825 verlassen mussten, erfolgte im Jahre 1892 eine Neugründung der Ordensgemeinschaft in Warburg. Zwischen 1903 und 1908 wurden Klosterkirche und Klostergebäude neu errichtet. 1933 erhielt die Klosterkirche mit dem Anbau des Chores die typische Gestalt einer Bettelordenskirche. Nach nur 60 Jahren wurde die Dominikaner-Niederlassung 1993 geschlossen und die Kirche säkularisiert. 1996 erwarb die syrisch-orthodoxe Kirche von Westfalen die Klosteranlage, die nunmehr Abtei ist.

Deutsch
und Englisch
Syrisch
Aramaeisch
Neue
Publikationen
Der
Heilige Mor Afrem - Die Sonne der Suryoye (Mor Ephrem der Syrer)
Name
bedeutet:
der doppelt Fruchtbare (hebr.)
Diakon, Kirchenlehrer
* um 306 in Nisibis, heute Nusaybin
in der Türkei
† im Juni 373 in Edessa, heute Sanlıurfa
in der Türkei
Mor
Aphrem, geboren in der Wiege der Weisheit,gestillt mit der festen Liebe
zu Gott,im Schatten des Kreuzes von Antiochia erzogen,und beschenkt mit
der Poesie des ewigen Himmels. Seine Worte und Gedanken den Durst nach
Wissen stillten,so daß er gleich einem Sonnenstrahl, das wie ein Licht
einfielin die Finsternis der Zeitgeschichte,das Lächeln im tiefsten
Winter zauberte,daß Blumen aus die Knospen sprießen läßt.und das Herz
des Suryoye Volkes mit Liebe,Wissen und Wärme füllte.
“Die
ursprüngliche und alte Syrische Kirche von Antiochien, die heute zu
neun konfessionell eigenständigen Kirchen geworden ist, brachte in den
ersten Jahrhunderten ihres Wirkens große Gelehrte, Philosophen und
Lehrer hervor, die das Christentum und die Kirche als gesellschaftliche
Organisation und Institution charakteristisch prägten.
Von
den zahlreichen religiös geprägten, künstlerisch schaffenden,
literarisch begabten und politisch-organisatorisch motivierten
Emporkömmlingen aus den Kirchen und Klöster wie Mor Matay, Mar Gabriel
und Deyrul Zafaran sowie aus den theologischen
und wissenschaftlichen Universitäten von Urhoy-Harran, Nsibin,
Antiochien, Kenishrin und Gundishapur tat sich vor allem Ephrem der
Syrer (Suryoyo) hervor. Mor Ephrem der Syrer (Suryoyo) wird
heute von nahezu allen christlichen Kirchen als Lehrer der gesamten
Kirche angesehen. Als Lehrer, Dichter Redner und Verteidiger des wahren
Glaubens hat sich Mor Ephrem in vielerlei Hinsichten diesen Rang
verdient. So ist zu verstehen, dass ein Katholischer Papst in den 20er
Jahren des vergangenen Jahrhunderts folgendes über ihn sagte: „...Ich
kenne in den Annalen der Heiligenbiographien keinen Heiligen, der so
beredete Titel hat wie der hl. Ephrem: er ist Prophet der Syrer, die
Krone der syrisch-aramäischen Nationen, die Sonne der Schulen, Meister
der Meister, Haupt der Lehrer, Fürst der Poeten, Brunnen der
Wissenschaft, Hammer für die Häretiker, Vorbild der Eremiten,
Schatzmine, Säule der Kirche, göttlicher Philosoph, Harfe des Heiligen
Geistes...“ (1) Einerseits vererbte uns Mor Ephrem der Syrer
Hunderte von Gedichten, inspirierte mit der Einführung musikalischer
und dichterischer Hymnen und setzte viele Aufsätze und Schriften auf,
womit er auf diesem Wege einen großen Einfluss auf die internen
Entwicklungen der Kirche ausübte.
