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Shamun-Hanna Haydo
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Legendärer Held und Aramäischer Freiheitskämpfer von Tur-Abdin, geboren in Sare (Gawayto): Shamun-Hanna Haydo, gestorben 1963 in Sare Legendärer Held und Aramäischer Freiheitskämpfer von Tur-Abdin, geboren in Sare (Gawayto): Shamun-Hanna be Haydo, gestorben 1963 in Sare Legendärer Held und Aramäischer Freiheitskämpfer von Tur-Abdin, geboren in Sare (Gawayto): Shamun-Hanna Haydo, gestorben 1963 in Sare Shamoun Hanna be Haydo - Gründer und Stammhalter von Sare und legedärer Held von Tur-Abdin, geboren in Sare (Gawayto): geboren ca. 1870/73 gestorben ca. 1963 in Sare
HISTORISCHE GESCHICHTE DER ARAMÄER / SURYOYE

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Tur-Abdin Lexikon von A bis Z
Die Bibel (Altes und Neues Testament)




Geschichte der Aramäer (Syrisch-Orhodoxe-Kirche)

Das Land Syrien, dass sich damals über das Gebiet zwischen dem Euphrat im Osten, dem Taurusgebirge im Norden, der Mittelmeerküste im Westen und der Halbinsel Sinai im Süden erstreckte, war seit Alters her Schauplatz von Wanderungen und Kriegen zahlreicher Völker.

http://www.suryoye.at/images/VOrient_Karte.jpg

Historische Funde belegen schon im 4. Jahrtausend v. Chr. die Besiedelung einzelner Gebiete durch die Kanaanäer (auch Phönizier, biblisch Kanaaniter oder Sidonier, heutige Nachfahren leben im Libanon) und Hunniten. Im 2. Jahrtausend a. c.eroberten die Assyrer das Land, um es für rund eintausend Jahre in ihrer Herrschaft zu behalten. In den Gebieten, die von den Assyrern bedroht und zeitweise auch beherrscht wurden, lebten unter anderem die aramäischen Stämme, die ursprünglich aus dem Nordrand der arabischen Wüste kommend in Mesopotamien und Syrien sesshaft geworden waren. Ihre Sprache war ein nordwest-semitischer Dialekt, der bald zu einer der drei ältestbezeugten und heute noch gesprochenen Sprachen der Welt gehören sollte (neben Griechisch und Chinesisch). Trotz der politischen Macht der Assyrer waren es die Aramäer, die kulturell den wichtigsten Einfluss auf das Land ausübten: man sprach aramäisch.

612 v. Chr. gelang es den Medern und Chaldäern die Vorherrschaft über das Reich der Assyrer, dessen Kerngebiet sich im heutigen Irak befand, zu erringen. Bald begründeten die Chaldäer auf dem Fundament des untergegangenen assyrischen Reiches eine neue Epoche, die heute noch bekannte neubabylonische Dynastie mit den Königen Nabupolassar, Nebukadnezar und Nabonid entstand. Zweifelhaften Ruhm erlangten die Chaldäer, die sich bereits seit dem 10. Jhd a. c. am persischen Golf nachweisen lassen, jedoch besonders durch die Gefangennahme der jüdischen Oberschicht Jerusalems (Beginn 586 v. Chr.), von der die Bibel als die „babylonische Gefangenschaft" berichtet. Keine hundert Jahre später (538 v. Chr.) waren es wieder die Meder, die durch ihre Mithilfe für einen Machtwechsel sorgten. Unter dem Kommando des Perserkönigs Kyros halfen sie, die Chaldäer zu unterwerfen, und deren Herrschaft über Babylon und den Vorderen Orient zu beenden.

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Herkunft der Syrer-Aramäer (Suryoye)
by Dipl.-Theol. Sabo Hanna

Mit dem Begriff „Syrer“ bezeichneten die Griechen, seitdem sie Asien näher kennen lernten, die Nation, welche sich selbst „Aramäer“ nannte. Die christlichen Syrer bzw. Suryoye sind ethnisch gesehen Aramäer semitischen Volksstammes, die in Aram Beth-Nahrin (=Mesopotamien) zu Hause sind.
Der in der Literatur verwendete Begriff „Syrer“ (griechisch: Syroi bzw. Syrioi) hat mit der jetzigen politischen Bezeichnung „Syrien“ als arabischen Staat nicht unbedingt zu tun. Die Begriffe „Syrer“ und „Aramäer“ (griechisch: Aramaioi) sind hier identisch und bezeichnen ein und dasselbe Volk, sind also ethnisch und nicht politisch-geographisch zu verstehen. Der Name „Aram“ bzw. „Aramäer“ ist also eine wahre Nationalitätsbezeichnung und daher nicht an geographische oder politische Grenzen gebunden.

Mit anderen Worten: Der ursprünglich politisch-geographische Begriff Syrien oder Syrer wird im Laufe der Zeit zu einem ethnologischen, der sich mit der Bezeichnung Aramäer deckt. Die Syrer bezeichnen sich heute wiederum als Aramäer. Die Syrer sind nach syrisch-aramäischen Gelehrten, den griechischen Historikern und Geographen, sowie den europäischen Orientalisten bzw. Syrologen, Suryoye aramäischer Abstammung und verstehen sich so bis zum heutigen Tag.

Die Verwendung des Ausdruckes „Syrer“ auf die Aramäer geht auf die alten Griechen zurück. Der griechische Historiker Poseidonios schreibt dazu: „Denn was wir [Griechen] Syrer [grch. Syroi/Syrioi] nennen, nennt sich selbst Aramäer.“ Die Griechen bezeichneten das Gebiet, wo die Aramäer lebten mit „SYRIA“ und seine Bewohner, die mehrheitlich ARAMÄER waren, als „SYRER“ (griechisch: SYROI oder SYRIOI“ somit auch im Syrischen: SUROYE und SURYOYE; keilinschriftlich: SÛRI. (Siehe hierzu: Schiffer, Sina, Die Aramäer. ND Gütersloh 1992, S.160f)

Mit Alexander dem Großen (336-323 v.Chr.) fand diese Bezeichnung für die ethnischen Aramäer große Verbreitung. Der Begriff „Syrer“ (Suryoye) hat sich aber erst mit der Christianisierung der aramäischen Gebiete mehr oder weniger durchgesetzt. Die zum Christentum bekehrten Aramäer wollten sich von den heidnisch gebliebenen Aramäern unterscheiden und so übernahmen sie die Bezeichnung „SYRER“ (SURYOYE). Neuerdings bezeichnen sich die Syro-Aramäer wiederum unter ihrem ursprünglicheren Namen „Aramäer“.

(Siehe hierzu: A. *anda, Die Aramäer. Berlin 1900; Schiffer, S, Die Aramäer, ND Gütersloh 1992; M.Noth, Die Aramäer, in: ZDPV 68 (1949/1951), 19-36; A. Jepsen, Aramäer, in: RGG (3. Aufl.) I, 1957, 531-532; M. Dietrich, Die Aramäer Südbabyloniens in der Sargonidenzeit (700-648), Neukirchen 1970; Maximilian Streck, Über die älteste Geschichte der Aramäer, in: Klio 6 (1906), 185-225; Unger Eckhard, Aramäer in assyrischer Darstellung, RLA I 1928)


"Die syrische Sprache selbst ist die aramäische Sprache, und die Aramäer selbst sind Syrer. Wer auch immer einen Unterschied zwischen ihnen gemacht hat, hat sich geirrt. Durch den Lauf der Zeit und die Entwicklung der Umstände schien die Bezeichnung Syrisch neben Aramäisch jeden zu bezeichnen, der diese Sprache spricht; die Bezeichnung ist also austauschbar. Nach der Ausbreitung des Christentums überwog der Name Syrisch über die Bezeichnung Aramäisch, weil die Jünger, die ersten Prediger des Christentums, sprachlich Syrer waren. Als in den ersten Jahrhunderten erkannt wurde, dass die Apostel Syrisch sprachen, hat jeder, der ihre Lehren annahm und durch dir Aramäer Christ wurde, seinen ursprünglichen Namen aramäischen mit dem Namen syrisch vertauscht. Und er war stolz, dass er Syrer war, darum war der Name „Syrisch“ ein Wahrzeichen für den christlichen Glauben. Der Name aramäisch dagegen war ein Synonym für das Heidnische. Daher verwendet die syrische Übersetzung der Bibel, die unter dem Begriff „Peshitta“ bekannt ist, den Begriff „Aramäisch“ als Synonym für „heidnisch“, wie es im Galater Brief 2, 14; 3, 28 heißt. Darum ist die Bezeichnung aramäisch bei den christlichen Völkern im Lande Aram fast vollständig verschwunden. An ihrer Stelle ist die Bezeichnung „syrisch“ eingeführt worden. So wurde das Syrische gleichbedeutend für das Christentum in Herz uns Seele. Wenn wir jetzt „syrische Kirche“ sagen, meinen wir die „christliche Kirche“.

Quelle: Die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien durch die Jahrhunderte, 1980.


Christianisierung der Aramäer

Die Aramäer von Mesopotamien haben bereits in den ersten Jahrhunderten das Christentum angenommen. Zunächst verbreitete es sich von Antiochien aus hin zur zweitgrößten Provinzhauptstadt Edessa (Urhoi), der Wiege und dem bedeutenden Kulturzentrum der Aramäer. Turabdin, Beth-Zabdai und Umgebung haben das Christentum nach den Zeugnissen der Kirchenväter durch den Apostel Adai (Thaddäus) und seinem Schüler Agai angenommen.

Abgar der Große

Der Briefwechsel zwischen dem aramäischen König Abgar V. und Jesus wird von den syrisch-orthodoxen Kirchenvätern als Zeugnis dafür verwendet, daß die Aramäer bereits zur Zeit Jesu die Frohe Botschaft angenommen haben. Bis heute wird dieser Tag, der 1. Oktober, in der syrisch-orthodoxen Kirche als der Tag der Christianisierung der Aramäer und als der Neujahrstag der Suryoye (Syrer=Aramäer) gefeiert.

Kirche(n)

Das Volk der Aramäer oder der Suryoye (Syrer) verteilt sich in vielen Kirchen. Zur Volksgruppe der Aramäer gehören heute folgende Kirchen an:

Die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien (Mutter und Ursprung aller östlichen und westlichen Kirchen)

  • Die Ostsyrisch-Nestorianische (getrennt seit 431/484)
  • Die Syrisch-Chaldäische Kirche (getrennt seit 16. Jh.)
  • Die Syrisch-Maronitische Kirche (getrennt seit 1181)
  • Die Syrisch-Katholische Kirche (getrennt seit 1782/83)
Die Aramäer gründeten in Antiochien (heute Antakya-Türkei) die erste christliche Gemeinde ausserhalb Palästinas. Die syrisch-orthodoxe Kirche von Antiochien, die sich aus dieser urchristlichen Gemeinde entwickelte, ist die erste aller christlichen Kirchen.

Die Apostolische Syrische Kirche von Antiochien ist die erste Gemeinde, die von aus Jerusalem nach Antiochien geflohenen Juden bzw. Aposteln und Propheten gegründet wurde (Apg. 11,19ff). Sie ist zugleich die erste Gemeinde unter dem Begriff Christianoi (Christen) (Apg. 11,26), der zum erstenmal in der Geschichte auftauchte.

Die Organisatoren dieser Gemeinde waren Barnabas und Paulus. Der rechtmäßige Gründer der antiochenischen Gemeinde bzw. der Syrischen Kirche ist der Apostel Simon Kephas, genannt Petrus.

Der gegenwärtige syrische Patriarch ist Ignatius Zakkai I. Iwas, der 122. Nachfolger des Apostels Petrus auf dem apostolischen Stuhl von Antiochien.

Der syrische Patriarch trägt den Titel „Ignatius“ seit 1293 zur Erinnerung an den Märtyrerbischof und Patriarch Ignatius (Nurono) von Antiochien (+107). Heute sitzt der Patriarch in Damaskus-Syrien.

Die Nation der Syrer

Das Aramäische verlor während der Herrschaft der Griechen seine Pflege und Stellung in den Beamtenschulen, blieb jedoch als Volkssprache weiterhin in Gebrauch. Es war nur eine Frage der Zeit bis sich, ohne verbindende Schule, in verschiedenen Regionen neue Dialekte der Sprache ausprägten: In den zum Mittelmeer gelegenen Teilen entwickelte sich das Westaramäische, das dem Reichsaramäisch der Perserzeit noch am nächsten kommt. In Mesopotamien hingegen setzte sich das Ostaramäische durch. Durch die Vorherrschaft der griechischen Sprache im meeresnahen Westen sind nur verhältnismäßig wenige Schriften im West-Aramäischen erschaffen worden, das Ostaramäische entwickelte sich dagegen weiter und ist als Schriftsprache heute noch in drei Formen erhalten: Als jüdisch-babylonisches Aramäisch im babylonischen Talmud, als Mandäisch im Schrifttum einer gnostischen Sekte und als Schriftsprache der aramäischen Christen.

64 v. Chr. wurde Syrien schließlich zur Provinz des Römischen Reichs und das 300 v. Chr. durch Seleukos I., dem Enkel Alexander des Großen, am Fluss Orontes gegründete Antiochien zur Hauptstadt. Von der Kulturmetropole Edessa (im syrischen „Urhay", im Alten Testament „Ur", heute Urfa), das nördlich von Aleppo im Südosten der heutigen Türkei liegt, breitete sich die christlich aramäische Schriftsprache immer weiter in Syrien aus. Da dies, vor allem östlich von Antiochien, die Sprache der Evangelisierung und später der Liturgie der ersten christlichen Bevölkerung des Vorderen Orients war, nannte man sie seitdem „Syrer", auch als Synonym für Christen, und ihre Sprache „syrisch". Die heidnischen Bewohner Syriens hingegen behielten den Namen „Aramäer". So entstand aus den aramäisierten Bevölkerungsteilen eine Christenheit mit dem Namen „Syrer", deren Name an keines der früheren Völker anknüpft. „Aber die Tatsache, dass man die aramäischen Christen insgesamt wie ein einziges Volk als Syrer bezeichnen konnte, beweist, dass unter ihnen seit dem Untergang des assyrischen Reiches und seit dem allmählichen Verschwinden der vielen alten Sprachen ein echtes Zusammengehörigkeitsbewusstsein gewachsen war. Mindestens seitdem sie als Christen auch glaubensmäßig geeint waren, dürfen wir sie als Nation ansprechen. Diese Nation nannte sich mit der Zeit auch selbst Syrer. Der Name ‚Syrische Orthodoxe Kirche',..., beweist dies.

Es war auch Syrisch, in der die älteste und am häufigsten verbreitete Übersetzung der Hl. Schrift, die Peshitta (5. Jhd. n. Chr.), verfasst wurde. Es zeigte dass die Sprache weitaus besser zur Wiedergabe des Gedankeninhalts des Neuen Testaments in Lage war, als beispielsweise das Griechische, so wurde die Sprache zur Grundlage einer bedeutsamen, sich entwickelnden theologischen Literatur. Theodor Nöldeke, unter den Orientalisten Europas der größte Aramäist, sagt: „die syrische Bibel, namentlich die Evangelien, fast durchweg ein recht fließendes, idiomatisches Syrisch zeigen, dass sich im Grunde besser liest, als das semitische Griechisch der Originale".

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Edessa

„Alle heutigen Kirchen führen ihren Ursprung letztlich zurück auf die Jerusalemer Urgemeinde der apostolischen Zeit. Die Kirchen der syrischen Tradition tun dies mit größerem Recht als die anderen heute in de Regel bedeutenderen Ostkirchen. Sie wurzeln unmittelbar im ältesten aramäischsprachigen Christentum des palästinensisch-syrischen Raums. So dürfen sie in der Tat ‚Zion, die Mutter aller Kirchen', wie die bei den syrisch-orthodoxen Christen verwendete Liturgie ‚des heiligen Jakobus, des ersten Bischofs von Jerusalem', die Urgemeinde nennt, als ihre Mutterkirche betrachten."[1]

Einer Legende zufolge war es Edessa, die zur allerersten christlichen Stadt in der Geschichte der Menschheit wurde. Bischof Eusebius von Cäsarea in Palästina (
* 339/40) berichtet in seiner „Historia ecclesiastica" (I, 13), der damalige König Abgar V. (9-47 Regent von Edessa), mit dem Beinahmen Uchama (auch Ukomo, oder Ukkâmâ, syr.: „der Schwarze") habe an einer schweren Krankheit (Historiker vermuten Lepra) leidend, unseren Herrn Jesus Christus in einem Brief um Heilung gebeten und ihm angeboten, seine Stadt mit ihm zu teilen. Jesus teilte ihm brieflich mit, dass er zwar der Einladung nicht folgen könnte, er aber einen Jünger senden werde, sobald sein göttlicher Auftrag in Jerusalem erfüllt sei. Nach Christi Himmelfahrt entsandte der Apostel Thomas den Jünger Thaddäus, einen der 70, nach Edessa. Thaddäus heilte den König und viele Einwohner, und verkündete das Wort Gottes in die Stadt, wonach sich der Legende nach alle Bürger von Edessa taufen ließen. Mehr zur Legende...

http://www.suryoye.at/images/coinabgar.pngKönig Abgar im Profil auf einer edessenischen Münze V

Auch wenn die Christenheit von Antiochien aus, nach Edessa und bis in den Fernen Osten verbreitete, zeigt sich dennoch in der Entwicklung der Stadt, die auch der Geburtsort des Propheten Abraham war, dass dieser Ort für die frühe Christenheit von großer Bedeutung war.

„Ur" oder „Urhay", der ursprüngliche Name der Stadt wurde vermutlich vom assyrischen König Namrud gegründet. Nachdem Alexander der Große die Stadt im 4. Jahrhundert v. Chr. erobert hatte, bauten seine Nachfolger die Stadt neu auf und gaben ihr den Namen Edessa („Stadt auf dem Wasser"). Sie wurde in der Bibel oft auch als die „heilige Stadt" bezeichnet. In den religiösen Schriften wird weiters davon berichtet, dass auch Moses, David, Adam und Hiob, sowie die heiligen Addai (Thaddäus) und Aggai (ihr erster Bischof und der Weiher der ersten Priester und Diakone) in Urhay gelebt haben sollen. Es gibt sogar Erzählungen, dass der Apostel Judas in Urhay war und dort begraben wurde. Unter König Abgar IX (170-214) wurden die ersten christlichen Kirchen im Jahre 190 gebaut. Im 4. Jhd. ließ sich Ephräm der Syrer auch in der Stadt nieder und führte die Schule von Edessa zu weltweitem Ruhm. Zu dieser Zeit war Edessa auch die Stadt mit dem höchsten christlichen Bevölkerungsanteil im ganzen römischen Reich.

Heute wird die Stadt Urfa genannt und liegt in der türkischen Provinz Sanli Urfa (Der Ehrentitel Sanli wurde der Provinz 1983 verliehen und bedeutet „ruhmreich"), an der Grenze zu Syrien. Die religiöse Bedeutung ist der Stadt zum Teil noch geblieben: Urfa gilt heute als die fünft heiligste Stadt im Islam.

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Antiochien

Das von Seleukos I. Nikator (griech. „der Sieger"), einem Enkel von Alexander dem Großen, um 300 v. Chr. am Fluss Orontes gegründete Antiochien war wahrscheinlich die bedeutendste Stadt des frühen Christentums. So steht in der Apostelgeschichte (Apg. 11:26): „Die Jünger Jesu wurden zum ersten Mal in Antiochien Christen genannt".

Die christliche Geschichte der Stadt begann spätestens 34 und 42 n. Chr., als der Apostel Petrus seinen apostolischen Stuhl in Antiochien gründete und zum geistigen Oberhaupt der christlichen Bevölkerung der Stadt wurde. Der Ort, an dem Petrus seine ersten Predigten hielt, ist, als eines der wenigen Relikte der großen Vergangenheit der Stadt, heute noch erhalten. Die sog. „Grotte des Petrus" (auch „Petrus-Grotte") gilt heute noch als die älteste Kirche der Erde. Die Kirche in der 9,50 Meter breiten, 13 Meter langen und über 7 Meter hohen Grotte am Berg Stauris wurde der Überlieferung nach vom Evangelisten Lukas der Kirche geschenkt. Sie wurde im 13. Jhd. von den Kreuzfahrern zu einer kleinen dreischiffigen Kirche im frühgotischen Stil ausgebaut und mit einer beeindruckenden Fassade versehen. Aus dem Felsen der Grotte sickert heute noch in ein kleines Becken neben dem Altar Wasser, dem man eine heilende Wirkung nachsagt.