Die
Musik und Dichtung in der Kirche öffnete neue Wege für die Lobpreisung
von Christus. Anderseits aber ist aus seinem Leben nur sehr weniges
bekannt und das Bekannte ist zuweilen bei den Historikern auch sehr
umstritten.Das Leben von Mor Ephrem der Syrer (Suryoyo)Mor Afrem der
Syrer erblickte im Jahre 306 n. Chr. in Nsibin, der Grenzstadt zwischen
den damaligen Großreichen Persien und Byzanz und eines der damaligen
Zentren des Suryoye Christentums, das Licht der Welt. Die Historiker
streiten sich über die Religion der Eltern. Dahingehend äußert sich Mor
Ephrem
in einen der wenigen Aussagen bezüglich seiner eigenen Person, „dass er
zwar auf den Wege des Glaubens geboren wurde; er sich aber in seiner
Kindheit der Größe und Gnade des Glaubens unbewusst
war“. Viele Historiker sehen in dieser Aussage den eindeutigen
Beweis dafür, dass er in eine christliche Familie hineingeboren sein
musste. Dennoch ist sich die Mehrheit der Historiker darüber einig,
dass seine in Omid (Diyarbekir) geborenen Mutter Christin gewesen sei
und sein in Nsibis geborener Vater ein heidnischer Priester des Gottes
Abnil oder Abizal war. (2) Die sehr prägnante und kultivierte
Erziehung, die er in seiner Kindheit und Jugendzeit von den
Eltern erfuhr, eröffnete ihm viele Wege zu neuen Erkenntnissen und
persönlichen Erfahrungen.
Die
überwiegende Mehrheit der Historiker schätzt, dass Mor Ephrem die Tauf
im 18 Lebensjahr erhalten hat und zum Christentum übergetreten ist.
Daraufhin warf ihn sein Vater wegen seiner Verachtung der heidnischen
Religion aus dem Haus. Zuflucht fand Mor Ephrem bei seinem größten
Förderer und damaligen Bischof von Nsibis „Mor Jakub“.
Von
seiner Frömmigkeit, Persönlichkeit, Bildung und lebhaften Intelligenz
beeindruckt, nahm er ihn in seine Schule auf. Dort machte Mor Ephrem
mit seiner Frömmigkeit und seiner hohen Sittlichkeit und seine
schulischen Erfolge auf sich aufmerksam. Der Bischof nahm ihn
schließlich in seine persönlichen Dienste auf, machte ihn zum
Buchführer der Diözese und ernannte ihn zum Lehrer. Mor
Jakub erhob ihn später zum Diakon. Den
nachträglichen Wünschen des Bischofs, eine höhere kirchliche Stellung
und die Priesterweihe anzunehmen, lehnte er stets ab, da er sich ihrer
für unwürdig hielt. In Nsibin wurde er später in das Amt des leitenden
Direktors der berühmten Schule erhoben.Um das Jahr 325 n. Chr. herum
begleitete Mor Ephrem den Bischof als sein Sekretär zum Konzil von
Nicäa. Eine Legende berichtet, dass er dort eine Begegnung mit
den Bischof von Cäsarea, Basselius dem Grossen, hatte und dass er
seinen Weg bis nach Ägypten fortsetzte, um dort die Erfahrung des
eremitischen Lebens zu machen.
Über
die weiteren Einflüsse auf Mor Ephrem und wie und auf welchen Wegen er
zu der vollen Ausschöpfung seiner christlichen Überzeugung fand, wird
in den Geschichts- und Kirchenbüchern sehr viel spekuliert. Dennoch
kann man sagen, dass die feste Freundschaft
zum Mönch Julian sowie später die Kontakte und regen Diskussionen mit
dem anderen Mönchen seinen weiteren Weg eindeutig geprägt haben. Später
fand er wieder den Weg nach Nsibin zurück, um dort in der neuen
Universität als Direktor zu fungieren. Mor Afrem war in dieser hohen
Universität 25 Jahre im Amt.
Nach
dem Tode des Bischofs Mor Jakub
(338 n. Chr.) lehrte er auch unter dem Episkopat der drei nachfolgenden
Bischöfe: Babo (338-379), Walgache (349-361) und Abraham (361). Während
dieser Periode in Nsibis war er nicht nur als Lehrer in der Schule
tätig, sondern beteiligte sich auch am öffentlichen Leben. Als die
Stadt Nisbis im Jahre 338, 346 und 250 von den militärischen Horden des
Perserkönigs Shapur II belagert wurde, betreute er die Gemeinde, indem
er sie in ihrem Glauben zu Gott bestärkte. Auch nahm an anderen
politischen Wagnissen teil. So ermutigte er beispielsweise das Heer des
römischen Imperators Jovian gegen den Perserkönig. (3) Als 363 n. Chr.
aber Nsibis fiel und die Stadt im Rahmen eines Friedensschlusses an die
Perser übergeben werden musste, flüchtet ein großer Teil der
christlichen Bevölkerung aus Angst vor Überggriffen und Repressalien
durch die Perser; unter ihnen auch Mor Ephrem.
Sein
weiterer Weg führte ihn zunächst nach Beit Garbaye, später nach Omid
und schließlich nach Urhoy/Edessa, einem der damaligen christlichen
Zentren. Später folgten alle Lehrer der Schule von Nsibin und die
Mehrheit der angesehenen Persönlichkeiten Mor Ephrem nach Urhoy. Dort
gründete er die berühmte Schule von Urhoy. Diese
Universität gewann sehr schnell an Popularität und Ansehen, so
dass aus vielen Regionen Schüler kamen, um unter seiner Aufsicht zu
studieren. Abo Mschamschono Zaynub, Assuno, Schemun Schmischtoyo,
Yulyane, Kaschischo A`Bedschmayo und Ishok Omidoyo sind nur einige
wenige der Schüler, die er aufgezogen hat. Zwischen den Jahren 365 und
366 sich in Urhoy die Lebensbedingen verschlechterten und eine
Hungersnot und eine Epidemie eintrat, organisierte er die Bewahrung der
Stadt vor der Not. Weiters eröffnete Mor Ephrem ein Heim für
Obdachlose, Kranke und Waise.
Darum
war Mor Ephrem vielen auch als Vater der Armen bekannt. Mor Ephrem
selbst lebte in einer Höhle, verbrachte seine Nächte mit Gebeten und
dem Studium der heiligen Schrift. Sein Zeitgenosse, der hl. Gregor von
Nyssa (355-394) hinterlies uns folgendes Porträt: „Ephrem ist ein
Nacheiferer der ersten Apostel; er kann allen Mönchen und Eremiten als
Vorbild dienen. Er lebte ohne Tasche, ohne Stock und hatte weder
Gold noch Silber. Seine Nahrung war Haferbrot und Gemüse, sein
Getränk bestand aus bloßem Wasser. Sein Leib glich einem Skelett aus
Ton.“ In der Universität von Urhoy lehrte Mor Ephrem bis zu den letzten
Jahren seines Lebens. Seinen Schülern und Mitdozenten lehrte er immer
die Brüderlichkeit, Gerechtigkeit und Nächstenliebe.
Dennoch
hatte er auch ambivalente Sichtweisen. Nichts zuletzt seine politische
Haltung und Verachtung der persischen Obrigkeit gegenüber legt dar,
dass obwohl er in Bescheidenheit, Frömmigkeit und Frieden lebte, er
dennoch bestimmte politische Ansichten vertrat. Am 9. Juli des Jahres
373 verstarb Mor Ephrem. Seine Beerdigung fand in Urhoy
statt. Vor seinem Tod gab er Freunden an, seine Beerdigung
schlicht und ohne großem Aufwand zu vollziehen. Später wurde über seine
Grabstätte ein Kloster erbaut. Nachdem die Kreuzritter im 12.
Jahrhundert sich in Urhoy/Edessa niederließen nahmen sie seine Gebeine
mit sich. Heute ruhen die Gebeine Mor Ephrems in Rom. Mor Ephrem –
der Kirchenlehrer, Exeget, Liturgiker, Historiker, Polemiker,
Apologet, Dichter und SängerWas die Menge seiner Schriften betrifft,
„gleiche ihre Zahl einem Meer, dessen Ufer man kaum erkennen kann“, so
der Erzbischof der Syrisch katholischen Kirche in Hassake, Msgr. Habib
Hafouri in seiner Ausführung über den Kirchelehrer Mor Ephrem.
Und
Photius, der Patriarch von Konstantinopel (858-886) sagte, dass Ephrem
neben seinen Hymnen und Liedern mehr als tausend Reden und Predigten
hinterlassen hat. (4) Einem Syrischen Text der Heiligen Schrift aus dem
4. Jahrhundert zufolge („Pschitto“) kommentierte Mor Ephrem die Bücher
Genesis, Exodus, Josua, Richter, Samuel, Könige, Chronik und Ijob. Er
legte die vier Evangelien in der vereinigten Fassung
von Tatian den Syrer und auch die Briefe des heiligen Paulus
sowie die Apostelgeschichte dar. (5) Er verfasste mehrere Tausend
Hymnen, Gedichte, Schriften über den Glauben, über Christus und das
Paradies aber auch gegen Kaiser Julian und gegen Feinde des Glaubens.