Nach Petrus folgten bald auch der Apostel Paulus und Barnabas (hebr. „Sohn des Trösters"), einer der 70 Prediger in die damalige Weltstadt.
Als Petrus und Paulus Antiochien wegen ihrer Mission verließen, beriefen sie zwei Bischöfe: Aphodius und Ignatius, der Erleuchtete, der Eine für die Heidenchristen, der Andere für die jüdischen Christen zuständig. Nach 68 waren beide Bischöfe geistlich dann unter Ignatius, dem Erleuchteten, vereint. Ihm zu Ehren nehmen die Patriarchen seit 878 bis heute den Titel Ignatius an. Er war auch der erste, der das Adjektiv „katholisch" auf die christliche Kirche anwandte und die Kirche von Antiochien „die katholische Kirche" (im wörtlichen Sinne von universale oder allgemeine Kirche) nannte, nachdem sie sowohl Juden als auch Heiden aufgenommen hatten.

http://www.suryoye.at/images/peterpaul.jpg Ikone mit Petrus und Paulus

Antiochien war bis um 518 der ursprüngliche Standort des Bischofssitzes von Antiochien. So war die Stadt nicht zuletzt aufgrund der berühmten theologischen Schule ein wichtiges religiöses und kulturelles Zentrum der damaligen Zeit. Doch wegen vieler historischer Umwälzungen und ständiger Bedrückungen, die die Kirche zu ertragen hatte, wurde er in verschiedene Mönchsklöster in Mesopotamien verlegt. Im 13. Jahrhundert wurde er in das Mönchskloster von Deir Al-Zaafran in der Nähe von Mardin in der Türkei gelegt. 1933 wurde er nach Homs und 26 Jahre später im Jahre 1959 nach Damaskus in Syrien verlegt, weil die türkischen Behörden dem Patriarchen den Aufenthalt verweigerten.

Historisch betrachtet ist der Stuhl Petri zu Antiochien (lässt man die Legende von Edessa außer Acht) der älteste - der Stuhl Petri zu Rom wurde erst im Jahre 52 gegründet - , und so mag es verwundern, dass Antiochien oft nur als „Mutter der heidnischen Kirchen" und „Zentrale der Christenheit von Asien" bezeichnet wird.

http://www.suryoye.at/images/antioch_birdmosaic.jpg Altes Mosaik aus Antiochien

Die ehemals so bedeutsame Stadt am Fluss Orontes trägt heute den Namen Antakya und liegt als Hauptstadt der Provinz Hatay im Südosten der Türkei.

http://www.suryoye.at/images/antiochia_heute.jpg

"Nach Petrus folgten bald auch der Apostel Paulus und Barnabas (hebr. „Sohn des Trösters"), einer der 70 Prediger in die damalige Weltstadt.
Als Petrus und Paulus Antiochien wegen ihrer Mission verließen, beriefen sie zwei Bischöfe: Aphodius und Ignatius, der Erleuchtete, der Eine für die Heidenchristen, der Andere für die jüdischen Christen zuständig. Nach 68 waren beide Bischöfe geistlich dann unter Ignatius, dem Erleuchteten, vereint. Ihm zu Ehren nehmen die Patriarchen seit 878 bis heute den Titel Ignatius an. Er war auch der erste, der das Adjektiv „katholisch" auf die christliche Kirche anwandte und die Kirche von Antiochien „die katholische Kirche" (im wörtlichen Sinne von universale oder allgemeine Kirche) nannte, nachdem sie sowohl Juden als auch Heiden aufgenommen hatten."

Das ist zwar richtig, dass der Patriarch Jeschou (878-883) anfing, den Ehrentitel für die antiochenischen Patriarchen "Ignaitios" anzunehmen. Doch dieser Brauch wurde nicht kontinuierlich fortgesetzt, erst im Jahre 1293 als Joseph Bar Wahib den Patriarchenstuhl bestieg, nannte er sich Ignatius V. und seitdem wird dieser Brauch bis heute fortgesetzt.

Patriarch Ignatius "nurono" von Antiochien (79-107) *
Patriarch Ignatius II. Jeschou (878-883)
Patriarch Ignatius III. David (1222-1252)
Patriarch Ignatius IV. Jeschou (1264-1283)
Patriarch Ignatius V. Yawseph/Joseph (1293-1333)

* Ignatius war ein hellenistischer Aramäer sowie die meisten Bewohner der Stadt Antiochien vor allem um Antiochien herum (vgl. Dieckmann, H., Antiochien, ein Mittelpunkt urchristlicher Missionstätigkeit, 21; vgl. Schultze, V., Altchristliche Städte und Landschaften, 47).

Die Nachfolger des Apostels Petrus, dem ersten Bischof bzw. Patriarchen von Antiochien, waren Evodius und Ignatius. Evodius war bestimmt für die Mission an den Heiden, Ignatius an den Juden. Nachdem jedoch Evodius unter Nero das Martyrium erlitt, übernimmt Ignatius die Gesamtorganisation des petrinischen Stuhls von Antiochien; er bringt die Juden- und die Heidenchristen zusammen und wird ihr Oberhaupt. Ignatius überwindet somit die Trennung der beiden Schichten und betont, dass die Kirche Jesu Christi "katholisch" ist (vgl. Ignatius an die Smyrnäer, 8.2.).
Ignatius von Antiochien war es also, den den Begriff "Katholisch" im Sinne von "Allgemein", "Universal" einführte.

In der Zeit von Ignatius, eigentlich bis zur Spaltungen auf dem Konzil von Chaldekon im Jahre 451 gab es diese Unterscheidungen nicht. Die Kirchen: Die Kirche von Antiochien, die Kirche von Rom, die Kirche von Alexandrien, die Kirche von Konstantinopel. Die Unterscheidungen in "Römisch-Katholisch", "Syrisch-Katholisch" etc. gabs damals noch nicht. Alle waren eins im Glauben.

Die römisch-katholische Theologen wollen von einer Primat Petri der syrisch-antiochenischen Kirche nichts wissen, einige kennen hierzu die Ansprüche der syrischen Theologen bzw. Kirchenväter nicht, andere wiederum wollen das absichtlich ignorieren. Durch meine Diplomarbeit habe ich wissenschaftlich anhand der syrischen Quellen gezeigt, dass auch wir den Anspruch auf Primat Petri erheben.

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Anmerkungen!

Die Bezeichnung unserer Kirche als "Syrische Kirche" entlehnt sich dem Gebiet der Gründung: Syrien. Auch im neuen Testament steht anstelle für Aram stets Syrien. Griechen und Römer verwendeten frühestens seit Alexander des Großen den Begriff Syrien für Aram.

Die total unsinnige These das der Name soviel wie "christliche" Kirche bedeutet ist unter Aramäern stark verbreitet.

Syrisch Orthodoxe Kirche ist daher vollkommen Synonym für Aramäisch Orthodoxe Kirche. Genauso wie der Römisch Katholischen Kirche nicht nur Römer (respektive Italiener) als Anhänger hat, hat die Syrisch (=Aramäisch) Orthodoxe Kirche nicht nur aramäische Anhänger.

Zur Hauptstadt des letzten aramäischen Königreichs Beth Cesro (Osroene): Urhoy (makedonisch: Edessa).

Die Stadt Urhoy ist nicht das biblische Ur aus dem Abraham kam. Die Städte liegen einige Hundert Kilometer voneinander entfernt. Die Gleichsetzung ist peinlich. Sowieso ist allen Anschein nach der Name Urhoy ein sehr junger Name für die Stadt Urhoy. Der antike Name der Stadt Urhoy bzw. Edessa ist allen anschein nach Adama (Nach dem Lexiographen Bar Bahlul).

Neben Antiochien, Rom, Alexandrien und Konstantinopel gab es als sog. "Ehrenpatriarchat" auch Jerusalem, aber das nur nebenbei.

Was bedeutet "hellenistischer Aramäer"?
Bei einer Vorlesung über Antiochien hat der Professor behauptet, dass in Antiochien zunächst die griechischen Heiden in Antiochien missioniert wurden. Dies hängt, so der Prof. weiter, damit zusammen, dass die Missionare aus Jerusalem (Die "7") selbst griechischer Herkunft waren und griechisch sprachen.
Und jetzt sehe ich so etwas wie "hellenistischer Aramäer" - Bedeutet das, dass die Griechen in Antiochien schon zu Aramäer geworden sind?
Oder bedeutet der verwendete Begriff "Aramäer" Christ?
Kleine Anmerkung: Wie ihr wisst, war Antiochien seit etwa 330 unter griechischer Herrschaft, aber die Mehrheit waren Syrer (Aramäer), auch zu Zeiten von Petrus und Paulus.

Mit hellenistische Aramäer meint man Aramäer, die unter römischer bzw. griechischer Herrschaft hellenisiert bzw. gräzisiert waren. Das geschah nicht nur in Antiochien, auch in anderen Sädten, die unter Kontrolle der Griechen bzw. Römer standen, so z.B. in Cäsarea, Melitene oder Ephesos. In Kleinasien existierten viele aramäische Kolonien bzw. Exklaven. Aber selbst in der Stadt Antiochien hat es viele Aramäer gegeben.
"Die Landsleute um Antiochia sprachen noch zu Johannes Chrysostomus Zeit syrisch." (Kuhn, Emil, Die städtische und bürgerliche Verfassung des Römischen Reichs. Leipzig 1864, ND Ahlen 1968, 316). Auch Kihn, Heinrich schreibt, dass in der Stadt Antiochien selbst viele Syrer (=Aramäer) lebten (Kihn, Heinrich, Die ältesten christlichen Schulen: Die Schulen zu Antiochia, Edessa und Nisibis, Weißenburg 1865, 40).

Schultze, V., betont, dass viele Völker in der Stadt Antiochien lebten, "doch alle diese Fremdstämmigen bedeuteten nichts oder weniger im Vergleich zu der Stellung, welche das Syrertum in Antiochia und seiner Umgebung einnahm. Auf syrischem Boden war die Stadt erbaut, eine griechische Insel im syrischen Meere." (Schultze, V., Altchristliche Städte und Landschaften III, Antiochia. Gütersloh 1930, 153). "Auch die Verbindung mit Kleinasien führte bis tief nach Kilikien durch syrisches Volkstum, und dieses Syrertum war nach Westen hin in Bewegung geraten. Ein bewegliches, kluges und strebsames Volk, das sich allen Lagen anzuopassen verstand, war es in allen großen, aber auch in zahlreichen kleineren Städten im Westen zu finden, oft in starken Kolonien. Der Kaufmansstand behagte ihm mehr als ein anderer. Aber es gab kaum einen Beruf, in dem es nicht saß, bis hinauf zu Wissenschaft und Kunst." (Ebd. 153).

Quelle: Sabo Hanna - Diplomarbeit: "Die Petrustradition der Syrisch-Antiochenischen Kirche." 

Indien

Die Geschichte des syrischen Volkes beginnt lange vor Christi Geburt im Vorderen Orient.

Die Geschichte der syrisch-orthodoxen Kirche in Indien steht in engem Zusammenhang mit der ersten Verbreitung des Christentum in den Ländern östlich der römischen Grenze, u.a. mit dem Apostel Thomas, der auf seiner Reise nach Indien viele Bewohner der Städte auf seinem Weg missionierte. Als nach und nach die Anzahl der errichteten Kirchen und gegründeten Bistümer zunahm, rief man eine oberste Leitung mit Sitz in Madaen ins Leben. Ihr Bischof wurde Bischof des Ostens oder Katholikos genannt. Gemäß dem Nomokanon (kirchenrechtliches Gesetzbuch der syrisch-orthodoxen Kirche) von Bar Hebraeus lässt sich der Name Katholikos auf das Konzil von Nikäa zurcückführen: „Der große Metropolit des Ostens soll von jetzt an ... den Namen Katholikos führen. Er hatte in Zusammenarbeit mit dem Patriarchen von Antiochien Generalbefugnis über die Kirchen in seinem Machtbereich. Die politische Situation erschwerte jedoch die Kooperation zwischen Patriarch und Katholikos erheblich, da sich der Sitz des Patriarchen innerhalb des römischen Imperiums und der Sitz des Bischofs des Ostens in dem mit Rom verfeindeten persischen Reich befand.

http://www.suryoye.at/images/st_thomas.gif Der Apostel Thomas

Der Katholikos wird vom Patriarchen geweiht, und kann seinerseits in seinem Machtbereich autonom Bischöfe weihen, er gilt als nicht unfehlbar. Bis zum 16. Jhd. führte der Katholikos seinen bischöflichen Namen nach der Einsetzung in sein Amt. zu diesem Zeitpunkt wurde entschieden, dass der Bischof des Ostens zu seinem ursprünglichen Namen noch den Namen Basselios hinzufügt.

Seit Mar Marotha von Tikrit (649) wird der Katholikos des Ostens auch Maphrian (syr. „Befruchter", im Sinne von Ordinator) genannt. Die syrisch-orthodoxe Kirche in dieser Region konnte im Laufe der Jahre ihr Ansehen und ihre Ausdehnung derart steigern, dass zu der Zeit von Mor Gregorios Bar Hebraeus, einem Maphrian des Ostens (1264 - 1286), das stetig wachsende Maphrianat sogar mehr Bistümer in seinem Amtsbereich zählte als der Bischofssitz zu Antiochien.

http://www.suryoye.at/images/BarcEbroyo.jpg Gregorius Bar Hebraeus

Durch den Einfluss anglikanischer Missionare entstand im 19. Jh. Eine Spaltung unter den Christen in Indien, die zur Bildung der „Mar Thomas Syrischen Kirche von Malabar führte". 1912 bildete sich nach jurisdiktioneller Auseinandersetzungen eine autokephale Kirche unter demVorsitz des alten Katholikas des Ostens in Indien. Trotz Versöhnungen 1958 kam es 1975 neuerlich zu Spannungen, die in einer Trennung und der Entstehung der autokephalen „Malankara Orthodox-Syrischen Kirche" führten. Der Hauptsitz des eine Million Gläubigen großen Katholikats befindet sich heute in Kottayam, Kerala (Südindien). Die Kirche untersteht der Jursidiktion der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien. Eine Gläubige leben heute jedoch in der Diaspora.

Nach dem Tode des Maphrian Mor Basselios Bahnam IV. von Mosul im Jahre 1980 wurde das Maphrianat aufgrund einer Entscheidung der Synode abgeschafft. Erst am 21. Mai 1964 wurde bei einer Synode in Kottayam, Südindien, unter der Leitung des Patriarchen Mor Ignatius Yacoub III., der Amtssitz des Maphrianates wieder eingesetzt. „Es wurde entschieden, dass der Hauptsitz des Maphrian in Indien sein sollte, und dass die Jurisdiktion des Maphrianates nur auf Indien und die Region östlich davon zu begrenzen ist.

Seit 1964 wird der Maphrian durch die heilige Synode der syrischen Kirche Indiens gewählt und durch S. H., den Patriarchen von Antiochien und den gesamten Osten eingesetzt. Er repräsentiert die Syrisch-Orthodoxe Kirche in Indien und beteiligt sich an der Universalsynode der Kirche bei der Wahl des Patriarchen und seiner Einweihung. Der gegenwärtige Maphrian ist Mor Basselios Thomas I.

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Die Syrisch Orthodoxe Kirche

Zum besseren Verständnis soll einleitend folgendes klargestellt werden: Der Begriff 'Syrisch', wie es im Namen der Kirche gebraucht wird, hat keinen direkten Bezug zur heutigen politischen Bezeichnung des arabischen Staates 'Syrien'.

Die Kirche stützt sich auf die kirchengelehrten Bar Salibi (+1171), Michael Rabo (+1199) und Bar Hebbräus (+1286). Ihnen zufolge leitet sich der Name 'Syrer' von Syros, dem Sohn Agnurs und Nachfahren Japhets ab, der drei Söhne Syros, Kilikos und Phönikos hatte. Agnur durfte ca. im 3. Jahrtausends v.Chr. aus dem Osten ausgewandert und sich am Ufer des Mittelmeers im Taurus (syrisch Sur) niedergelassen haben. Nach ihm herrschten seine Söhne über das Land, welches nach ihnen genannt wurde - Syrien nach Syrus, Kilikien nach Kilikos und Phönikien nach Phönikos. Die obengenannten Theologen und Historiker stützen sich ihrerseits auf einen in der Historie des antiken Historikers Dikilios zitierten syrischen Beweis. Auch die Griechen bezeichneten das von Syros beherrschte Gebiet 'Syria' und seine Bewohner, die mehrheitlich Aramäer waren, 'Syrer'. Mit Alexander des Großen (336-323 v. Chr.) fand diese Bezeichnung für die ethnischen Aramäer große Verbreitung.

Der Begriff 'Syrer' hat sich aber erst mit der Christianisierung der Gebiete endgültig durchgesetzt. Die zum Christentum bekehrten Aramäer wollten sich von den heidnisch gebliebenen Aramäer unterscheiden und nannten sich selber 'Syrer'. Damit wurde das Wort 'Aramäer' zum Synonym von 'Heiden' und das Wort 'Syrer' zum Synonym von 'Christen'.

Die Syrisch Orthodoxe Kirche durch die Jahrhunderte

Der Ursprung der Syrisch Orthodoxen Kirche von Antiochien liegt zeitlich am Beginn des Christentums. In Apg. 11,26 heißt es: "Die Jünger Jesu wurden zum ersten Mal in Antiochien Christen genannt". Als ihr Oberhaupt galt der Apostel Petrus, der 14 Jahre lang in Antiochien residierte und seinen apostolischen Stuhl um das Jahr 42 n. Chr. gründete. Im Hinblick auf die Ursprünge der christlichen Kirchen und das Primat der Patriarchen rangierten Antiochien noch vor Rom. Zunächst verbreitete sich das Christentum von Antiochien aus hin zur zweitgrößten Provinzhauptstadt Edessa, der Wiege und dem bedeuteten Kulturzentrum der Aramäer. Tur Abdin, Beth Zabdai und Umgebung haben das Christentum schon damals durch den Apostel Addai (Thaddäus) und seinen Schüler Agai angenommen.

Sehr früh studierten die Syrer die hl. Schrift und übersetzten das Alte Testament im 2. Jahrhundert und das Neue Testament im 4. Jahrhundert in ihre syrisch-aramäische Sprache. Außerdem übersetzten sie die hl. Schrift auch ins Arabische und Chinesische und missionierten den ganzen Osten bis hin nach Indien uns China sehr früh. Die Autorität des Patriarchen von Antiochien erstreckte sich auf Christen des Orients. Daher trägt er bis heute den Titel "Patriarch der Syrisch Orthodoxen Kirche und des ganzen Osten".

Allerdings konnte Antiochien nicht lange als Zentrum der Syrischen Kirche bestehen. Es blieb dort bis zum Jahre 518. Danach wurde es in verschiedene Klöster Mesopotamiens verlegt, um den Verfolgungen zu entrinnen. Der Reihe nach residierte der Patriarch in folgenden Städten bzw. Klöster: Zunächst im Kloster Mor Barsaumo bei Edessa, in Militene, 1116 in Amida (Diyarbakir), von 1116 bis 1933 im Kloster Deyr-Za'faran in Mardin und zuletzt wegen der Intoleranz der neu gegründeten Türkei in Homs. Im Jahre 1959 wurde der apostolische Sitz nach Damaskus verlegt. Der gegenwärtige Patriarch Ignatius Zakka 1. Iwas gilt als 122. Nachfolger von Petrus in der gesetzlichen apostolischen Sukzession der Patriarchen von Antiochien.

Im Laufe der Geschichte hat es verschiedene Abspaltungen von der Syrisch Orthodoxen Kirche gegeben. Aufgrund von Christologischen und politischen Streitigkeiten löste sich zunächst ein Teil der damals im Perserreichbestehenden syrischen Kirche von dem im Römerreich residierenden Patriarchen von Antiochien ab. Es bildete sich die heutige Ostsyrische bzw. Nestorianische Kirche. Außerdem kam es im Jahre 451 auf dem Konzil von Chalkedon zur schmerzlichen Trennung zwischen der Syrisch Orientalischen und Byzantisch Abendländlichen Kirche. Es ging um politische Macht und um die Durchsetzung der Vorherrschaft des Bischofs von Rom, Leo des Großen und somit um die Macht von Byzanz über den ganzen Orient.

In der Folgezeit verfolgte und verbrannte der byzianische Kaiser den Patriarchen und die Bischöfe der Syrisch Antiochische Kirche und versuchte überall Anhänger des Konzils von Chalkedon einzusetzen. Die Syrisch Antiochische Kirche hat zu jener Zeit eine sehr schwere Phase durchgemacht. Sie konnte jedoch nicht erschüttert werden.

Der hl. Jacoub Baradäus, Bischof von Edessa (+578), ein entscheidender Gegner des Konzils von Chalkedon, zog als Gegenreaktion durch das Land und weihte viele Priester und Bischöfe. Er hat damit die Syrisch Antiochische Kirche reorganisiert und verhalf ihr zu neuer Blüte. Im 8. Jahrhundert bezeichneten die Byzianer in ihrem 7. Konzil die Syrisch Orthodoxe Kirch als "Jakobitische Kirche" in Anlehnung an Mor Yacoub Baradäus, mit der Absicht die ursprüngliche Kirche herabzuwürgen. Obwohl Mor Yacoub tatsächlich einer ihrer berühmtesten und großen Vater ist, gilt er aber nicht als Gründer. Die Syrisch Orthodoxe Kirche erkennt den Titel "Jakobitisch" nicht an, weil Mor Yacoub Baradäus weder Gründer ist, noch hat er neue Lehre in ihrem apostolischen Glauben eingeführt.

Zu Beginn des 7. Jahrhundert eine weitere Kontroverse innerhalb der Gerichtsbarkeit des Bischofssitzes von Antiochien wegen des Auftretens eines neuen Dogmas von den zwei Willen in Jesus Christus. Die Folgen davon war, dass sich die Maronitischen Mönche trennten und einen eigenen Patriarchen einsetzten. Im 12. Jahrhundert vereinten sie sich mit dem Römischen Bischofssitz und begannen ihr Patriarchen ebenfalls "Das Patriarchen von Antiochien" zu nennen.

Es gab im Laufe der Geschichte weitere Abspaltungen innerhalb der Kirche und nicht wenige von Ihnen führen in irreführender Weise ebenfalls die Bezeichnung "Das Patriarchen von Antiochien".

Theologie

Die syrisch-orthodoxe Theologie leitet ihre Lehre ab von der göttlichen Inspiration, geoffenbart in der Heiligen Schrift, wie sie von den heiligen Vätern ausgelegt wird, und von den Traditionen, die wir von heiligen Aposteln empfangen haben. Sie bejaht die ersten drei großen ökumenischen Konzilien der Christenheit, das Konzil von Nizäa (325 n.Chr.), das Konzil von Konstantinopel (381 n.Chr.) und das Konzil von Ephesus (431 n.Chr.). Ihre Wesensmerkmale sind: Einheit, Heiligkeit, Katholizität und Apostolizität.

Es werden wie in den anderen orthodoxen und katholischen Kirchen die sieben Sakramente anerkannt; sie werden von einem geweihten Priester gespendet.

(Siehe hierzu: Patriarch Ignatius Yacoub III., The Syrian Orthodox Church of Antioch (in fünf Sprachen darunter in Deutsch), Glane-Losser 1985; Zakka Iwas I., Die Syrisch-Orthodoxe Kirche durch die Jahrhunderte, Glane-Losser 1995; Navakatesh J. Thomas, Die Syrisch-Orthodoxe Kirche der Südindischen Thomas-Christen, Würzburg 1967; Peter Kawerau, Die Jakobitische Kirche im Zeitalter der syrischen Renaissance, Berlin 1960; Hanna Aydin, Die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien, Glane-Losser 1990.)

Die Syrisch Orthodoxe Kirche Heute

Die Zahl der Anhänger der Syrisch Orthodoxen Kirche beträgt ungefähr zwei Millionen und lebt auf die ganze Welt verstreut. Man findet in Indien, Syrien, Libanon, Irak, Jordanien, Türkei, Ägypten, Europa, Nord- und Südamerika und Australien.

Die Syrisch Orthodoxe Kirche hat sich trotz schwieriger Umständen positiv entwickelt und wächst sichtbar. Ein Forscher der Episkopaalkirche sagte einst das Folgende über die Syrisch Orthodoxe Kirche: "Es obliegt der Fügung Gottes, dass dieses Volk trotz großen Schwierigkeiten immer wieder Wurzeln schlagen kann und Frucht hervorbringt. Dies gelang ihr indem sie sich frei machte von fremden dogmatischen Lehren und von der Übermacht der Tyrannei und harten Verfolgungen, die es lange Zeit ertragen hatte. In der gegenwärtige Zeit ist es mit all seinen Schwächen ein lebendiger Repräsentant der alten Kirche".

Die Syrisch Orthodoxe Kirche ist Mitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen, dem sie im Jahre 1960 beigetreten ist. Sie ist auch Mitglied in der Ratsversammlung der lokalen Kirchen, arbeitet mit anderen christlichen Kirchen zusammen und nimmt an den ökumenischen und theologischen Dialogen auf offiziellen und inoffiziellen Ebene teil.

Die Syrisch Orthodoxe Kirche wurde durch Ereignisse der Geschichte stark in Mitleidenschaft gezogen, und ihr Leib wurde durch Schismen zerrissen. Dennoch ist die Hoffnung sehr groß, dass alle ihre abgespaltenen Teile zu den Ursprüngen ihrer Geschichte zurückkehren und wieder zusammenfinden. Durch Gebet und Dialog können ihre verstreute Teile wieder zusammengebracht und die alten Wunden geheilt werden.

Quellen: Broschüre zur Einweihung des Klosters Mor Augin in der Schweiz

Der Tur Abdin 

(syrische Übersetzung: "Berg der Knechte [Gottes]")

...ist ein Gebirgszug am Oberlauf des Tigris, der vom 4. bis 7. Jahrhundert die Grenze zwischen Ostrom und dem neupersischen Reich der Sassaniden bildete und bezeichnet ein Gebiet im heutigen Südosten der Türkei. Sein akkadischer Name lautete vermutlich Nawar.

 

Die antiken Bewohner waren Aramäer. Tur Abdin hieß früher Kischyari und Mosch. Die meisten ihrer Dörfer existierten bereits vor unserer Zeitrechnung und haben aramäische Namen. Die Türken haben, seitdem sie über den Tur Abdin herrschen, alle Namen in den 1930er-Jahren in türkische Ortsnamen umbenannt. Die heutigen Christen lehnen die türkischen Bezeichnungen ab und protestieren dagegen.  

 

Zu den ältesten noch heute bestehenden Klöstern gehört Mor Gabriel (Qartmin), eine Gründung des 4. Jahrhunderts sowie das Ananiaskloster ("Dayr Za'faran") mit der Kirche aus dem 6. Jahrhundert, das für Jahrhunderte auch Sitz des Patriarchen bzw. Gegenpatriarchen der Jakobiten war. Beide Klöster sind bis heute Bischofssitze der Syrisch-orthodoxen Kirche.

Quelle: Gertrude Bell Archiv  Quelle: Gertrude Bell Archiv Quelle: Gertrude Bell Archiv

Der Bischofssitz der ersten Diözese vom Tur Abdin war Hah, damals die Metropole vom Tur Abdin und Königsstadt. 

Quelle: Gertrude Bell Archiv  Quelle: Gertrude Bell Archiv  Quelle: Gertrude Bell Archiv

Hier ist auch die älteste christliche Kirche (Mutter-Gottes-Kirche), die nach aramäischen Bewohnern von Hah von den aus Betlehem zurückkehrenden Königen gebaut wurde.

Quelle: Gertrude Bell Archiv  Quelle: Gertrude Bell Archiv

Während die Eroberung durch die Araber nach 640 zunächst die Befreiung von der Verfolgung der byzantinischen Reichskirche zur Folge hatte, verschlechterte sich die Lage der Christen durch die Eroberung des Gebietes durch die Türken seit 1071 zusehends. Der Tur Abdin wurde von Timur Lenk um 1400 massiv geplündert und zerstört. Tur Abdin war früher ein rein christliches Gebiet.

Besonders im 19. und 20. Jahrhundert kam es zu Massakern und 1915 schließlich zum Genozid an den Christen. Es ist zu beobachten, dass es in den letzten Jahrzehnten zu einem Exodus der Christen nach Syrien, Libanon, Irak , Nordamerika, Europa oder Australien kam. Heute leben dort etwa 2500 Syrische Christen, die zum größten Teil Angehörige der Syrisch-Orthodoxen Kirche sind. 

Im Tur Abdin hat die Perspektive eines EU-Beitritts der Türkei eine Aufbruchstimmung ausgelöst. 

Nach Jahrzehnten des Exils in Westeuropa planen christliche Aramäer die Rückkehr in die Heimat. Sie wollen dafür kämpfen, dass ihre alte Kultur im Zweistromland erhalten bleibt.

 

In zahlreichen Christendörfern wird renoviert und gebaut; Pläne für eine Rückkehr in die Heimat werden geschmiedet. Der EU-Beitritt der Türkei ist für die Aramäer von existenzieller Bedeutung.  

 

Der Tur Abdin ist spätestens seit dem 5. Jahrhundert ein durchwegs christliches Land. Die Mönche der zahlreichen Klöster haben ihn zum Christentum geführt und dadurch auch seine Spiritualität geprägt. Die syrisch-orthodoxen Mönche waren den Menschen zugewandt. Sie bauten ihre Klöster in der Nähe der Dörfer. Die Menschen suchten in ihren Nöten bei ihnen Rat, beteten bei den Gräbern der dort bestatteten Heiligen und unterstützten die Klöster in materieller Hinsicht. Durch diesen engen Kontakt wirkte sich die Lebensweise der Mönche auch auf das tägliche Leben der Christen aus. 

Quelle: Gertrude Bell Archiv   Quelle: Gertrude Bell Archiv  Quelle: Gertrude Bell Archiv

Quelle: Gertrude Bell Archiv

Durch die arabische Eroberung um 640 wurden die Christen den muslimischen Herrschern untertänig. Die Mongolenherrschaft Timur Lenks um 1400 n.Chr. verwüstete alles, was christlich war. Im Jahre 1895, als der osmanische Sultan einen Überfall auf viele Christen in Ostanatolien anordnete, blieb der Tur Abdin verschont. Doch 1915 hatte der Tur Abdin nicht soviel Glück, als er einen ähnlichen Schlag erlitt, von dem sich die christlichen Dörfer niemals erholt haben. Der Niedergang unter den Osmanen erreichte seinen Tiefpunkt mit dem "Seyfo" während dem 1.Weltkrieg um 1914/15. Noch einmal litten sie unter ihrer unfreiwilligen Verwicklung in den Kurdenaufstand von 1926. Damals nahmen die kurdischen Führer die südlichen Klöster ein. Als sie besiegt waren, wurden die nahe gelegenen Klöster zusammen mit den anliegenden Dörfern zerstört.

Quelle: Gertrude Bell Archiv  Quelle: Gertrude Bell Archiv

Die weitere Geschichte des Tur Abdin ist eine lange Liste von Überfällen, Kriegen, Dürreperioden, Hungersnöten, Epidemien und Verfolgungen. Es ist ein Wunder, dass die syrischen Christen all das überlebt haben. Aber dieses Überleben unter so verheerenden Bedingungen, die so schlecht wie jene in jüngster Vergangenheit waren, gibt Hoffnung für die Zukunft. 

Das christliche Gebiet war freilich um ein Vielfaches grösser als heute. Dennoch die Frage: Wie konnte sich der Tur Abdin halten? Es waren niemals die Waffen, die ihn schützten, denn er stand unter Fremdherrschaft. Es muss eine andere Kraft gewesen sein, die ihn auch nach schrecklichsten Zeiten neu aufleben liess. Die Antwort darauf ist eindeutig: Es war der christliche Glaube, der den Menschen die Kraft gab, durchzuhalten und neu zu beginnen. 

Wo einst in diesem Gebiet mehrere Hunderttausende  syrisch-orthodoxen Christen ihr Zuhause hatten, leben heute nur noch wenige Tausende. Die Zeit der Christenheit in der Osttürkei scheint zu Ende zu gehen, wenn nichts dagegen unternommen wird.

Quelle: Die Verfolgung und Vernichtung der Syro-Aramäer im Tur Abdin 1915
(vom Erzpriester Sleman Henno, ins Deutsche übersetzt von Amill Gorgis und Georg Toro)

Vergossenes Blut
(von Naaman Abdelmesih, ins Deutsche übersetzt von Amill Gorgis und Georg Toro)


Zu beziehen über:
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Geschichte vom Dorf Sare und Bsorino in Tur Abdin

Sare und Bsorino - zwei Dörfer mit Geschichte

Es gibt wenige Dörfer im Tur Abdin, die in der Geschichte eine größere Bedeutung hatten  als Sare und Bsorino.  Der  vorliegende Artikel wurde in der Absicht geschrieben, das Leben in Bsorino Nahezubringen, selbst wenn dies nur ansatzweise gelingen kann. Gewidmet ist er den tapferen Menschen von Bsorino allerorts, vor allem aber unseren Jungen Brüdern und Schwestern, die heute seine klare Luft atmen und sich vom Geist seiner Vergangenheit leiten lassen, die für Ihre Heimat Sorge tragen und sie zu neuem Leben erwecken.

Quelle: Gertrude Bell Archiv  Quelle: Gertrude Bell Archiv Quelle: Gertrude Bell Archiv

Wenn man von Midyat kommend nach Idil (Azakh, Beth Zabday) fährt, fällt  auf der linken  Straßenseite eine Ortschaft auf, deren Häuser sich einen mäßig hohen Hügel hinaufziehen. Dieser gegen Westen blickende Ort, der eine Fülle von Assoziationen hervorruft und seiner Umgebung ein Lächeln zuwirft, ist Bsorino. Wenn man nur ein wenig in die Vergangenheit dieses alten, großen Dorfes vordringt, wird man unmittelbar in seinen Bann gezogen und kann ermessen, welch hoher Rang ihm auf der Ehrentafel des Turabdin zukommt. Allein das Attribut Bsorino, „Haupt der Religion", sagt schon alles über die historische Bedeutung dieses Ortes.

Quelle: Gertrude Bell Archiv  Quelle: Gertrude Bell Archiv  Quelle: Gertrude Bell Archiv

Der Name Bsorino kommt von dem Wort Beth Sabro, was auf syrisch "Haus der Hoffnung" bedeutet. Der türkische  Ortsname ist Haberli  wobei sich diese Bezeichnung von der syrischen Wörtern Sabro (Hoffnung) und Sbartho (gute Nachricht) ableitet. Bsorino heißt das Dorf in Turoyo, dem örtlichen syrischen Dialekt, Basibrin auf Arabisch und Basibrine auf kurdisch.

Zu den Besonderheiten dieses Ortes zählen sein Reichtum an Kirchen, der große Respekt, den die Bewohner der Kirche und dem Klerus entgegenbringen, ihr Vertrauen in die zivile Obrigkeit, die Häufigkeit von Namen wie Gulo, Gulavi, Kezo, Kawme, Mahlo, Ceno,Kamco und Hamri, die in anderen Orten gar nicht oder nur selten vorkommen, sowie die häufige Verwendung des P-Lautes. Dieser P-Laut, der andernorts nicht gebräuchlich, aber im Lokaldialekt von Bsorino sehr oft zu hören ist, zeigt, wie sehr den Menschen an der Bewahrung ihrer eigenen Sprache gelegen war.

Außerdem ist interessant, daß in der Vergangenheit die meisten Priester von Bsorino Tischler waren. Während dies einerseits einen Beitrag zum Familieneinkommen darstellte, war damit andererseits den Kirchen gedient; so konnten sie Türen, Altäre u. a. selbst herstellen.

Bsorino ist zweifellos eine sehr alte Siedlung. Allerdings ist uns aus vor-christlicher Zeit kaum etwas überliefert. Syrische Quellen stimmen darin überein, dass das Christentum im ersten Jahrhundert durch den Apostel Addai und seinen Schüler Aggai über Beth Zabday in den Turabdin gelangte. Aus dieser Tatsache, daß der Turabdin über Beth Zabday christianisiert wurde, lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit schließen, daß Bsorino ungefähr um dieselbe Zeit das Christentum angenommen hat.

Die heute vor Ort zu sehenden Ruinen sind Zeugen einer bedeutenden Geschichte. Das Panorama von Bsorino war wohl für so manchen seiner berühmten Dichter eine Quelle der Inspiration. Ein ganz  besonders  faszinierender Blick bietet sich einem vom Dach der Mor Dodo Kirche aus. 

Bsorino ist von Mandelbäumen umgeben, in seinen Weinbergen wachsen Bakari-Trauben, es gibt Shmunoye - Feigen und Shabani- Birnen, deren Genuß der Gesundheit förderlich sind.

Daß es in Bsorino nicht weniger als 25 Kirchen gibt, ist ein Beweis für die gemütvolle Gläubigkeit der Ortsbewohner sowie dafür, wie eng sie mit ihrer Religion verbunden sind. Die Hauptkirche ist Mor Dodo geweiht. Sie wurde im 6. Jh. errichtet und im Jahre 1199 einer umfassenden Renovierung unterzogen "Mor Sarkis und Mor Bakus sind 1191 in ihrer Bausubstanz saniert worden.

Bericht aus Tur Abdin vom 2007 (u.a. aus Sare und Bsorino)

Sare liegt etwa eine halbe Stunde Fussweg, von der Hauptstrasse aus rechts von Bsorino entfernt. Die Bewohner von Sare kommen ursprünglich aus Bsorino.

In Sare lebte die bekannte Familie der Shamun und Malke Hanne Haydo. Als die Nachricht von den Massakern an den Aramäern eintraf, brachen die Bewohner Sares auf und zogen nach Bsorino, weil es besser befestigt war. Die uralte Kirche Mor Malke in Sare birgt bis zum heutigen Tag noch zwei Denkmäler aus vorchristlicher Zeit: Eine Stele mit Orante und aramäischer Inschrift und eine Basaltplatte.

Sare – Sari, Sariköy heißt das Dorf in der Provinz Sirnak auf Türkisch - machte Schlagzeilen in der türkischen Presse, als Anfang Oktober 2004 die Armee in einer symbolträchtigen Zeremonie die Ortschaft ihren rechtmäßigen Besitzern übergab. Mit ihrer Vertreibung aus Sare signalisierte Ankara, dass die im Hinblick auf einen EU-Beitritt forcierten Reformen diesmal nicht nur im Westen des Landes umgesetzt werden müssten, sondern auch im Osten.

Bericht aus Tur Abdin vom 2007 (u.a. aus Sare und Bsorino)

Mor Malke

Die uralte Kirche Mor Malke in Sare birgt bis zum heutigen Tag noch zwei Denkmäler aus vorchristlicher Zeit: Eine Stele mit Orante und aramäischer Inschrift und eine Basaltplatte.

Die historische Mor Malke Kirche erhielt einen neuen Glockenturm. Die komplette Sanierung der uralten Dorfkirche wurde Dank Dank der Niederländishen Botschaft in Ankara denkmalgerecht restauriert und behutsam saniert.


Faszinierende Handschriften und schön gestaltete Kirchen

Bsorino hat eine ganze Reihe von Verfassern geistig-religiöser Schriften und Gelehrten hervorgebracht, die in ihren zahlreichen Werken bevorzugt spirituelle Themen behandelten und dabei ein beachtliches Niveau erreichten. Einer jener Männer, auf die Ihr Geschichte mit Stolz blickt, ist Yuhanon.von Bsorino, der 998 Metropolit des Turabdin war. Der Bischof, der seine Ausbildung im Kloster Mor Gabriel erfahren hatte, hat sich um die Wiederbelebung der Estrangelo-Schrift im Turabdin große Verdienste erworben. Ihre Verwendung war bereits hundert Jahre gänzlich in Vergessenheit geraten, als er ihr mit Hilfe seiner Neffen Emanuel, Peter und Hoye zu einer Renaissance verhalf.

Quelle: Gertrude Bell Archiv Quelle: Gertrude Bell Archiv   Quelle: Gertrude Bell Archiv

Interessant ist die starke wechselseitige Beziehung zwischen dem Kloster Mor Gabriel und Bsorino. Das Kloster spielte in der Geschichte von Bsorino eine besondere Rolle, umgekehrt kommt Bsorino in der Entwicklung des Klosters spezielle Bedeutung zu. So hat der aus Bsorino stammende Bibliothekar Raban Schlemun  1040 beachtenswerte Leistungen für die reich ausgestattete Klosterbibliothek erbracht. Abt-Bischof Basilius II (+1254)  kam ebenfalls aus Bsorino. Sein hervorragendes schriftstellerisches Wirken läßt die positive Ausstrahlung des Klosters zu dieser Zeit erkennen.

Eine weitere Persönlichkeit, die Bsorino mit Stolz erfüllt, ist der Priester Eschayo (+1425), ein Gelehrter von Rang und der wohl gebildetste Mann seiner Zeit. Die Schule, die dieser geistliche Lehrer in Bsorino gründete, entfaltete eine äußerst fruchtbare Tätigkeit. Zu seinen zahlreichen Werken zählen auch einige sehr schöne Vershymnen auf Timur Lenk und ein Husoyo (liturgischer Essay) über den Apostel Addai. Andere berühmte Schriftsteller aus Bsorino sind Kaume, Patriarch des Turabdin (+1454), der eine Anaphora (Hochgebet) und einen Husoyo verfasste, und Raban Malke Sako (+1490), aus dessen Feder außer zahlreichen Husoye auch zwei lange Vershymnen auf die Jungfrau Maria stammen.

Der mündlichen Überlieferung zufolge war dieser Mönch Sako im Vergleich zu seinen Mitschülern zunächst keine besonderes Geisteskind, bis ihn Gott eines Tages im Gebet ein Licht aufgehen ließ, sodass er alle seine Klassenkameraden überflügelte und zum Helden des Volksliedes Sako Salik Li Goro („Sako stieg aufs Dach hinauf') wurde, dass in Turoyo gesungen wird.