In einem alten Gesangsbuch der Syrischen Kirche stehen über 500 Gesänge
von Mor Ephrem geschrieben. Einige Lieder, die er verfasst hat, haben
über 156 Strophen. Als Polemiker machte er sich vor allem gegen
Bardaisan einen Namen. In Form von Gedichten und Versen griff der den
Häretiker scharf an. Die Gründung von Chorschulen mit Jungen und
Mädchen durch Mor Ephrem und damit der Einführung der Musik in die
Kirche, konnte als eine kleine Revolution innerhalb der dogmatischen
und strengen Sichtweisen der Frühzeitlichen Kirche erachtet
werden. Seit dem Tod von Mor Ephrem sind mehr als 16 Jahrhunderte
vergangen. Aber das Echo seiner Hymnen und Gebete ertönt noch immer in
den Gewölben der syrischen, maronitischen, chaldäischen, armenischen,
assyrischen, koptischen, indischen, abessinischen, slawischen,
russischen, griechischen und lateinischen Kirchen. Seine
Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt. Und wie oben schon
erwähnt gilt er als einer der wenigen Kirchenlehrer der Universellen
Christlichen Kirche. Dennoch ist und bleibt Mor Ephrem allen voran die
Sonne des Suryoye Volkes. Nicht zuletzt seinen großen literarischen,
theologischen und kulturellen Verdiensten wegen verdient er
diesen Titel. Damals wie heute noch lebt Mor Ephrem im Herzen unserer
Kirche und unseres Volkes fort.
Selbst
die vielen Massaker und Völkermorde haben das Andenken an diesem
Kirchenlehrer nichts anhaben können. Aber die Schulen und
Universitäten, die einst Mor Ephrem und andere große Lehrer errichtet
hatten, sind zu Ruinen und Trümmer geworden. Der einstige Glanz der
Syrischen Kirche von Antiochien ist vergangen.
Die
Kirche ist inzwischen zersplittert, ihre Einheit zerstört und ihre
Farben sind sehr stark am verwelken. Schon Mor Ephrem hatte damals
erkannt, dass die Bildung in der Gesellschaft die Basis einer gesunden
Zukunft ist. Darum gilt es heute intensiver denn je, uns historisch,
kulturell und politisch weiterzubilden und weiterzuentwickeln, um die
Existenz unseres Volkes in jeder Hinsicht gewährleisten zu Nur dann
können wir mit berechtigtem Stolz sagen, dass wir die Nachfahren des
großen Mor Ephrems des Syrers (Suryoyo) sind.
Anmerkungen:(1)
vgl. Das Katholische Oberhaupt Papst Benedikt XV. (gest. 1922) über Mor
Ephrem; in Isaac Amalé: Saint Ephrem le Syrien, Beirut 1952(2) vgl.
Ausführung von Jerome Labbourt über Ephrem the Syrian; transcriped by
Thomas M. Barret (3) vgl. Ausführungen eines Jesuitischen Geistlichen
über Mor Ephrem (4) Ausführung von Msgr. Habib Hafouri, Syrisch
Katholischer Erzbischof von Hassake (Syrien)(5)
Die urlate Kirche Mor Malke in Sare
Mor Malke
Die uralte Kirche Mor Malke in Sare birgt bis zum heutigen Tag noch zwei Denkmäler aus vorchristlicher Zeit: Eine Stele mit Orante und aramäischer Inschrift und eine Basaltplatte.
Die historische Mor Malke Kirche erhielt einen neuen Glockenturm. Die komplette Sanierung der uralten Dorfkirche wurde Dank Dank der Niederländishen Botschaft in Ankara denkmalgerecht restauriert und behutsam saniert.Die historische Mor Malke Kirche erhielt einen
neuen Glockenturm. Die komplette Sanierung der uralten Dorfkirche wurde
Dank Dank der Niederländishen Botschaft in Ankara denkmalgerecht
restauriert und behutsam saniert.
Geographie
und Klima:
Miden in der Südost-Türkei ist die größte rein christliche Ortschaft im
Tur Abdin und damit in der ganzen Türkei. Zurzeit wird das Dorf von
etwas mehr als 45 Familien bewohnt.
Das Dorf liegt am Übergang vom Kalksteinmassiv zu den östlich davon
gelegenen Basaltblockfeldern. 15 km weiter südöstlich liegt der
erloschene Vulka