Quelle: Gertrude Bell Archiv Quelle: Gertrude Bell Archiv Quelle: Gertrude Bell Archiv

Eschayos Sohn, Raban Yeshu (+1492) schrieb 40 Husoye zum Gedächtnis der Heiligen sowie u.a. zahlreiche Vershymnen Nach Patriarch Afrem Barsaumo ist Raban Aday von Bsorino jener Mann, der die Chronik der Welt von Bar Hebraeus um 1500 vervollständigte. Er versammelte zu dieser Zeit in Bsorino einen Kreis von über 300 Schülern um sich. 

Quelle: Gertrude Bell Archiv  Quelle: Gertrude Bell Archiv Quelle: Gertrude Bell Archiv

Er war es auch, der die Biographien der Patriarchen und Mafiryone zwischen 1285 und 1492 zu Papier brachte. Darüber hinaus dokumentierte er den Feldzug der Mongolen gegen die Stadt und das Umland von Amid. Seine 37 Seiten umfassende Chronik befaßt sich mit den Ereignissen zwischen 1394 und 1492 und ist 1790 in Druck erschienen. Yuhanon (+1729), Sohn des Kardasch, verfasste zwei liturgische Vershymnen und beschrieb die Plünderungen, die der Turabdin 1714 erlebte.

Daneben genießen die Leistungen der Kalligraphen von Bsorino großes Ansehen, die mit ihrer wunderschönen und faszinierenden Handschrift auch für die Ausschmückung der Kirchen des Turabdin sorgten. Zu ihnen zählen Metropolit Yuhanon  (998-1034),  der Chefkalligraph Raban Amanuel (1041) und sein Bruder Raban Petrus, der Maler Raban Hoye,

Sohn des Loozer von Sobo (1133),Raban Petrus (1201), der Sohn des Abulfarach von Beth aus der Familie Sobo, Raban Abrohom (1465-1512), Sohn des Behnam Zanbur, Raban Gabriel (1474) Sohn des Yeshu, sowie Metropolit Garib (1589-1592).

Quelle: Gertrude Bell Archiv  Quelle: Gertrude Bell Archiv Quelle: Gertrude Bell Archiv

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Quelle: Die Verfolgung und Vernichtung der Syro-Aramäer im Tur Abdin 1915
(vom Erzpriester Sleman Henno, ins Deutsche übersetzt von Amill Gorgis und Georg Toro)

Vergossenes Blut
(von Naaman Abdelmesih, ins Deutsche übersetzt von Amill Gorgis und Georg Toro)


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Geistliche und weltliche Fluchtburgen

Ein Kalligraph aus Bsorino namens Markus schuf 1853 ein Fenkhito (liturgisches Buch) für das Dorf Midin und I864 ein Evangeliar, das heute noch in Verwendung ist. Am Ende des Buches fügte er einige historische Ereignisse betreffend seinen Heimatort Bsorino an. 

Der aus Bsorino stammende Bischof Saliba (1853-1885), der vom damaligen Patriarchen wegen der Schönheit seiner Handschrift und Malkunst zum Metropoliten geweiht wurde, ist wohl das letzte Glied der aus Bsorino gebürtigen Kette von Kalligraphen Die Evangeliare vieler Kirchen des Tur Abdin, so jene des Klosters Mor  Gabriel, von Kanik, Ba-dibbe Mar-bobo und Mort Schmuni (Midyat) sind das Werk seiner kunstfertigen Hände. 

Wie überall, so haben auch in Bsorino politische Auseinandersetzungen  Leid über die

Menschen gebracht realistisch gesehen, gab es in Krisensituationen drei Fluchtburgen. Das Kloster Mor Gabriel und die Dorfheiligtümer waren die zwei geistlichen Zufluchtstätten, die Festung Dimitrius bot als drittes Schutz  bei drohender Gefahr.

Diese Burg, die sich südlich von Bsorino zwischen Nisibis und Beth Zabday erhebt, ist eine von jenen drei Festungen, die Kaiser Konstantius II an den Haupteinfallstoren zum Tur Abdin

 Quelle: Gertrude Bell Archiv

gegen die Perser errichten ließ. Sie wurde 351 von dem römischen Feldherrn Dimitrius erbaut. Nachdem sie an Haytam von Tayya gefallen war, wurde sie Burg Haytam genannt. Später von den Persern zerstört, wurde sie 684 auf Initiative von Mor Schemun d'Zayte durch Abrohom und Loozer (zwei syrische Christen) wieder aufgebaut und trug fortan den Namen Burg Beth Sbirino. 1451 scheiterte der mächtige Timur Lenk an der Eroberung der Festung, die damals Burg Beth Mahlam genannt wurde. Wenn die Burg den Bewohnern von Bsorino auch zeitweise als Zufluchtsort diente, so hat sie doch alles in allem mehr Not und Leid über sie gebracht als Vorteile. So ist sie denn eines Tages auch dem Zorn der Bewohner von Bsorino zum Opfer gefallen und wurde von ihnen zerstört. Heute sind nur noch Ruinen der einstigen Burg erhalten.

Quelle: Gertrude Bell Archiv

Die wichtigsten Orte im Gebiet von Haytam sind Bsorino, Hevnat, Gurnesche, Ketshat und Beth Manam. Das Kloster Mor Aho südlich von Beth Manam, das „Kilise Düzlügü“genannt wird ist als Derpu (Dayro d`Putho) bekannt.


Der Handel mit den Muslimen

Den Annalen zufolge lebten im Jahre 1167 300 Familien in Bsorino, wovon 200 syrische Christen und 100 kurdische Muslime waren. In den 70er Jahre des 19. Jhd. gab es in Bsorino nun mehr 90 Familien und vier Priester, in Sare 47 Familien. 1914/1915 zählte man in Bsorino wieder rund 200 Familien 1965 waren es noch etwa 130. Heute ist die Zahl der in Bsorino lebenden Familien auf lediglich 22 gesunken. Wie ist dieses Zeichen der Zeit zu deuten? Wo sind die Menschen? Warum haben sie Bsorino und Sare verlassen?

Quelle: Gertrude Bell Archiv  Quelle: Gertrude Bell Archiv

In Bsorino erzählt man sich, dass es 1167 zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen. zu Missstimmung kam nachdem ein muslimischer Mann einen unsittlichen Überfall auf eine junge Christin verübt hatte. Am Ostermorgen, nach dem gemeinsamen Festmahl, traf man daraufhin eine Abmachung. Diese Abmachung, die durch den Einsatz des Ortsvorstehers Tuma, Sohn des Sobo, zustande kam, sah vor, daß die syrisch-christlichen Ortsbewohner allen Besitz der muslimischen Seite (Häuser, Weingärten, Felder usw.) für 10 Ritil (ungefähr 5 kg) Gold aufkaufen sollten. Die Sammlung ergab allerdings ein Ritil zu wenig, ein Umstand dem schließlich durch eine Kreditaufnahme beim Kloster Mor Gabriel abgeholfen wurde. 

Quelle: Gertrude Bell Archiv

Die muslimischen Ortsbewohner verließen das Dorf vereinbarungsgemäß und gelangten auf ihrer Suche nach einer neuen Heimat bis nach Damaskus. Man sagt, dass der heutige Mufti von Damaskus ein Nachkomme der seinerzeitigen Auswanderer von Bsorino ist dieses Ereignis rückte Bsorino und das Kloster Mor Gabriel offensichtlich noch näher zusammen. So stellten die Einwohner von Bsorino ihre Wertschätzung beispielsweise dadurch unter Beweis, dass sie 1502 als konkretes Gebet ums Überleben in einer grassierenden Epidemie das leck gewordene Dach der Kirche des Klosters neu eindeckten.

Das (aktuelle) Schicksal von Sare

Jahrhundertelang kümmerte sich Bsorino wie eine liebende Mutter um das Dorf Sare (Ester, Gawayto). Unter der Fühlung von Raban Schemun, einem der drei Söhne des Ortsvorstehers Tuma, die alle in den Mönchsstand getreten waren (die Namen der beiden anderen waren Abulfarac und Abulhayr), wird 1167 das verfallene und unbewohnte Dorf Sare von hundert Familien aus Bsorino wieder aufgebaut, um Versuche einer Inbesitznahme und Besiedlung des Dorfes durch andere zu verhindern Es ist traurig, daß das Dorf von Schemune Hanne Haydo, Gott hab ihn selig, als es wie andere syrische Dörfer auch unbewohnt war, mit staatlicher Unterstützung wenn auch nur vorübergehend von den Koruyucus (Dorfwächtern) besiedelt wurde. Auf diese Art und Weise hat der historische Versuch der Inbesitznahme durch andere in gewisser Hinsicht sein Ziel erreicht wenn auch mit 830 jähriger Verspätung!

Zeiten einer regen Bautätigkeit und eine offene Frage

Die Muslime, die Bsorino verlassen hatten, versuchten in der Folge, sich im Dorf Sare niederzulassen, was ihnen jedoch von Raban Schemun verwehrt wurde. Nach dem Wiederaufbau des Ortes ging er nach Bsorino zurück. Dort erweiterte er den Innenhof der Mor Dodo-Kirche durch einen Mauerwall und einen hohen Turm, und verwandelte sie so in eine uneinnehmbare Festung. Gleichzeitig verbesserte er den wehrhaften Charakter der Mor Eschayo-Kirche durch den Bau eines ausladenden Turmes, bei der Mor Aho und der Mor Osyo-Kirche wurden die Mauern verstärkt.

Quelle: Gertrude Bell Archiv Quelle: Gertrude Bell Archiv Quelle: Gertrude Bell Archiv

ffensichtlich geschah die rege Kirchenbautätigkeit, die diese drei Mönche in Bsorino entfalteten, mit der Unterstützung ihres Vaters Tuma, des Ortsvorstehers. So bauten sie auch zehn Räume für Nonnen, was auf eine große Zahl von geistlichen Schwestern schließen läßt. Zu jener Zeit waren es 31, darunter Schwester Shushan, eine hochgebildete Frau, die für ihre subtilen Kommentare bekannt war.

In der östlich des Ortes gelegenen Talsenke errichteten die Mönchsbrüder ein der Muttergottes geweihtes Kloster, wobei sie es sich nicht nehmen ließen, sämtliche Ausstattungsgegenstände (wie Messbücher usw.) mit zur Verfügung zu stellen. Man fragt

sich, wo die vier auf Pergament geschriebenen und mit einem aus Gold und Silber getriebenen Einband versehenen Evangelienhandschriften hingekommen sind, die sie mit großer Mühe für die Kirche beschafft hatten?



Stürme  der Gewalt und ihre Abwehr

Es ist nicht leicht, die Wirren der Geschichte, wie sie sich in und um Bsorino abgespielt hat, und ihr Echo im Inneren zu verstehen. Negative Entwicklungen haben sich natürlich auch auf die Quellenlage nachteilig ausgewirkt. Bsorino hat Niederlagen, Angriffe, Massaker, sinnloses Kommen und Gehen und Hungersnöte erlebt. Es ist zwischen Stürme roher Gewalt geraten, die die Wellen des Lebens hervorgerufen haben. Bedingt durch seine bevorzugte Lage war es auch ein bevorzugtes Ziel von Angreifern. Nicht desto trotz haben es seine Bewohner, die für ihre mutige Gesinnung bekannt sind, nie unterlassen, jede Art von Angriff mit aller Vehemenz abzuwehren.

Quelle: Gertrude Bell Archiv Quelle: Gertrude Bell Archiv

 

Hintergrundwissen über Dorf Sare und Bsorino

In Sare lebte die bekannte Familie der Hanne Haydo. Wenn wir Beth Sbirino erwähnen, dann meinen wir diese beiden Dörfer. Beth Sbirino zählt zu den bekannten Dörfern des Tur Abdin. Es sind zahlreiche syro-aramäische Gelehrte, die aus seinen Schulen vorgingen, berühmt, darunter der Priester Escha'jo und der PriesterJohannon, der Mönch Jeschu', der Mönchspriester Malke Saqo vie viele berühmte Bischöfe und Diakone, die aus diesem Dorf stammen. Beth Sbirino wurde als Elite des Syrertums bezeichnet. Es liegt östlich des Qartamin-Klosters, in einer Entfernung von zwei Stunden Fußweg. Zur Zeit der Verfolgung von 1915 lebten in Beth Sbirino annähernd zweihundert Familien, die alle Syro-Aramäer waren. Die weltlichen Oberhäupter des Dorfes waren Malke, der Sohn des Hanne Haydo, sowie Gullo aus der Familie Kamscho.

Die Familie Haydo hob sich durch ihren ältesten Haydo und tapfere wie furchtlose Männer hervor. Der bekannteste war Schemun, der Sohn des Hanne Haydo, ein lobenswerter Anführer unter den Familien des Tur Abdin, ein ruhmvoller Held, der bei den Kämpfen, die unter den Stämmen geführt wurden, kein einziges Mal besiegt wurde . Ein weiser Mann und gutes Sippenoberhaupt. Leider befand er sich zur Zeit der Massaker in Harput in Haft. Sein jüngerer Bruder MalIke, damals 25 Jahre alt, war ein mutiger Mann, gut aussehend, groß, furchterregend. Mit seiner Schusswaffe verfehlte er kein Ziel.  Es wird erzählt, dass er die glühende Kohle treffen konnte, ohne die Wasserpfeife zu beschädigen. Aber sein Starrsinn und seine Unduldsamkeit gegenüber der Meinung und dem Willen anderer waren tadelnswert. Sie bildeten Schwächen, die zur Ursache für Tragödien wurden, denen die Einwohner von Beth Sbirino später ausgesetzt warren. Denn das Leid, das dieses Dorfes ertragen musste, war wahrhaftig sehr groß. Beim Lesen dieses Kapitels werden deine Augen,  lieber Leser, sich mit Tränen füllen und eine große Traurigkeit wird  dich überkommen wegen der Leiden dieses Volkes.

Zwar mussten  alle Dörfer des Tur Abdin viel Elend erleiden. Diejenigen, die sterben mussten, waren tot, und diejenigen, die nicht umgebracht wurden, mussten eine gewisse Zeit in Unterdrückung leben, bis wieder  Ruhe eingekehrt war. Die Bewohner von Beth Sbirino aber ertrugen zehn Jahre lang die schlimmsten Nöte, Drangsale und bittere Unterdrückungen. Das Schicksal dieser Menschen steht in Hinblick auf Spaltungen und Heimsuchungen stellvertretend für das Schicksal des gesamten syro-aramäischen Volkes. Und dies auch in Hinblick darauf, wie sich seine Kinder in die vier Himmelsrichtungen zerstreuten. Als die Nachricht von Massakern an den Christen eintraf, brachen die Bewohner von Sare auf und zogen nach Beth Sbirino, weil es besser befestigt war. In Beth Sbirino gab es die festungsgleiche, von einer Mauer umschlossene Mor Dodo-Kirche, die viele Zimmer besaß und Platz für viele Menschen bot. Als Malke in Beth Sbirino eintraf, betrat er mit seinen Burschen die Festung der Kirche und nahm sie als Quartier, und die Dorfbewohner übertrugen ihm die Führung des Kampfes und die Verwaltung der Angelegenheiten der Familien. Im Dorf amtierte auch ein von der osmanischen Regierung eingesetzter Bürgermeister, dem ungefähr vierzig Soldaten unterstellt waren. Malke und die Bevölkerung des Dorfes einigten sich, die Soldaten anzugreifen, sie zu entwaffnen und sie dann aus dem Dorf zu vertreiben. Malke und alle Männer des Dorfes umstellten das Gebäude, in dem sich die Soldaten befanden, und forderten sie auf: „Gebt uns eure Waffen oder wir töten euch! Falls ihr aber die Waffen übergebt, schonen wir euch und lassen euch gehen, wohin ihr auch immer wollt." Die Soldaten erkannten, dass sie ihre Waffen abliefern müssen, und deswegen übergaben sie sie dem Anführer Malke, der ihnen erlaubte zu gehen.

In Beth Sbirino suchten viele Menschen aus Midun, Tamarz, Beth Ishoq, Zinurah, Beth Wardo, Qanaq, Bazar und anderen Orten Zuflucht. Hinzu kamen einzelne Flüchtlinge, die den Massakern entronnen waren. Wir wissen nicht, wie hoch deren Zahl war. Wir wissen lediglich, dass die Zahl der bewaffneten Männer bei ungefähr zweitausend lag. Nachdem sie die Soldaten vertrieben hatten, wagte kein Muslim mehr, sie anzugreifen, weder von den kurdischen Sippen noch von der osmanischen Regierung. Die Kurden aus der Umgebung hatten solche Angst, dass sie nicht in ihren Dörfern übernachteten, sondern in den Bergen. Denn sie fürchteten, dass sie in der Nacht von den Syro-Aramäern überfallen und umgebracht würden. Zwischen den kurdischen Bewohnern von Robin und den Einwohnern Beth Sbirinos herrschte Frieden. Sie brachten den Syro-Aramäern Weizen, Gerste, Salz und andere Waren. Die Jesiden aus dem Dorf Gali, die auch Mehukan hießen, verkauften den Bewohnern von Beth Sbirino Waren. Einmal überfiel Malke sie und nahm ihnen ihre Waren und Esel fort und verjagte sie, ohne sie zu entlohnen. Die Jesiden wiederum hörten auf, ihnen Waren zu bringen. Diese Handlung des Malke gefiel den Einwohnern von Beth Sbirino nicht.

Ein anderes Mal stellten Malke und seine Männer vor dem Dorf Robin den Kurden einen Hinterhalt und stahlen vier ihrer Schafherden, brachten sie ins Dorf und verteilten sie unter sich. Bei der Verteilung der Beute behandelte Malke die Führer der Familie Kamscho, als ob sie seine Knechte seien. Auch dieses Verhalten gefiel den Bewohnern von Beth Sbirino nicht. Es ist üblich, dass der Mensch auf seinen Mitmenschen neidisch ist. Die Alten verglichen den Neid mit einem in der Nacht umherschwebenden Schwert, das das Gute niederschlägt. Das Schwert des Neides tötete Adam im Paradies. Der Neid tötete auch Abel, der als das erste Opfer des Neides gilt. Neid führte dazu, dass Josef in den Brunnen geworfen wurde, und Neid hängte Jesus ans Holz des Kreuzes. Als die Familie Kamscho so verächtlich behandelt wurde, überwältigte sie ein Rachegefühl und sie dachten bei sich, dem Malke einen Hinterhalt zu legen. Und einige Heuchler schürten den Hass zwischen beiden Familien, indem sie zu der Familie Kamscho sagten: "Malke hat euch überhaupt nicht als Führer geachtet. Er kam aus Sare und riss die Führerschaft an sich, und ihr steht ohne jede Bedeutung da, denn euch gebührt die Führerschaft." So spitzte sich der Hass zwischen beiden Familien zu, und die Familie Kamscho trachtete, bei passender Gelegenheit Malke zu vernichten.

Danach schickte die Familie Kamscho jemand zu den kurdischen Salhan-Sippen und ließ ihnen ausrichten: Falls ihr Malke umbringt, lassen wir euch in Beth Sbirino hinein und werden das Dorf zwischen uns und euch teilen! Die Salhan-Sippe hatte schon lange auf so eine Gelegenheit gewartet und wünschte sich sehr, die Syro-Aramäer des Dorfes uneins zu sehen, um Malke umbringen zu können. Damit, nachdem Malke ausgeschaltet wurde, die Übrigen zu ihren Leibeigenen werden und sie sich ihrer als Knechte bedienen und nach Gutdünken über ihr Hab und Gut verfügen könnten. Hinzu kommt, dass die Kurden sich vor den Männern der Haydo-Familie sehr fürchteten. An dem vereinbarten Tag, als sie Malke umbringen wollten, saß dieser im Schatten eines Maulbeerbaumes und ließ sich vom Friseur den Bart rasieren. Der Friseur hatte gerade die eine Seite beendet, als zu ihm ein junger Mann namens Said kam, einer aus dem Geschlecht der Kamscho-Familie, der vom Komplott gegen Malke wusste, und zu ihm sagte: „Steh schnell auf, geh in die Kirche und lass dich dort zu Ende rasieren!" Malke fragte nach dem Grund und jener Said antwortete ihm: „Das wirst du später erfahren!" Er fügte noch hinzu: „Du sollst nirgends hingehen, falls jemand nach dir verlangt! Und mach das Tor des Kirchengebäudes fest zu und komm unter keinen Umständen heraus!" Darauf ging Malke in die Festung der Kirche und verriegelte die Tür. Er blieb in der Festung der Kirche und wartete die Ereignisse ab. Da schickten die Kurden jemand zu ihm und ließen ihm sagen, dass er zu ihnen kommen möge, um über den Frieden zu verhandeln. Malke erwiderte, dass er nicht gewillt sei zu kommen. Da er nicht ging, verließen die Kurden ihren Hinterhalt und kehrten heim.

Malke wusste, dass die Familie Kamscho ihm diese Falle gestellt hatte, um ihn ermorden zu lassen. Und die Familie Kamscho hoffte, dass Malke ihre List nicht bemerkt hätte. Danach überlegte auch Malke, wie er die Familie Kamscho ausschalten könnte. Eines Tages sagte er zu seinen Männern: „Lasst uns zu der Familie Kamscho gehen und uns mit ihnen versöhnen!" Seine Männer glaubten tatsächlich, dass er sich mit ihnen versöhnen wolle. Er aber suchte eine Gelegenheit, um die Familie Kamscho umzubringen. Dann gingen Malke und seine Männer ins Haus der Familie Kamscho, die ebenfalls meinten, dass Malke um des Friedens willen gekommen sei und um das Feuer der Zwietracht zu löschen. Aber Malke fand keine passende Gelegenheit, um sie zu töten. Denn es gab zu viele Menschen bei den Kamschos, und so saß er eine Weile bei ihnen, stand dann auf und kehrte in die Kirchenfestung zurück. Die Familie Kamscho freute sich, weil sie glaubten, dass Malke ihre List nicht bemerkt hätte und er sie um des Friedens willen besucht habe. Dann sprachen die Priester und die Ältesten des Dorfes mit den beiden Parteien und sagten: "Wir sollten den Hass in uns überwinden. Wir sind doch Geschwister. Was geschehen ist, müssen wir vergessen!" Malke nahm ihre Worte an und redete mit ihnen ganz höflich, und die Familie Kamscho glaubte, dass Malke keinen Hass mehr in seinem Herzen hege.

Drei Tage danach bestellte Malke sechs Männer von der Familie Kamscho zu sich, aber einzeln. Als sie bei ihm erschienen, entwaffnete und fesselte er sie und ließ sie in einen Brunnen hinab. Dann beorderte er alle Oberhäupter des Dorfes zu sich und erklärte ihnen, dass die Gefangenen ein Komplott gegen ihn geschmiedet hatten: Sie wollten ihn ermorden und die Kurden ins Dorf hereinlassen und den Besitz des Dorfes mit ihnen teilen. Dann fragte er die Oberhäupter: "Was für ein Urteil fällt ihr über diese Verräter? Was denkt ihr? Sollen wir sie freilassen oder nicht?" Alle sagten einstimmig: "Sie müssen getötet werden! Außer dem Todesurteil kommt für sie nichts anderes in Frage." Da sagte Malke: "Wenn das so ist, dann müsst ihr euch auch an der Vollstreckung des Urteils beteiligen". Sie einigten sich darauf. Sodann zogen sie sie aus dem Brunnen herauf: Drei ließen sie laufen, an den drei übrigen, nämlich den Brüdern Makko und Gulolo sowie ihrem Vetter David wurde das Todesurteil in der Nähe der Mor Tuma-Kirche vollstreckt. Nach der Hinrichtung der drei Genannten rief ihr Onkel Maruge alle Mitglieder der Familie Kamscho zusammen sowie die, die Partei für sie ergriffen hatten, und sie flohen bei Nacht aus dem Dorf und folgten ihren kurdischen Freunden aus der Salhan-Sippe und hielten sich in deren Dorf auf. Dann kamen sie mit der Salhan-Sippe und lebten im Dorf Sarko und fingen an, den Bewohnern von Beth Sbirino aufzulauern und jeden umzubringen, dessen sie habhaft werden konnten.

Sie begnügten sich damit nicht, sondern sie baten andere Kurdensippen der Gegend, bei denen sie vorstellig geworden waren, um Unterstützung. Sie zogen los, lagen vor dem Dorf Beth Sbirino im Hinterhalt und konnten die Festung des Mor Barsaumo-Klosters des Dorfes einnehmen. Die Bewohner von Beth Sbirino merkten davon nichts. In der frühen Morgendämmerung gingen die Söhne des Said zu ihren Arbeiten und sandten einen von ihnen zur Burg, damit er für sie Wache halte, so dass sie ungestört arbeiten könnten. Als er das Kloster erreichte, nahmen ihn die Feinde fest und töteten ihn mit dem Säbel. Seine Brüder hatten keine Ahnung von dem Vorfall. Als sie das Land erreichten und ihre Pflüge ansetzten, wurden sie von den Feinden überfallen und sämtlich umgebracht. Insgesamt waren die Opfer sieben Personen, fünf Männer und zwei Frauen aus ein und derselben Familie. Danach griffen sie Beth Sbirino an. Ein großes Gefecht entbrannte um das gesamte Dorf. Malke und seine Männer verließen die Kirche und begaben sich zum Palast und fingen an, von dort aus auf die Feinde zu schießen. Die Führer der Kurden konzentrierten sich auf Malke. Malke aber verlor die Geduld und sagte zu seinen Männern: „Lasst uns angreifen!" Sogleich kam er aus dem Palast heraus, seine Männer hinter ihm her, und wie die Löwen stürzten sie auf die Kurden los, die wie Füchse vor ihnen flohen. Sie verfolgten die Kurden etwa eine halbe Stunde lang. Während Malke und seine Männer sich weit vom Dorf entfernt hatten, kamen die Kurden, die im Norden des Dorfes waren, und schnitten ihm und seiner Gefolgschaft den Weg zum Dorf ab. Als Malke und seine Männer zurückkehrten, eröffneten die Kurden das Feuer. Eine mörderische Schlacht tobte zwischen den beiden Parteien. Der Kampf war so erbittert, dass mit Dolchen und Steinen gekämpft wurde. Viele kamen dabei um.

Von den Syro-Aramäern fielen ungefähr fünfzig Mann, und Malke selbst wurde verwundet, als er im Hof der Mor Johannon- Kirche kämpfte. Jene Kirche liegt südöstlich des Dorfes. Sieben Kämpfer der Gefolgschaft Malkes fielen. Einer seiner Männer mit Namen Hanne Rammo blieb in seiner Nähe, lag jedoch versteckt hinter einer Mauer und schoss von dort aus auf die Feinde. Malke dachte, dass auch er ihn verlassen und fliehen würde, und so fragte er ihn tadelnd: "Henno, willst du mich etwa auch verlassen und davonlaufen?" Henno antwortete ihm. "Wie kann ich dich verlassen? Ich will mich für dich opfern. Aber von hier aus schütze ich dich. Denn der Häuptling der Salhan-Sippe, Mohammed Oemer, steht hinter der Mauer und hat einen Dolch in seiner Hand, und er hat die Absicht, dich anzugreifen und zu töten.

Ich ziele auf ihn, vielleicht treffe ich ihn!" Dieser Mohammed Oemer verließ sein Versteck, um Malke anzugreifen und ihn umzubringen. Im selben Moment erschoss ihn Henno. Die Kugel traf seinen Kopf und er starb. Darauf sprach Henno zu Malke: "Sei guten Mutes, ich habe den Führer Mohammed Oemer getötet." Durch diesen Tod siegten die Syro-Aramäer, und kein Kurde wagte, den verwundeten Malke anzugreifen. Danach verhandelten die kurdischen Anführer mit den Syro-Aramäern, um Frieden zu schließen und damit jeder die eigenen Toten bergen könne. Als dies vereinbart wurde, verließen die Kurden ihren Hinterhalt und bargen ihre Toten. Entsprechend machten es die Syro-Aramäer mit ihren Toten. Ihren Anführer Malke brachten sie in die Kirche zum Arzt Murad Raschschi aus Midun, der ein geschickter Arzt war. Er versorgte ihn und innerhalb von zwanzig Tagen genas er von seinen Verletzungen.

Diejenigen Syro-Aramäer, die von außerhalb gekommen waren und in Beth Sbirino Zuflucht gesucht hatten, verließen das Dorf. Es gab solche, die in ihre Dörfer zurückkehrten, und andere, die in den Dörfern des Tur Abdin umherirrten. Denn die Christenverfolgung hatte sich gelegt. Die Bewohner von Beth Sbirino blieben also ohne Verstärkung im Dorf zurück, um die Leiden zu ertragen, die ihrer noch harrten. Im Frühling des Jahres 1917 verlangte der Bürgermeister von Midyat durch den Erzpriester Isa, den Dorfvorsteher von Aynwardo, Gergo, sowie durch andere, dass Malke die Waffen, die er den türkischen Soldaten abgenommen hatte, abliefere. Auch die übrigen Einwohner von Beth Sbirino müssten ihre Waffen der Regierung übergeben. Denn die Regierung werde ihnen ein Regiment für ihren Schutz schicken. Der Bürgermeister beabsichtigte damit, Malke zu beruhigen und ihn in der Gewissheit zu belassen, dass die Feindschaft vergessen wäre und die Regierung ihren alten Plan der Christenverfolgung aufgegeben hätte. Dann verlangten die Soldaten von Malke, ihnen die Festung der Kirche zur Verfügung zu stellen. Malke willigte ein. Sodann erhöhte sich die Zahl der Soldaten allmählich, hundert betrug. Andere sagen, dass Malke selbst zum Erzpriester Isa nach Midyat gegangen sein soll und gemeinsam mit dem Erzpriester den Bürgermeister von Midyat gebeten habe, ein Regiment für den Schutz der Syro-Aramäer vor den Kurden nach Beth Sbirino zu schicken.

Die Soldaten des Schutzregimentes fingen an, die Bewohner von Beth Sbirino in ihrer Zuversicht auf Besserung zu bestärken, indem sie sagten: „Habt keine Angst! Von nun an besteht keine Gefahr mehr für euch! Arbeitet, wie ihr es gewohnt wart!" Die Syro-Aramäer fingen an, nun auch zu den Bergen und ihren entfernten Feldern zu gehen, und die Soldaten begleiteten sie, um die Syro-Aramäer in falscher Sicherheit zu wiegen. Als die kurdischen Sippen das vernahmen, begannen sie, sich auffällig vor dem Dorf zusammenzurotten, um die Christen bei günstiger Gelegenheit vollständig zu vernichten. Eines Tages suchten die Kurdenführer den Befehlshaber der Regierungstruppe auf und bestachen ihn, damit er ihnen erlaube, Malke und die übrigen Bewohner von Beth Sbirino zu töten. Der türkische Offizier wurde mit ihnen handelseinig. Und die Kurden warteten nun auf einen günstigen Zeitpunkt, um ihren Plan zu verwirklichen.

Eines Tages öffneten die türkischen Soldaten ein Loch in der Nordwand der Kirche, durch das sie die Kurden in die Festung der Kirche hineinließen. Am Tag, an dem sie Malke umbringen wollten, waren viele Syro-Aramäer des Dorfes in die Berge gezogen, um Eicheln zu sammeln. In ihrer Begleitung befanden sich auch einige Soldaten. Jene Kurden, die nicht in die Festung der Kirche eingedrungen waren, umstellten das Dorf, und der türkische Befehlshaber sowie die in die Festung eingedrungenen Kurden vereinbarten mit den übrigen Kurden Folgendes: Sobald wir Malke umgebracht haben, geben wir euch ein Zeichen, um das Dorf anzugreifen.

Dann bestellte der türkische Offizier Malke und drei der Dorfoberhäupter zu sich. Als sie den Hof der Festung der Kirche betraten, stieg Malke nach oben, seine Freunde noch nicht. Die Soldaten überfielen seine Freunde und erdolchten sie. Einer seiner Freunde jedoch, Said, als er sah wie seine Freunde umgebracht wurden, ergriff schnell die Flucht und berichtete den Dorfbewohnern, was geschah. Als Malke zurückblickte und seine Freunde tot sah, griff er blitzschnell einen der Aufseher der türkischen Soldaten an, tötete ihn, nahm dessen Waffe an sich und stieg in einen kleinen Raum hinauf. Als die Soldaten das sahen, gingen sie in verschiedenen Richtungen in Deckung und versuchten, aus ihren Verstecken heraus auf ihn zu schießen. Sie merkten, dass es ihnen auf diese Weise nicht gelingen würde, Malke zu töten. Deswegen machten die Kurden ein Loch in die Decke jenes Raumes, in dem Malke sich befand, und warfen brennendes Laub und Lunte über ihn. Malke war der Qualm unerträglich geworden, deswegen stieg er durch ein Loch in einen anderen Raum hinunter, aber seine Waffe funktionierte leider nicht mehr und er musste sie oben lassen. Als die Kurden das merkten, griffen sie ihn an und erdolchten ihn.

So endete das Leben dieses jungen, tapferen Helden, des Malke Hanne Haydo, im Kampf, und er fiel durch die Niedertracht des osmanischen Befehlshabers sowie jener Kurdenhäuptlinge, die nach dem Blut der Christen dürstete. Obwohl Malke in jungen Jahren starb, ohne sein Leben genießen zu können, werden alle Syro-Aramäer sein Andenken in ihren Herzen lebendig halten. Nach der Ermordung Malkes fielen die Kurden über das Dorf her, und es kam zu einem Kampf. Jenen Einwohnern, die sich außerhalb, in den Bergen, befanden, bereiteten die Kurden einen Hinterhalt auf dem Wege zum Dorf, so dass sie sie bei ihrer Rückkehr umbringen könnten. Andere Kurden gingen in die Berge, um jeden der Bewohner des Dorfes, dessen sie habhaft werden konnten, umzubringen. Diejenigen, die in das Dorf heimkehrten, wurden im Dorf umgebracht. Der Rest der Dorfbewohner, die vom Geschehen erfuhren, floh in die Dörfer von Beth Rische (Rahita) und nach Aynwardo. Die Kurden kämpften zwei Tage und zwei Nächte um das Dorf. Dann fiel es dem Offizier ein, dass man ihn wahrscheinlich wegen des Vorkommnisses zur Verantwortung ziehen würde. Deshalb befahl er den Kurden, den Hinterhalt aufzuheben, und sagte: "Es ist genug!" Und fügte hinzu: "Es muss Frieden zwischen euch herrschen!" Zu den Einwohnern von Beth Sbirino sagte er: „Malke griff uns an, und wir haben ihn töten müssen. Aber von nun an besteht keine Gefahrmehr für euch." Die Kurden gingen dann in ihre Dörfer zurück. Die aus Beth Sbirino Geflüchteten kehrten ebenfalls zurück. Diesmal wurden auch ungefähr vierzig Menschen aus Beth Sbirino getötet. Beide Seiten versöhnten sich dann, doch der Friede hielt nur bis zum April 1918. Die Versöhnung war scheinheilig. Sie war nur zustande gekommen, damit die Syro-Aramäer glaubten, dass sie nicht mehr in Gefahr seien. Die Regierungstruppen begleiteten sie immer zu den Feldern. Sie hatten aber Hinterlist im Sinn.

Nach einer bestimmten Zeit des Friedens schmiedeten die Anführer der Salhan mit dem Befehlshaber der Soldaten ein neuerliches Komplott: Die Kurden ersuchten ihn, ihnen erneut zu erlauben, die Syro-Aramäer zu töten und ihre Mädchen zu rauben. Dieser hasserfüllte Offizier gestattete ihnen, ihr niedriges Verlangen in die Tat umzusetzen. An einem Tag, als die Bewohner von Beth Sbirino, Männer, Frauen und Mädchen, in Begleitung der Soldaten in die Berge zogen, um Brennholz zu sammeln, wurden sie von den Kurden angegriffen. Die Männer brachten sie um und etwa vierzig Mädchen und Frauen wurden entführt.

Danach kamen die Salhan-Sippen und drangen in die Festung ein. Die Festung lag auf einer Anhöhe, dem Dorf gegenüber. Diese Lage erlaubte es, jeden, der aus seinem Haus kam, von der Festung aus zu erschießen oder unter Feuer zu nehmen. Die Bewohner von Beth Sbirino blieben in ihren Häusern, sie durchstießen die Mauern, um die Häuser miteinander zu verbinden, so dass sie sich gegenseitig besuchen und helfen konnten. Wenn es Nacht wurde, kamen die Kurden von der Festung herunter, schlugen die Türen auf und versuchten, die Syro-Aramäer zu töten, und die Bewohner von Beth Sbirino verrammelten ihre Türen umso fester und blieben in ihren Häusern eingeschlossen. Die Tränen tropfen wie Regen auf die Erde, der Schreiber versagt, die Zunge verzagt, alles zu beschreiben, was die Bewohner von Beth Sbirino an bitteren Schicksalsschlägen durch die Kurden zu ertragen hatten.

Sei gewiss, lieber Leser, als der Verfasser die Geschichte der Blutbäder an den Syro-Aramäern niederschrieb, flössen seine Tränen unstillbar angesichts all der Nöte, denen sie ausgesetzt waren. Ich bin mir sicher, dass dich das gleiche Gefühl befällt, wenn du dies liest, und du wirst weinen überein Volk, das derart brutal behandelt wurde. Die Syro-Aramäer dieses Dorfes besaßen keine Nahrungsvorräte mehr, keine Schafe, keine Rinder, keine Hühner, keine Katzen. Alles hatten sie aufgegessen, bis auf das Gras, das um die Häuser wuchs. In den Nächten gingen sie in die Berge, weil der Hunger sie dorthin trieb, um irgendetwas Essbares aufzutreiben, und wenn sie heimkamen, wurden sie auf dem Rückweg ermordet. In solcher Lage blieben sie eine lange Zeit. Danach sagten die Kurden zu den Syro-Aramäern des Dorfes: .Wir schließen mit euch einen Frieden, unter der Bedingung, dass ihr unseren Herden erlaubt, von euren Quellen im Dorf zu saufen." Unter dem Druck der Umstände akzeptierten die Bewohner von Beth Sbirino diese Bedingung. Und so brachten die Kurden ihre Herden, ließen sie in den Feldern von Beth Sbirino weiden und von den Quellen des Dorfes saufen. Einige Familien fürchteten einen erneuten Hinterhalt, weswegen sie das Dorf verließen und in das Mor Barsaumo-Kloster zogen und sich dort ungefähr sechs Monate aufhielten.

Eines Tages wurden zwei Schafherden der Salhan-Sippe geraubt, einer der Hirten getötet und die Herden ins Kloster gebracht. Als dies geschah, sagten die Salhan-Sippen zu den Bewohnern von Beth Sbirino: „Geht und fordert sie auf, uns die Herden zurückzugeben, und kommt ja nicht ohne sie zurück!" Die Syro-Aramäer gingen und baten die Bewohner des Klosters: „Gebt uns die Herden zurück, denn falls ihr es nicht tut, werden uns die Kurden großen Schaden zufügen!" Diejenigen, die im Kloster lebten, erwiderten: "Die Herden geben wir nicht zurück. Sollen die Kurden mit euch machen, was ihnen gefällt!" Daraufhin kamen die Salhan-Sippen nach Beth Sbirino, riefen die Männer des Dorfes zusammen und fesselten jeden, der kam. Schließlich schlachteten sie sie wie Schafe auf einem Dach, bis ihr Blut wie Wasser von der Regenrinne floss. Wer nicht gefangen genommen wurde, flüchtete. Die Kurden vertrieben die übrigen Einwohner aus dem Dorf. Die Vertriebenen suchten Zuflucht in den übrigen Dörfern des Tur Abdin. Beth Sbirino wurde seiner meisten Syro-Aramäer beraubt. Nun lebten darin die Salhan-Sippen sowie ungefähr zwanzig Syro-Aramäer aus der Familie Kamscho. Das war im Jahre 1919.

Danach sammelten sich die Sippen von Salhan und Doman, umstellten die Burg des Mor Barsaumo und überfielen sie, schlugen eine Bresche, warfen Feuer auf die Syro-Aramäer und verbrannten sie. Die Überlebenden brachten sie um. Einige Frauen stürzten sich selbst in die Tiefe, ihre Glieder brachen und sie erlagen dem Tod.

Das ist die bittere Tragödie der Bewohner von Beth Sbirino. Alles, was sich dort zutrug, war die Frucht des Neids, des Hasses und der Zwietracht. Die Bewohner von Beth Sbirino litten unter diesem Zustand bis 1925, als ein Dekret der türkischen Regierung vorschrieb, dass die Kurden aus Beth Sbirino ausziehen mussten und die Syro-Aramäer wieder einziehen konnten. Darauf sammelten sich die Syro-Aramäer und zogen erneut in Beth Sbirino ein. Doch schon 1926 wurde es ein weiteres Mal zerstört und seine Bewohner flohen. Dieses Ereignis ist unter der Bezeichnung "Die Vorkommnisse des Jahres 1926" bekannt.

Der Grund war folgender: Es gab einen kurdischen Tyrannen namens Haco. Nachdem die Bewohner von Beth Sbirino aus dem Dorf vertrieben worden waren, kamen Türken und legten Sprengstoff in den Boden der Mor Dodo-Kirche und zerstörten sie. Erneut blieben die Bewohner von Beth Sbirino zerstreut außerhalb des Dorfes, in den Dörfern von Syrien, dann kehrten sie nach Bekanntgabe des Dekrets und durch die Vermittlung von Saruchan Aga zurück. Die Mor Dodo-Kirche stand noch bis 1952 als Ruine, die dann von den Bewohnern von Beth Sbirino wiederaufgebaut wurde.

Die Verfolgung und Vernichtung der Syro-Aramäer im Tur Abdin 1915
(vom Erzpriester Sleman Henno, ins Deutsche übersetzt von Amill Gorgis und Georg Toro)

Vergossenes Blut
(von Naaman Abdelmesih, ins Deutsche übersetzt von Amill Gorgis und Georg Toro)


Zu beziehen über:
Förder- und Entwicklungsverein Sare e.V (FEVS) - www.sare-online.com - Anprechspartner: Dipl.-Ing. Matthäus Lukas Turan
Tel: 030/ 44 05 23 03 - Fax: 030/ 44 05 23 04


Ein stolzes Zentrum des geistig-religiösen Lebens

Die Ortsvorsteher waren weithin angesehen. Die Familien der Beth Sobo, Beth Tuma, Beth Malke, Beth Haydo (in Sare) und Beth Gawro haben sich in der Vergangenheit verdient gemacht. Einige historische Dokumente berichten, dass Bsorino im Jahre 1854 nach dem Tod des Ortsvorstehers Gawro, Sohn des Pfarrers Gulavi, von einem Mann unter Druck gesetzt wurde, der als Waise aufgewachsen war. Diesem Mann war es gelungen, sich bei der staatlichen Obrigkeit und bei der Bevölkerung der Umgebung Ansehen zu verschaffen. Er war in ganz Mesopotamien bekannt, von Niniveh bis nach Amid (Diyarbakir). Die Ortsvorsteher der Dörfer rund um Bsorino unternahmen nichts ohne ihn. Selbst die Steuern wurden über ihn an den Staat abgeführt. Zur Zeit dieses besagten Führers gab es in Bsorino und Sare 12 Geistliche, darunter zwei Mönche.

Quelle: Gertrude Bell Archiv

Bsorino macht Kirchengeschichte

Die Menschen von Bsorino verfügen über ein unternehmerisches und friedensstiftendes Naturell. Dies hat sich auch in der Kirchengeschichte gezeigt. Nach dem Tod von Aziz Bar Sobtho, Patriarch des Turabdin, im Jahre 1482 kam es zu Meinungsverschiedenheiten und in der Folge wurden zwei Metropoliten gleichzeitig zum Patriarchen erklärt. Den Leuten von Bsorino gelang es binnen kurzem zwischen den Streitparteien zu vermitteln. Unter dem Vorsitz von Patriarch Halef unterzeichneten beide Seiten in Beth Manam ein Friedensabkommen. Ohne das positive eingreifen und die Bemühungen der Bewohner von Bsorino wäre Patriarch Nuh des Libanon 1494 wahrscheinlich nicht zum Patriarchen von Antiochien gewählt worden  Die Tatsache, daß der Fürst von Hasankeyf diesen Patriarchen wissen ließ, daß er vor der Visitation der Diözesen des Turabdin die Zustimmung der Bewohner von Bsorino einholen solle, beweist exemplarisch das Ansehen, das Bsorino in der Region genoss.

Die verhängnisvolle Nähe zur Burg Haytam

In Jahre 1286 war es in Beth Manam, Kelshat und Bsorino zu schlimmen Massakern gekommen. Im Jahre 1398, als Bedrettin, der Herr der Burg Haytam im Zuge eines Anschlages in Hasankeyf getötet wurde, erlitt ein aus Bsorino stammender Anführer namens Malke gemeinsam mit den anderen Leuten um ihn eine Niederlage. 21 Jahre später wurde letzterer jedoch selbst von den Soldaten von Sincar getötet

Quelle: Gertrude Bell Archiv

Während der schrecklichen Plünderungen durch Sultan Hamza, Sohn des Osman (Turkomen) in der Umgebung von Haytam im Jahre 1433, wurden die Bewohner von Bsorino gefangen genommen und in die Gegend von Mardin ins Exil geschickt. Dank dem Verhandlungs-geschick einiger hochrangiger Persönlichkeiten wurden sie schließlich gegen Bezahlung eines enormen Lösegeldes in die Freiheit entlassen.

Quelle: Gertrude Bell Archiv

Die syrische Bevölkerung in der Region und insbesondere die Bewohner von Bsorino wurden immer wieder in Kämpfen um die Rückeroberung der Burg Haytam aufgerieben. Sie waren

Plünderungen und Beutezügen ausgesetzt. Im Jahre 1462, als Fürst Ahmet die Burg an einen türkischen Fürsten verlor, rächte er sich dafür an den Bewohnern von Bsorino. Zuerst tötete er drei Menschen, dann verkaufte er jene Ortsbewohner, die er gefangengenommen hatte, ohne Ansehen der menschlichen Würde wie Sklaven für eine große Summe Geld. 

Epidemien, Naturkatastrophen und das Geheimnis der göttlichen Gerechtigkeit

Zu den traurigen Kapiteln zählt auch der Umstand, daß viele begabte Menschen, die in der beschaulichen Lebenswelt von Bsorino aufgewachsen waren, durch erbarmungslose Krankheiten dahingerafft wurden. 1413 hatte die Pest in Bsorino 400 Menschen, darunter Pfarrer Aday, gefordert 1421 mussten wiederum 170 durch diese tödliche Krankheit ihr Leben lassen. 1425 schlug die Pest neuerlich zu. 510 Menschen starben,  darunter zehn Geistliche, u.a. der berühmte Malfono Eshayo und daß damals vier junge Männer die zu Priestern geweiht werden sollten von der Krankheit befallen wurden und allesamt am selben Tag verstarben, ist das ein Zufall oder ein Geheimnis der göttlichen Gerechtigkeit?

Quelle: Gertrude Bell Archiv  Quelle: Gertrude Bell Archiv

Die kriegerischen Ereignisse und Epidemien, die einander folgten, ließen den Bewohnern kaum eine Atempause. Im Jahre 1426 drang die Sendische Armee in Bsorino ein, tötete den Ortsvorsteher Aziz und plünderte das Dorf. Als ob dies nicht schon genug gewesen wäre, zerstörte  eine Hitzewelle 1427 die Traubenernte beinahe vollständig und stürzte die Gegend in eine fünf Jahre anhaltende Hungersnot die Bsorino schwer zu schaffen machte.

Noch bevor Bsorino die Folgen dieser Katastrophe überwinden konnte, brach bereits die nächste Epidemie herein, sodass 1431 ein Verlust von 500 Menschenleben, darunter zwei Priester, zu beklagen war. Während der Epidemie von 1449 kamen in Bsorino zusammen

mit einem Priester und 20 Diakonen insgesamt 581 Menschen um.

Es ist eine bekannte Tatsache, dass die Fürsten von Botan immer wieder im Turabdin einfielen. Im Jahre 1453 töteten sie 16 Menschen, darunter zwei Frauen, bei dem Versuch das Land einzunehmen.

Im September 1674 brachte ein Erdbeben viele Häuser und einen Teil der Mor Dodo-Kirche zum Einsturz. Für das Jahr 1759 liest man mit Erschütterung, dass ein Bischof, 9 Geistliche, 20 Diakone und 1000 weitere Bewohner von Bsorino durch eine Dürreperiode und ein anschließende Epidemie sterben mussten.

Interne Streitigkeiten und religiöse Pflichterfüllung

Parallel dazu kam es immer wieder Ortsintern zu Unstimmigkeiten. Das selbstherrliche Auftreten mancher örtlicher Funktionäre, die sich bei bestimmten Anlässen über den gesunden Menschenverstand hinwegsetzten, führte zu Streit und Intrigen. Dieser gegenseitige

Hass der 1802 zur Ermordung zweier Ortsbewohner gipfelte zeigt, wie ernst diese internen  Probleme sein konnten.

Quelle: Gertrude Bell Archiv  Quelle: Gertrude Bell Archiv  Quelle: Gertrude Bell Archiv

Wenn die Schrecknisse der Vergangenheit durch die Tore des Turabdin hereinbrachen, drehte sich das Leben in Bsorino in einem Teufelskreis. Und dennoch, allen Widrigkeiten zum Trotz,

sticht die Entschlossenheit ins Auge, mit der man an der Erfüllung der religiösen Pflichten festzuhalten versuchte. Im Jahre 1492 machte sich eine große Schar von Pilgern aus Bsorino zusammen mit vier Priestern unter der Leitung von Pfr. Aday auf den beschwerlichen Weg nach Jerusalem und teilte Freud und Leid der Reise. Einige erlagen unterwegs Krankheiten, andere jedoch kehrten, um Abenteuer bereichert nach Bsorino zurück.

Das 20. Jahrhundert und die Wiederholung der Geschichte

Die Wende zum 20. Jhd. brachte weltweit nichts Gutes. Der Tur Abdin war da keine Ausnahme. Ein negatives Ereignis folgte dem anderen und in der Erinnerung wird immer Bitterkeit bleiben. Dabei sollte gesagt werden, daß die Wiederholung der Geschichte offenbar System hatte, auch im Fall von Bsorino.

Während des Ersten Weltkriegeswaren die führenden Persönlichkeiten in Bsorino, das damals rund 200 Familien zählte, Malke, Sohn des Hanne Haydo, und Gullo aus der Familie der Kamcho. Als die Bewohner von Sare von den Ereignissen hörten, flüchteten sie nach Bsorino, vor allem in die Mor Dodo-Kirhe, wo sie hofften, sich besser verteidigen zu können. Nachdem auch einige syrische Christen aus Midin, Tamarze, Bashok,  Zinawrah und Araban dort Schutz gefunden hatten, drängten die Führer von Bsorino, Malke und Gawro, zusammen mit rund 2000 Kämpfern die Angreifer zurück.

Quelle: Gertrude Bell Archiv
Abb. Malke Hannae Haydo - Aga von Sare und Bsorino

Andererseits ist die Tatsache, dass sich Bsorino, das während der Sayfo-Jahre keine größeren Zerstörungen erlitt, selbst Schaden zufügte, ein historischer Fehler, der hinterfragt werden muss. Die mangelnde Erfahrung des Führers Malke zerbrach die Einheit und die friedliche Koexistenz der Bewohner von Bsorino in einer äußerst kritischen und schwierigen Zeit. Es kam zu Intrigen. Die internen Probleme nahmen überhand. Man einigte sich, Malke und seine

Quelle: Gertrude Bell Archiv
Abb. Celebi Aga und Sippe

Männer zu entwaffnen. Malke wird im Zuge eines listigen und gemeinen Hinterhaltes von den Salihianern getötet, die mit der Unterstützung der Armee ein Auge auf das Dorf geworfen hatten. 1918 wurde Bsorino abermals von den Salihianern angegriffen, es konnte den Angriff zwar zurückweisen, verlor dabei aber an die 40 Mann. Die Zwischenfälle wollten nicht enden, wie zum Beweis des  Sprichwortes, wo es heißt, dass das wilde Huhn das Haushuhn

davongejagt hat. 1919 wurden sämtliche Bewohner, mit Ausnahme der Familie Kamcho, die die Einheit von Bsorino untergraben hatten, von den Salibianern vertrieben, die sich dann dort niederließen. Im  Jahre  1925  wurden  die Bewohner von Bsorino allerdings mit staatlicher Hilfe wieder in ihrem Dorf angesiedelt.

Quelle: Gertrude Bell Archiv
Abb. Celebi Aga und Sippe

Doch noch bevor sie sich von den Folgen dieses Ereignisses erholen konnten,  waren  die  Bewohner  von Bsorino erneut gezwungen, ihr Dorf zu verlassen,  nachdem  Hacho,. ein  kurdischer Aga, der gegen den Staat  aufbegehrte, dort Zuflucht gesucht hatte. In der Folge wurde die Mor Dodo-Kirche durch die staatliche Artillerie unter Beschuss genommen und zerstört. Die zerstreuten Bewohner von Bsorino konnten  schließlich  mit  der  Unterstützung von Saruchan Aga, der auf der Seite der Regierung stand, in ihre Häuser  zurückkehren.  Die  Mor  Dodo-Kirche, in der sich die Grabstätten einiger  berühmter  religiöser  Persönlichkeiten wie Mor Dodo, Mafiryan Shemun, Mafiryan Saliba und. Patriarch Mirza des Turabdin befinden, wurde wieder aufgebaut und 1952 für den Gottesdienst  geöffnet. 


Quelle: Die Verfolgung und Vernichtung der Syro-Aramäer im Tur Abdin 1915

(vom Erzpriester Sleman Henno, ins Deutsche übersetzt von Amill Gorgis und Georg Toro)

Vergossenes Blut
(von Naaman Abdelmesih, ins Deutsche übersetzt von Amill Gorgis und Georg Toro)


Zu beziehen über:
Förder- und Entwicklungsverein Sare e.V (FEVS) - www.sare-online.com - Anprechspartner: Dipl.-Ing. Matthäus Lukas Turan
Tel: 030/ 44 05 23 03 - Fax: 030/ 44 05 23 04


Vom Zug der Zeit in den 60er Jahren bis heute

In der Folgezeit versuchten die Bewohner von Bsorino ihre Kräfte neu zu sammeln, bis sie in den 60er Jahren von der zu dieser Zeit einsetzenden Auswanderungswelle schwer getroffen wurden. So wie die Bewohner anderer Dörfer des Turabdin leben sie nun in verschiedenen

Ländern und Städten Europas, vor allem in Berlin und Ahlen in Deutschland. Heute leben 160 Menschen (22 Familien) in Bsorino. Seit 1993 werden sie seelsorgerisch von Pfarrer Tuma Begtas aus dem evakuierten Dorf Hassana und von Diakon Ayiz Bulut betreut. Für die zivilen und  sozialen Angelegenheiten des Ortes ist Mukhtar Shemun Demircan aus der Familie der Beth Gewro verantwortlich. Die Madraschto (Kirchenschule) der Mor Dodo-Kirche ist für Buben und Mädchen offen, ihre Bedeutung ist allerdings nicht mehr das, was sie einmal war.

Was hat das heutige Bsorino, von wo nur mehr zwei Mönche, drei Priester und zwei Nonnen der syrisch-orthodoxen Kirche dienen, mit dem Bsorino der vergangenen Zeiten gemeinsam, das viele geistig-religiöse  Persönlichkeiten  hervorgebracht und eine zeitlang sogar Patriarchenwahlen beeinflusst hat?

Fröhlich in der Hoffnung und geduldig in der Bedrängnis

Die heute nach der Auswanderungswelle in Bsorino zurückgebliebenen Menschen mögen bisweilen ihre Brüder und Schwestern in Europa beneiden, und doch sind sie, im Einklang mit den Worten des heiligen Paulus, fröhlich im Gedanken an ihre Hoffnung. Sie üben Geduld in der Bedrängnis. Sie sind beharrlich im Gebet und wollen Gastfreundschaft gewähren. Sie beten für ihre Verfolger. Sie freuen sich mit den Fröhlichen und weinen mit dem Weinenden; Soweit es ihnen möglich ist, halten sie mit allen Frieden (Röm 12.12-1 S)

Quelle: Die Verfolgung und Vernichtung der Syro-Aramäer im Tur Abdin 1915
(vom Erzpriester Sleman Henno, ins Deutsche übersetzt von Amill Gorgis und Georg Toro)

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 Shamun Hanna Haydo, sometimes spelled Chamoun or Schamoun (e)

(died August-1963) was a Assyrian resistance leader during the Assyrian genocide of the early 20 century. He was famous for his heroic stand against the Turkish government. He was well respected in the Kurdish communities as well, where he tried to unite secular Kurds and resist the enforcements of the Young Turks and Islamist Kurds.

Shamun was born in the Tur Abdin region of what is today Turkey, in the village of Sare. A Syriac Orthodox Christian, Shamoun was different from most Assyrians in that he was very well known among Kurds and had Kurdish friends. During World War I, Shamoun and his best friend Alike Battee together tried to unite their communities against governmental institution and oppressive Kurdish landlords.

Prior to the Assyrian genocide of 1914, he travelled to the village of Arbo with the intention to unite the Assyrians of "Beth-Rishee" region in Tur Abdin under a Christian Assyrian rule comparable to what Eastern Assyrians in Hakkari had with the Malik system. He tried to convince the two ruling family clans of Arbo, the Beth Arsan and the Beth Malkuno, to be ready to fight Islamic Kurdish landlords.

Shamoun would eventually free the Ottoman territory for Europe. Today, his grandchildren live in Germany and Holland. Many Assyrian and Kurdish songs have been written about him by musicians.

Link (History of Shamun-Hanna Haydo)

Hintergrundwissen über Dorf Sare und Bsorino - Die Familie be Hanna-Haydo

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Weitere Berichte

Shamun Hanna Haydo, from the village of Sare in Tur Abdin. A legendary assyrian from tur adin belonged to the syriac orthodox church. He was famous for his heroic stand against the Turkish government, yet he had no national or political ideas or thoughts. His best friend was a kurd ( Alike Battee), together they were not afraid of any governmental institution nor of oppressive kurdish landlords.

One of his possible nationalistic aspirations was the day he visited Arbo village ( capital of Beth Rishee in Tur Abdin) with the intention to unite the Beth-Rishee region in Tur Abdin under a christian assyrian rule comparable to the Malik system of the eastern assyrians in Hakkari before WW I. He suggested this idea to fight the islamic kurdish oppressive landlords " Hajjo" and " Tjellebiyo" who oppressed the Assyrian christians of Tur Abdin. He visited the two ruling family clans in Arbo in those days, the Beth Arsan's and the Beth Malkuno's. Habsuno beth Arsan was positive and had only one condition and that was that the other family clan should also support this idea, otherwise he said " there will be treason and we will be killed all like in the days of the Sayfo [ genocide] " . Shamun Hanna Haydo went to the leader of the other family, Hopo beth Malkuno, but this one was negative and therefor the Arboyeh did not support the idea.

The grandchildren of Shamun Hanna Haydo live in european countries ( germany, holland) and in Brazil. The Beth Haydo family enjoys fame because of this legendary person. He was supposed to survive bullets and his jacket was blessed by magic. Not only assyrians but also the kurds have sung songs about Shamun Hanna Haydo.

Alloho Mh'asele. (Matay Arsan Netherlands

Bilder von Shamun-Hanna Haydo

Hintergrundwissen über Dorf Sare und Bsorino

Diverse Berichte in pdf-Dateien aus Tur-Abdin (u.a. aus Sare sowie Bsorino

weitere Links in Türkish


Zeugenaussage über Melke Hanna Haydo - Bruder vom Shamun Hanna Haydo


Yusuf (Aho) Aygur aus Keferbe Tur-Abdin (Türkei) und seine Erzählung hinsichtlich des Massakers von 1915

"Ich bin zur Zeit 96 Jahre alt. Zur Zeit des Massakers war ich 13 Jahre alt. Ich kann mich genau daran erinnern, ich war damals Schafhirte und konnte noch kein Gewehr benützen. Damals gab es ca. 70 Suryoye Familien in Keferbe. Diese Familien gehörten einigen Sippen an. Ich kenne alle Familien. Der Name unserer Sippe lautet, Bassoka. Außerdem gab es noch die Sippen Ribasa, Zato, Komo, Usufke, Lazar, Shabo, Shiwan usw. Vor dem Massaker, war die Lebenslage noch gut, und wir hatten keinerlei Not oder Druck zu erleiden.

Beim ersten Massaker, hatten die Armenier einen Aufstand angefangen. Der Staat ließ die Kurden gegen die Armenier kämpfen. Der Krieg hatte 2-3 Jahre gedauert und die Armenier hatten verloren. Daraufhin begannen andere christliche Staaten gegen die Osmanen Krieg zu führen. Folglich nahmen die Osmanen wieder die Kurden auf ihre Seite und begannen die christliche Bevölkerung zu ermorden. Mehrheitlich haben die Kurden uns ermordet. Die Türken hatten vielmehr die Grenzen gehalten. Die russischen Truppen waren bis nach Hasankale, Bischeriye, Siirt und Deliktash gekommen. Die Osmanen waren im ersten Weltkrieg besiegt worden. Die Deutschen waren aber Verbündete der Osmanen. Das Massaker in unserem Dorf, wurde nicht von den Kurden aus diesem Dorf verwirklicht, sondern von den Kurden aus den Nachbardörfern. Zur Zeit der Mobilmachung (im Jahre 1914), hatte unsere Familie das Dorf verlassen. Zwischen April und Mai, wurden wir wieder beim Dorf sesshaft. Es gab Kämpfe zwischen den kurdischen Sippen. Diese Kämpfe hatten zur Zeit der Mobilmachung begonnen. Die Sippe Saliha kämpfte mit der Unterstützung des Staates gegen die Sippen Saruhan und Haco. Wir begegneten Soldaten in Bahnimne, Kivah, Derik und auf der Kreuzung von Keferbe. Sie kehrten gerade vom gemeinsamen Kampf mit der Sippe Saliha gegen die anderen. Sowohl die Christen als auch die Kurden aus unserem Dorf, hatten sich in Kivah niedergelassen. Wir blieben 15 Tage in Küqük Mehrav. Danach verließen wir Kivah und kehrten mit den anderen Dörflern nach Keferbe zurück.

An jenem Tag, als wir im Dorf ankamen, war bereits eine Gruppe aus Pirkanli Migare, über Kartmin gekommen. Diese Leute aus Pirkanli, hatten die Herde von Mor Gabriel gestohlen. Da sagte Halafe Shemdin zu seinem Neffen Rabiho: "Verfolge die Leute aus Pirkanli und bring die Tiere zurück."

Halafe Shemdin war ein Kurde aus Keferbe und Rabihos Onkel. Als der Hilferuf das Dorf erreichte, begaben sich alle Männer des Dorfes auf den Weg, verfolgten die Diebe und brachten die Herde nach Zinavle. Von dort gingen sie nach Bihilfe (bei Aynverd).

Das was ich gerade erzähle geschah vor dem Massaker, aber im gleichen Jahr. Die Leute aus Pirkanli, hatten sich auf der Burg von Bihilfe versteckt. Unsere Suryoye griffen die Burg an. Bei diesem Gefecht, wurden Galuäke und Usufke durch Kopfschüsse getötet und ihr Bruder am Rücken verletzt. Auch Savme Safo war am Bein getroffen. Sobald die Leute aus Saliha darüber erfuhren, gingen sie ihnen zur Hilfe. Der bereits erwähnte Rabiho aus Pirkanli, erschoss indessen seinen Neffen, der sich unter den Räubern befand.

Der Agha des Dorfes Saliha, Muhammad Amar, schickte ebenso seine 40-50 Männer, den Leuten aus Pirkanli zur Hilfe. Diese wollten durch das Dorf Hirbih gehen. Hirbih befindet sich um Norden unseres Dorfes und liegt zwischen Aynverd und unserem Dorf. Aber die Dörfler aus Hirbih, erlaubten ihnen nicht, daß sie durch Dorf gehen. Die Männer aus Saliha gingen dann hinter einem Berg von Keferbe, namens Sine Marganiye, in Stellung. Die Männer aus Hirbih sagten den Einwohner von Keferbe, daß sie den Saliha und Pirkanli Leuten zur Hilfe gekommen sind. Und unsere Dörfler sagten ihnen: "Wenn ihr die Blockade gegen die Pirkanli nicht aufhebt, dann wird keiner von euch aus Saliha überleben." Daraufhin stellten die Leute aus Keferbe den Angriff. Dann nahmen wir unsere Toten, gingen durch Zinavle und kehrten sie ins Dorf zurück. Die Männer aus Saliha, erschossen dann einen Suryoyo, namens Hanun Komo, der erst zum Kampf ziehen wollten. Am nächsten Tag, bevor die Sonne aufging und ehe wir noch unsere Toten begraben konnten, hörten wir, daß das Massaker woanders begonnen hätte.

Wir sagten den Kurden in unserem Dorf: "Wenn ihr uns helfen würdet, dann werden wir unsere Tiere und unser Zeug nehmen und im Kloster Mor Gabriel Schutz suchen."

Diese halfen uns und wir verschanzten uns im Kloster Mor Gabriel. Wir blieben ca. 3 Monate lang da, ohne angegriffen worden zu sein. 3 Monate lang blieben die Rabiho und Halef (Kurden) mit den Suryoye im Kloster Mor Gabriel zusammen. Bis eines Tages Rabiho an seinen Schwiegervater Mohammed Amar eine Botschaft verschickte: "Kommt zum Kloster, wir werden euch das Tor öffnen und dann könnt ihr alle Suryoye töten!"

Unsere Älteren, die auf das Komplott Rabihos aufmerksam wurden, gingen auf einander los. Die Frauen und Mönche mischten sich ein und beruhigten sie. Viele von ihnen waren dafür, daß Rabiho getötet werden sollte. Sie töteten ihn aber nicht, sondern teilten ihm mit, daß er das Kloster verlassen soll.

Rabiho musste gehen und mein Vater gab ihm noch 50 Tiere (Schafe und Ziegen) mit und sagte: "Nimm diese Tiere und behalte sie. Sollten wir aber diesem Schicksal entkommen, dann gibst du sie uns wieder zurück. Wenn wir aber nicht überleben, dann gehören sie so oder so dir."

Daraufhin sagt Rabiho zu meinem Vater: "Gib mir noch diesen hier, deinen Sohn, damit wenigstens er gerettet ist." Aber ich wollte nicht gehen und auch meine Mutter war nicht einverstanden.

Wir hatten besonders gute Beziehungen zu Rabxho. Nachdem er 3 Monate im Kloster geblieben war, begann das Massaker und er ging in unser Dorf. Hasan Haco machte sich zur Aufgabe Männer für seine Bande zu beschaffen und nahm auch Rabiho dazu. Die Sippe Azam und ihre Männer, vereinigten sich ebenfalls mit Hasan Haco. Die ahnungslosen Leute aus Keferbe, baten die Kurden aus den umliegenden Dörfern um Erlaubnis, damit sie ungehindert in ihre Weingärten gehen dürfen. Diese versprachen, daß ihrerseits nicht geschehen würde. Ein Teil der sich im Kloster befindlichen Suryoye, gingen gruppenweise in die Weinberge, die nahe des Dorfes lagen.

Hasan Haco und die Sippe Azam, sahen dies als eine günstige Gelegenheit und stellten sich zwischen den Dörflern und dem Kloster. Somit begann der erste Gefecht. Bei diesem Kampf wurde Goluäk Bihno getötet. Daraufhin gingen die Dörfler in Stellung. Ich war im Kloster geblieben, aber meine älteren Brüder Shemun und Malke waren nach draußen gegangen. Beide waren hinter einem hohen Hügel nahe des Klosters in Stellung gegangen. Hanuk, der Sohn meiner Tante, befand sich gleich unterhalb von den beiden. Er wurde von einem Mann, namens Muhammad Amok, getötet. Mein älterer Bruder, der das beobachtete, wollte auf Muhammad Amok schießen, aber sein Gewehr hatte Ladehemmung.

Rabiho bekam die Ladehemmung mit, nützte dies aus und erschoss meinen Bruder Shemun vom Hinterhalt. Malke, mein anderer Bruder, hielt den Mörder in Schach und rief dem herannahenden Cousin Steyfo zu. Dieser sah den getöteten Shemun und erschoss folglich den Mörder Rabiho.

Der Kampf ging sehr heftig weiter und es wurden dabei mehr als 10 Männer getötet. Als mein Onkel Hanne ins Kloster kommen wollte, wurde er von Ose Hazam aufgehalten. Und obwohl er unbewaffnet war, konnte er den Mann packen und zu Boden werfen. Daraufhin kamen die Freunde von Ose Hazam zu Hilfe und erdolchten meinen Onkel. Daraufhin kamen vier Personen an das Dorf heran, es waren Afrem Zeytin, Nisan Kavme, Garibe die Tochter von Malke Shabo und Hazme, die Tochter von Safar Komo.

Es wurde auf sie geschossen, so daß Hazme gleich starb und die anderen drei verwundet wurden. Aber später erlag auch Garibe ihrer Schusswunde. Es starben an einem Tag mehr als 40 Personen, darunter Avde Shivan und Malke Shemun. Der Angriff war bis am Abend abgeschlossen. Als am Abend die Namen der ermordeten bekannt wurden, konnte der heldenhafte Gevriye Haqe die Situation nicht mehr länger ertragen. Dieser nahm dann einige Männer mit und griff die Männer aus Saliha an, die sich noch in Stellung befanden. Die Zahlenmäßig überlegenen Männer aus Saliha, haben dann auch ihn während des Kampfes getötet.

Die offiziell zur Massaker gekommene Gruppe, zog sich nach einem Tag zurück, aber die Angriffe der Kurden aus den Nachbardörfern, gingen noch jahrelang weiter. Die Angriffe, die vor 3 Monaten gegen Aynverd begangen wurden, gingen unvermindert weiter.

Quelle: Gertrude Bell Archiv

Im Dorf Sare, hatte Malke Hanne Haydo gesagt: "Wir müssen ihnen zu Hilfe gehen. Vielleicht können wir die Soldaten von dort vertreiben."

Daraufhin versammelten sich 100 Mann und gingen in das Kloster Mor Gabriel. Guloye Gavro führte sie an. Er war aus Basibrin. Sie kamen, versammelten sich in Mor Gabriel, schickten nach Rayite eine Botschaft und verlangten Beistand, aber die Männer aus Rayite kamen nicht. Zwei Tage später hörten sie, daß die Angriffe der Soldaten auf Aynverd beendet wurden. Anderenfalls wären unsere Leute mit den Männern von Malke Hanne Haydo zusammen gegangen und an der Front gegen die Soldaten gekämpft.

Quelle: Gertrude Bell Archiv  Quelle: Gertrude Bell Archiv Quelle: Gertrude Bell Archiv

Bald nach dem Massaker, mußten wir wegen der Hungersnot alle auseinandergehen. Damals hatte sich auch die kurdische Sippe Azam im Kloster Mor Gabriel niedergelassen. Aber es gab immer noch 3 Suryoye Familien dort. Die Sippe Azam wandte sich indessen an den Staatsmann, der sich in Kartmxn befand, um die Suryoye in Keferbe ermorden zu dürfen. Der Staatsmann in Kartmin antwortete darauf: "Holt mir die Anführer von Keferbe, damit ich sie sprechen kann, und während sie unterwegs sind, stellt ihnen eine Falle und tötet sie."

Sie kamen dann und sagten Gevriye Tuma und Gevriye Äamlan, daß der Staatsmann sie sprechen will. Beide Gevriye ahnten, daß sie ermordet werden, aber sie sahen keinen anderen Ausweg, als doch zu gehen. Am Tag machten sie sich auf den Weg und nahmen noch den Sohn von Safar Komo mit. Und ich war an jenem Tag Holz fällen. Malke Hanne und seine 30-40 Mann waren zum Ort der Begegnung gekommen. Die Suryoye hatten erkannt, daß diese Begegnung eine Falle sei. Schließlich wurden sie in eine Kampfhandlung verwickelt.

Quelle: Gertrude Bell Archiv  Quelle: Gertrude Bell Archiv  Quelle: Gertrude Bell Archiv

Auch bei dieser Falle hatten die Männer aus Saliha und andere Banden der Sippe Azam Beistand geleistet. Die drei Männer aus Keferbe konnten dem Attentat entkommen. Daraufhin sagte Malke Hanne zu den zwei Gevriye: "Ihr braucht nicht ins Dorf zurückzukehren, ich werde 100 Mann zur Hilfe schicken und die Leute aus Keferbe hierher bringen. Aber alle zwei Gevriye wollten die Leute aus Keferbe nicht alleine lassen. Jedoch Malke Hanne entwaffnete sie und schickte sie weg. Als sie zurückkehrten, wurden sie bei Didele gefangengenommen.

Muhammad Amar, der Agha von Saliha, hatte dem Gevriye Tuma gesagt: "Du hattest doch gesagt, deine Augen werden meine Augen nie sehen."

Daraufhin hatte Gevriye Tuma geantwortet: "Der Staatsmann hat mir deinetwegen die Hände aufeinander gelegt (gefesselt)." Dann wurde er vom Agha Muhammad Amar getötet.

Daraufhin hatte Gevriye Shamlan zum Agha Muhammad Amar gesagt: "Töte mich nicht, wir sind doch von der selben Seite." Folglich erschoss nun Ramazan Ismail den Gevriye Shamlan um Gevriye Tuma zu rechen.

Aber schon davor hatte Gevriye Tuma zu den Aghas von Saliha gesagt, daß sie bezüglich Tahlo aus Sohrane die Augen offen halten sollen. Tahlo der Anführer der Banden, war an jenem Tag krank, während die beiden Gevriyes ermordet wurden, deshalb konnten die sie das Dorf Keferbe nicht angreifen.

Sie waren allein, weil ihr Anführer krank war. Tahlo hatte dann Ato aus Keferbe zu sich gerufen und zu ihm gesagt: "Gevriye Tuma hat zu mir gesagt, daß ich euch beschützen soll. Wenn ich gestern in der Nacht nicht in diesem Zustand wäre, so wären sie gekommen und hätten Keferbe massakriert. Jetzt gehe und sage ihnen, daß sie entweder das Dorf verlassen oder sich in ihre Kirche begeben und sich von dort aus verteidigen sollen."

Ato kehrte ins Dorf zurück, kam am Abend an, ging zu Safar Komo und teilte ihnen die Botschaft mit. Schließlich gingen wir in unsere Kirche und nahmen noch einige Sachen mit. Manche sagten dann: "Es sind nicht ein, zwei oder drei Tage. Es ist besser, wenn wir von hier weggehen." Es gab noch 10 Soldaten im Dorf, die in einem Haus stationiert waren. Die Beziehung zwischen Yahko und dem Qavuä (Unteroffizier) war gut. Dieser (Yahko) sagte: "Ich gehe und rede mit ihm, vielleicht beschützt er uns." Man sagte dem Yahko: "Geh nicht, es ist sinnlos. Egal wie lange wir bleiben, sie werden uns letztlich doch tötet."

Schließlich einigten wir uns das Dorf zu verlassen.

Aber sobald wir aus der Kirche rausgingen, öffneten sie das Feuer und es begann Blei auf uns zu Regnen. Und die Soldaten beschützten uns nicht. Nachdem wir das Dorf verließen, gingen die Familien Usefke, Safo und Zato zu Sühdüko nach Rayite. Und wir gingen dann nach Basibrin. Hanun und einige andere kamen dann am nächsten Tag nach. Wir hatten so gut wie nichts mit, außer einen kleinen Topf, einen kleinen Teppich, einer Decke auf den Rücken meiner Schwester und ich hatte das Gewehr von Galo Gerib mit. Malke hatte auch einige Kleinigkeiten mit dabei. Alles andere hatten wir zu Hause belassen. Allein in einem Lager hatten wir 20 Säcke Weizen gehabt. Die Leute aus Keferbe haben alles genommen. Wir hatten nur noch 6-7 Mecidi (osmanische Währung). Malke kaufte dann einige Säcke Weizen von den Nomaden. Damit konnten wir 10 Tage auskommen und zogen dann nach Aynverd. Von dort zogen wir einige Tage später nach Rayite weiter. Unsere Verwandten, die Safos, waren auch dort.

Wir blieben 2-3 Monate dort und dann gingen wir in die Steppe hinunter. Wir nahmen einige Säcke Lebensmittel mit und kehrten nach Bsheyire zurück. Die Leute aus Kartmin sagten den Dörflern von Rayite: "Die Leute aus Keferbe, die sich bei euch befinden, beschädigen unsere Felder. Deshalb sollt ihr sie von hier vertreiben." Daraufhin warfen sie uns hinaus und wir mußten erneut nach Aynverd gehen. Wir blieben dort 1-2 Monate, dann nahm uns der Sohn von Cemo Heshterakli wegen der Weberei auf. Wir arbeiteten also 1-2 Monate bei ihm. Mein Cousin Steyfo aber trennte sich von uns und ging nach Derkfan. Die Leute aus Saliha, die das hörten, wollten Steyfo töten. Steyfo hatte doch zuvor Rabiho getötet, deshalb wollten sie ihn rechen. Als Steyfo wusste, daß die Leute aus Derkfan ihn nicht beschützen würden, flüchtete er und ging nach Rayite und von dort nach Nusaybin. Seine Tochter war vorher gestorben und sein Sohn war schwer krank. Sie hielten sich in einer Mühle auf. Als die Mühle überflutet wurde, ertranken beide darin.

Damals war es so, wenn jemand erkrankte musste er auch Sterben. Weil niemand sich um den anderen kümmern konnte. Während dieser Zeit waren auch deutsche da und bauten die Eisenbahnlinie von Nusaybin nach Mosul. Einige Suryoye, die das Massaker überlebt hatten, arbeiteten bei ihnen. Auch wir arbeiteten eine Zeitlang dort. 6 Jahre später kehrten wir mit Hilfe von Tschelebi wieder ins Dorf zurück. Wir vertrieben dann die Sippe Azam aus dem Kloster Mor Gabriel und sorgten dafür, daß die übrigen Mönche wieder zurückkehrten."


Quelle: Die Verfolgung und Vernichtung der Syro-Aramäer im Tur Abdin 1915
(vom Erzpriester Sleman Henno, ins Deutsche übersetzt von Amill Gorgis und Georg Toro)

Vergossenes Blut
(von Naaman Abdelmesih, ins Deutsche übersetzt von Amill Gorgis und Georg Toro)

Zu beziehen über Förder-und Entwicklungsverein Sare e.V.

Anmerkung!

Man sagt, dass Mor Aphrem Barsaum (sluthe 'aman), zu seiner Zeit, noch als Bischof im Jahre 1919 beim englischen Premierminister eine Klage gegen das Osmanische Reich erhob. Folgende Tabelle soll er als Ausmaß des Schadens vorgelegt haben:

Tabelle von Mor Aphrem Barsaum 1919 an den englischen Premierminister

original siehe hier

Die Tabelle zeigt die Anzahl der zerstörten Dörfer, Kirchen, der getöteten Familien, einzelnen Aramäer und Priester.

Die Tabelle habe ich beim durchforcen des Internets nach näheren Informationen zu diesem Thema gefunden. Mehr konnte ich nicht rausfinden. Das Internet ist in diesem Fall eher dürftig ausgelegt.

Weiß einer mehr darüber?



Diverse Berichte aus Tur-Abdin (u.a. aus Sare sowie Bsorino)

Einzelne Zeugenberichte:

Erlebnisse und Berichte mancher Assyrer-Suryoye Volksangehörigen bezüglich der Massenmorde von 1915

Schleman Hanna Maskobi aus Midin/Tur-Abdin (Türkei) und seine Erzählung über die Ereignisse der Jahre 1914-1918. Hr. Schleman Hanna Maskobi hat das was er hier berichtet, nicht selbst erlebt, sondern von seinen Eltern und Verwandten gehört. Er wurde 1961 seitens Prof. Helmut Ritter in Istanbul interviewt.

Mein Name ist Schleman Maskobi, geboren 1913 in Midin/Tur-Abdin (Türkei). Die Gegend von Midin ist sehr umfangreich und von vielen Weingärten umgeben. Auf den Feldern wächst Getreide, Weizen, Kichererbsen, Linsen, Wasser- und Zuckermelonen...

Damals, im Jahre 1914, sammelte der türkische Staat Jungemänner für seine Armee. Sie kamen in die Dörfer, auch nach Midin, nahmen dabei alle jungen Männer mit und verpflichteten sie zum Militärdienst. Auch mein Vater befand sich unter denen, die zur Armee mussten und ich war erst 1 Jahr alt. Nachdem alle jungen Männer in die Armee genommen worden waren, kam 1915 die Nachricht, dass Malke Hanna sich in Basebrino befindet. Malke Hanna hatte bezüglich der Ereignisse in Midyat folgendes gesagt: "Eine protestantische Familie namens Hirmizi in Midyat wurde getötet und das Massaker gegen die Christen hat begonnen. Das ist ein Ereignis zwischen Christen und Moslems. Passt auf und tötet die Soldaten, die sich bei euch aufhalten. Nehmt ihnen die Waffen weg."

Basebrino liegt in der Nähe von Midin, und Malke Hanna hatte jemanden nach Midin geschickt und folgende Nachricht übermitteln lassen: "Sucht die Soldaten, die sich bei euch aufhalten, findet sie und nimmt ihnen die Waffen weg."

In Midin gab es 30 türkische Soldaten und sie waren in der Burg stationiert. Als die Dörfler diese Nachricht hörten, bekamen sie Angst, aber sie überfielen dennoch die Soldaten und entwaffneten sie. Die Soldaten wehrten sich nicht. Die Dörfler ließen später die Soldaten frei und sagten ihnen: "Geht, wir wollen euch nicht töten." Die Soldaten verließen dann das Dorf. Die älteren Männer des Dorfes und die kirchlichen Anführer kamen dann zusammen und beredeten diese Angelegenheit.

Das Ergebnis: "Nun sind die Soldaten fort. Sie haben Midyat verlassen und werden nach Diyarbakir gehen. Dort werden sie erzählen, was wir ihnen angetan haben. Dann wird die Behörde (Staatsmacht) kommen. Und wir können gegen die Behörde nichts machen."

Daraufhin schickten sie den Soldaten einen Mann nach und holten sie wieder zurück. Die türkischen Moslems waren sehr wütend, weil man die Soldaten zuerst entwaffnet, dann zurückgeholt und ihnen nochmals die Waffen ausgehändigt hatten. Die Soldaten wurden dann im Hause Be Tschello untergebracht. Als es Nacht wurde, gingen manche der Soldaten zu den Kurden. Rund um Midin gab es viele kurdische Dörfer. Die türkischen Soldaten haben den Kurden folgendes gesagt: "Seid mit uns! Wir wollen gemeinsam die Leute (Christen) aus Midin töten! Dann könnt ihr das Dorf plündern und nehmen was ihr braucht!"

Die Kurden benachrichtigten ihre Männer und bei Nacht weckten sie die Soldaten auf, die noch im Hause Be Tschello waren. Als die Dörfler am Morgen aufwachten, wurden sie von allen Vier Seiten unter Beschuss genommen. Die Dörfler versuchten, sich aus der Burg, aus dem Hause Adday und aus der Kirche zu wehren. Diese große Kirche war wie eine Burg. Aber die Burg von Midin war auf so einem Platz errichtet worden, dass man von hieraus die ganze Gegend sehen konnte.

Alle Kurden aus der Umgebung waren gekommen. Und die Christen aus den nahegelegenen Dörfern, hatten sich alle in dieser Burg verschanzt. In der Mitte des Dorfes, gab es einen Teich und im Hof der Kirche Mar Yakup, befand sich ein Wasserbrunnen. Deshalb erlitten die Menschen, die dorthin gekommen waren, keine Wassernot.

Die Kurden und die türkischen Soldaten hielten Midin 10 Tage lang umzingelt, aber sie konnten es nicht einnehmen. In der letzten Nacht griffen sie von allen Seiten an, jedoch mit Hilfe Gottes, wurden alle ihre Anführer getötet. Es wird erzählt, dass in jener Nacht 30 kurdische Agha (Anführer) getötet worden seien. Am nächsten Tag stellten die Menschen in Midin fest, dass niemand mehr da war. Keine Kurden und keine türkischen Soldaten.

Es wurde dann beraten, was nun zutun wäre. Und die älteren Männer kamen zum Entschluss und sagten: "Basebrino wird in diesem Krieg nicht fallen. Aber wenn es ein Massaker gibt, dann wird das Dorf Azach verlieren. Für uns wäre es besser, wenn wir Midin verlassen und nach Basebrino gehen. Wir können mit den anderen Christen dort besser Widerstand leisten."

Sie schickten jemanden zum Malke Hanna, um zu erfahren, was er gedenke. Malke Hanna erwiderte so: "Kommt gleich! Wir sind bereit, alles was wir besitzen mit euch zu teilen, bis wir diesem Massaker entkommen sind."

Als es Nacht wurde, verließen alle das Dorf Midin. Sie belasteten ihre Maultiere so viel sie tragen konnten, schulterten selber manches auf und machten sich auf den Weg. Auch Frauen und Kinder trugen was konnten. Außerdem wurde auch die Herde mitgenommen. Somit marschierten sie bei Nacht einen Weg, der von Midin bis Basebrino 4 Stunden dauerte. Sie kamen in Basebrino an, ohne von den Kurden entdeckt worden zu sein. Die Kurden, die es mitbekommen hatten, dass die Leute aus Midin geflohen seien, versuchten den Weg zu schneiden, aber sie konnten lediglich 3 oder 4 alte Männer töten.

Sie lebten eine Zeitlang alle gemeinsam in diesem Dorf. Aber schon bald wurde das Lebensmittel knapp, weil zu viele Menschen da waren. Sie haben keine andere Wahl mehr gesehen, als einige Überfälle zu organisieren, um die Tiere der Kurden zu stehlen. Indessen versuchten die Kurden von der hinteren Front die Christen zu erschießen.

Die Nachricht bezüglich der Lage im Dorf, war in Midyat schon bekannt geworden. Die Behörde schickte daraufhin eine Gruppe von 30 Mann zu Malke Hanna, der Hanna Haydos Sohn war. Die Gruppe erbrachte folgende Mitteilung: "Wir, als Staatsgewalt, wolle euch mit diesen 30 Soldaten gegen die Kurden verteidigen." Malke Hanna glaubte der Mitteilung und erlaubte den Soldaten, sich in der Kirche Mar Dodo niederzulassen. Er ging jeden Tag zu ihnen in die Kirche und spielte mit ihnen Karten.

Der anwesende Offizier gab später den Soldaten folgenden Befehl: "Wenn Malke hierher kommt, dann nimmt eure Gewehre und tötet ihn!" Aber als Melke kam, befolgten die Soldaten nicht dem Befehl. Und so vergingen Wochen. Als Malke Hanna eines Tages wieder beim Offizier war, suchte sich der Offiziere eine Ausrede, ging hinaus und sperrte hinter sich die Türe zu. Der Raum hatte keine Fenster und es gab daher keinen anderen Ausgang. Und die Türe war sehr massiv. Der Offizier befahl den Soldaten, dass sie Stroh besorgen und es anzünden sollen, damit Malke im Rauch ersticke. Diesmal gehorchten die Soldaten, zündeten das Stroh und schoben es unterhalb der Türe in den Raum durch. Malke Hanna hatte zu husten begonnen und konnte sonst nichts machen. So wie es in den Kirchen üblich ist, befand sich in der Ecke im oberen Teil des Raumes ein Luftschacht. Von hierdurch konnte man aufs Dach gelangen.

Es gab auch Bettgestell im Raum. Malke stieg auf dieses Bettgestell und versuchte aufs Dach zu klettern, um sein Leben zu retten. Aber er konnte den Deckel des Kamins nicht öffnen. Die Soldaten hatten vermutet, dass sich im Raum etwas abspiele. Sie öffneten die Tür und gingen hinein. Sie sahen das Bettgestell und den offenen Kamin. Sie nahmen dann das Gestell hinaus, häuften im Raum Stroh auf und zündeten es an. Dann gingen sie wieder hinaus und versperrten die Türe hinter sich. Malke Hanna versuchte weiterhin vergeblich den Deckel des Kamins zu öffnen. Als er einsehen musste, dass der Deckel nicht aufgeht, sprang hinunter, ohne zu wissen, dass die Soldaten das Bettgestell entfernt hatten. Es war Erde auf den Boden gefallen und das Gewehr im Schacht hängen geblieben. Ein Weilchen später musste Malke durch den Rauch ersticken und so sterben.

Die türkischen Soldaten hatten in dieser Zeit folgende Nachricht den Kurden übermittelt. "Wenn wir aus Dach der Kirche Mar Dodo in Basebrino steigen und einen Schuss abfeuern, greift das Dorf von allen Seiten an!" Nachdem der Herr des Dorfes Malke Hanna gestorben war, stiegen sie aufs Dach der Kirche und gaben das Zeichen, wie sie es angekündigt hatten. Die Kurden griffen sofort das Dorf an und die Soldaten öffneten das Feuer von der Kirche aus auf die Christen. Später dann drangen die Moslems in das Dorf und nahmen alle Männer gefangen. Sie banden ihnen die Hände und brachten sie in ein großes Gebäude. Dort standen sie bei der Tür, begannen zu schießen und töteten einen nach dem anderen.



Quelle: Die Verfolgung und Vernichtung der Syro-Aramäer im Tur Abdin 1915
(vom Erzpriester Sleman Henno, ins Deutsche übersetzt von Amill Gorgis und Georg Toro)

Vergossenes Blut
(von Naaman Abdelmesih, ins Deutsche übersetzt von Amill Gorgis und Georg Toro)


Zu beziehen über:
Förder- und Entwicklungsverein Sare e.V (FEVS) - www.sare-online.com - Anprechspartner: Dipl.-Ing. Matthäus Lukas Turan
Tel: 030/ 44 05 23 03 - Fax: 030/ 44 05 23 04

Das Land Mesopotamien wurde Zeuge der  fortschrittlichen Zivilisation und Kultur, welche unser Volk geschaffen hat. Gleichzeitig wurde es jedoch auch Zeuge wie Massaker und Völkermorden über ihn gekommen sind. Das Land Bethnahrin, das mit dem Blut der unschuldigen Märtyrer des Assyrer-Aramäer-Chaldäer-Suryoye Volkes so sehr ertränkt wurde, so dass sich die Erde mit diesem Blut rot färbte.

Zeitalter hindurch, nachdem seine letzten Imperien von Assur und Babil, die seine grossen Stützen/Rückgrat waren, ist unser Volk durch die Angriffe und Unterdrückung der herrschenden zum Opferlamm gegenüber den Regierenden, welche das Land Bethnahrin beherrschten, geworden.  Jede Macht, die aufgetaucht ist, hat uns ausgeraubt, jeder Herrscher der gekommen ist hat uns unterdrückt, jedes Reich, das über uns herrschte, hat an uns Massaker und Völkermorde begangen. Und auf Grund dieser Massaker und Völkermorde hat sich die Zahl unseres Volkes von  vielen Millionen  auf so sehr verringert, dass es heute am Aussterben ist.

Besonders die Völkermorde in den letzten zweihundert Jahren haben unser Volk aus den Wurzeln hinaus entrissen. Ausser diesen grossen und bekannten Völkermorde , hat unser Volk viele unzählbare regionale Massaker erlitten. Unser Assyrer-Suryoye Volk  hat sich  unter schwersten Umständen am Leben erhalten und seine Identität bis heute beibehalten. Aber wenn man die politischen, militärischen und ökonomischen Verhältnisse jener Zeit nicht verstehen und analysieren kann, so kann man dem heutigen Leben keinen Sinn zuordnen/beimessen.

Nach den Kenntnissen und den uns vorliegenden Informationen aus den Dokumenten, wird überliefert, dass es im 17. Jahrhundert 72.000 Nestorianisch-Chaldäische Familien, 700 Syrisch-Katholische Familien und 30.000  Suryoye Familien im irakischen Teil Bethnahrins gegeben hat. Alles in allem machen es zusammengezählt 102.700 Assyrer-Suryoye Familien.

Nach dem Massaker des 15. Dezember des Jahres 1895, welches sich in Omid und Urhoy sowie den näheren Umgebungen ereignet hatte, lebten 35.000 Familien im Tur-Abdin, Beth Zabday und in Mardin, 20.000 Familien in Omid und in 17 der umliegenden Dörfer, 40.000 Familien in Urhoy,  Antakya und Umgebung sowie 20.000 Assyrer-Suryoye im Hakkari. Desweiteren gibt der russische Professor Leyan, nachdem er die Türkei bereist hatte, bekannt, dass es im Jahre 1915 vor Beginn der Massaker 941.000 Assyrer-Suryoye innerhalb der Grenzen des Osmanischen Reiches gegeben hat.

Die Zahl der bei den bekannten Massaker und Völkermorden der letzen 150 Jahren umgekommenen Assyrer-Suryoye sind wie folgt bekannt:

Bei den von Bedir Khan begangenen Massaker in den Jahren 1843 bis 1845 waren bis zu 50.000, beim Massaker 1850 bis zu 100.000, bei den Massaker in Omid und Urhoy des Jahres mehr als 20.000, beim Massaker 1909 waren 3.000 und beim grössten Völkermord der Jahre 1915 bis 1918 wurden 500.000 Assyrer-Suryoye, abgeschlachtet und massakriert worden. Infolge dieser Völkermorde ist unser Volk zu Hunderttausenden geflüchtet

Vieler dieser Völkermorde wurden in Folge der Ausrufung der heiligen Kriege durch die Osmanische Herrschaft begangen und auch die Kurden, denen man Versprechen machte, wurden für diese Sache gewonnen und in Aktion gesetzt. Die Hamidiya Einheiten in der osmanischen Armee, welche von den Kurdischen Feudalherrschaften gebildet wurden, sind ein Beispiel dafür. Ziel der Festsetzung dieser Hamidiya Einheiten war es im einen im positiven Sinne die vorherrschende islamischen Politik innerhalb der Grenzen des Osmanischen Reiches fester zu etablieren und im anderen sich negativ auf die christlichen Völker, welche dabei waren sich zu organisieren und auf eigene Beine zu stehen, zu wirken. Um das Fortschreiten und all das, was daraus folgen könnte, aufzuhalten, mussten die christlichen Völker, wie wir Assyrer-Suryoye, das Armenische Volk und das griechische Pontus Volk entweder vernichtet oder zumindest mit Gewalt zum Islam bekehrt werden wie auch ihren Einfluss auf das gesellschaftliche Leben zu verringern. Die Hamidiya Einheiten waren es schliesslich, welche den Plan des Massakers von 1915 in die Tat umsetzten und somit den grössten praktischen Teil zur Ermordung beitrugen.

Das bitterste und traurigste Genozid, welches in die Geschichte unseres Volkes einging, war jenes des Jahres 1915. Dieses Massaker, welches  grosse und tiefe Wunden im Gedächtnis unseres Volkes hinterlassen hat, wurde durch Erzählungen und die Geschichten, durch die  Gedichten und schriftlichen Überlieferungen wurde auch in die Gedächtnissen unserer Jugend lebendig gemacht. Es ist undenkbar das jemand dieses an unser Volk begangenes Massaker  vergiesst.

Im Monat Juli des Jahres  1914 begann der 1. Weltkrieg. Nachdem sich dieser Weltkrieg ausweitete, hatte die Weltgeschichte eines der blutigsten Völkermorde durchlebt. Aus Angst, die östlichen Gebiete ihres Reiches an die dort ansässigen christlichen Völker, wie unser Assyrer-Suryoye Volk und das Armenische Volk, zu verlieren, begann das Osmanische Reich ihre Vernichtungspläne in die Tat umzusetzen. Mit der Umsetzung dieses Vorhaben wollte sie auch ihr turanistisches Gedankengut weitervermitteln. Dieser Gedanke sah es vor die Turkvölker in Asien mit den in Anatolien lebenden Türken zu vereinen. Jedoch stellten die christlichen Völker, welche im Osten des Osmanischen Reiches ansässig waren, für die Ziele der  Turanisten ein Stolperstein dar. Der erste Weltkrieg war dann auch eine willkommene Möglichkeit, um dieses Problem aus dem Weg zu schaffen. Für dieses Massaker, das vom Kalifat der Moslems, welche die Herrschaft über das Osmanische Reich inne hatte, feierlich verkündet wurde, wurden die Christen allgemein zu Vaterlandsverrätern erklärt sowie ihre Ermordung als heilig und ehrenhaft für alle Moslems propagiert.

Genau zu der Zeit, an der dieser Krieg zunehmend schlimmer wurde, ist aufgrund des  Befehls von Cemal, Taalat und Enver Pascha, welche zu jener Zeit die politischen Führer des Osmanischen Reiches waren, mit dem Völkermord an die dort lebenden Christen begonnen worden. Das Deutsche Reich war ein Bündnis mit dem Osmanischen Reich eingegangen, damit die dem Osmanischen Herrschaft untertänigen Christen nicht die Russen, Briten und Franzosen helfen und unterstützen sollten. Das Deutsche Reich hatte den Völkermord gebilligt und seine Augen vor dem Gemetzel verschlossen und auf blind getan.

Als das Massaker in Gang gesetzt wurde, war unser Assyrer-Suryoye Volk nicht organisiert. Die herrschenden Despoten kreisten  wie die Wespen um unser Volk, mit dem Ziel es bis hin zu den Wurzeln auszurotten. Viele Assyrer-Suryoye wurden auf eine Art geschlachtet, als seien sie der Menschheit und der Menschlichkeit unwürdig. Viele wurden enthauptet, jene die sich in den Kirchen versteckten wurden kurzerhand verbrannt. Frauen und Mütter wurden vergewaltigt. Mädchen und Kinder wurden wie Beute geraubt und entführt. Die skrupellosen und blutdürstigen Ausbeuter kannten keine Grenzen, keine Hemmschwelle. Mord, Hängen, Vergewaltigungen, Plünderungen, Raub, Verrat und Blutvergießen....

”Die Geistlichen, welchen sie die Nasen durchbohrten und so angekettet durch die wurden durch die Straßen von Omid und Midyat geschleift; Kirchen und Klöster wurden willkürlich in Brand gesteckt; Frauen wurden von Dutzenden Männer vergewaltigt; den schwangeren Frauen wurde der Bauch aufgeschlitzt und deren Föten zuerst an den Speerspitzen gespießt und danach auf die Mauern geschleudert; die Jungen Mädchen sprangen von  Bergen und Schluchten, um dem Feind nicht in die Hände zu fallen; wer kann dieses vergessen?  Wer setzt sich nicht ein, deren Tod zu sühnen? Wer ist Manns genug ihnen die verdiente Ehre zu verweigern? Welcher Waise schwört nicht vor ihnen? Mit diesen Worten beschrieb der Mönch Ishaho des Klosters Mar Evgin den Völkermord und das Gemetzel, welches unserem Volk widerfahren ist: weiter fügte er an:” Gott möge so etwas über unseren Feinden nicht zukommen lassen.

Bei diesem Massaker, welches sich vom Frühling bis zum Herbst des Jahres 1915 hinzog, wurden mehr als 500.000 Assyrer-Suryoye erbarmungslos ermordet. Viele Zehntausende waren verdammt ein Leben in den Flüchtlingslagern zu führen, wiederum Zehntausende waren gezwungen ihre Heimat zu verlassen. Dutzende Städte des Assyrer-Suryoye Volkes wurden zerstört und hunderte Dörfer, Kirchen und Klöster in Ruinen verwandelt. Das Hab und Gut wurde gewaltsam entrissen.  Bis hin zu den Toten, die auf den Wegen, Straßen und Gassen lagen, hatte man bestohlen.

Was ist aus den 153.000 Assyrer-Suryoye, welche in Hakkari und Umgebung lebten, geworden, wo sind sie? Was ist aus Sivas und den 25.000 Assyrer-Suryoye geworden? Wo sind die Sechzigtausend, welche in Omid ihr Zuhause hatten, geblieben? Wo sind sie hin, die Achtundneunzigtausend, welche in Van lebten? Und wo sind die 250.000 Assyrer-Suryoye, die in der Region der Berge der Knechte Gottes ”Tur-Abdin”, was ist aus ihnen geworden?

Dieses Massaker fegte wie ein Wirbelsturm über das Assyrer-Suryoye Volk hinweg. Sein Rückrad wurde gebrochen und mit einem Bein in das Grab der Geschichte gelegt. Unser Assyrer-Suryoye Volk konnte trotz der Unbarmherzigkeit und Blutrünstigkeit der Angreifer an einigen Orten großen Widerstand leisten, das unser Geschichte gerecht ist, und sich damit am Leben halten: Hewardo, Hah, Bsorino und Mor Malke sind einige dieser genannten Orte.

Über diesen Völkermord, das an unser Volk begangen wurde, ist Jahre lang nicht mehr gesprochen worden. Das Osmanische Reich wurde nicht angeklagt und belangt, so das sie als Türkei ihr Dasein weiterführt. Von dieser Tatsache ermutigt, fährt die Republik der Türkei mit ihrer Politik der Unterdrückung und Vernichtung gegenüber dem Assyrer-Suryoye Volk fort. In den letzten 10 Jahren wurden bis zu 45 ausgewählten Personen unseres Volkes von der Hand  der unsichtbaren und paramilitärischen Einheiten des Staates  ermordet. Und diese Morde sind weder die Ersten noch sind sie die Letzten.

Für was floß das Blut der Kinder und Alten in den Straßen und Gassen;  warum wurde  Müttern und Schwangeren der Bauch aufgerissen und der Fötus an die Wand geschleudert sowie  ihre unschuldigen Kinder massakriert; Weshalb wurden die Mädchen und jungen Frauen gewaltsam entführt; Warum wurden die leblosen Leiber der Märtyrer auf die Wege und Straßen geworfen, so daß sie Nahrung für die Vögel des Himmels wurde; warum all dies?? Nicht weil sie Revolutionäre jedoch aber weil sie Chaldäer waren. Und nicht weil sie in der ”Mtakasto” waren, jedoch aber weil sie  Aramäer waren. Nicht weil sie vom ”Zawco” waren, jedoch aber weil sie Suryoye waren, wurden sie ermordet. Nicht weil wir von den Revolutionären, der Mtakasto oder Zawco sind, müssen wir all diesen Märtyrern gedenken, sondern weil wir Assyrer-Aramäer-Chaldäer-Suryoye sind, gerade deswegen müssen wir die Märtyrer ehren.  Kurz gesagt, gerade weil wir Menschen sind, müssen wir diesen Märtyrern gedenken.

Die Möglichkeit am Leben zu bleiben ist durch den nationalen Befreiungskampf in den Bergen Bethnahrins und in den Städten Europas von der Patriotischen Revolutionären Organisation Bethnahrin gegeben worden. Das Einnehmen einer Stellung und Aufgabe im Nationalen Befreiungskampf ist für all die eine Pflicht und Aufgabe, die sagen: ”Wir sind Menschen  haben Rechte und wollen am Leben bleiben.”

Jugend von Tur Abdin/Bethnahrin/Suryoye, werde dir bewußt, das daß Weiterleben als Volk vom Erlangen seiner Rechte abhängt. Es ist abhängig vom nationalen Befreiungskampf und den Kampf und die Mühe den Du gibst. Dann können wir sagen: ”Das Assyrer-Suryoye Volk wird nicht mehr sterben, es wird nicht mehr sein Haupt vor den anderen Völkern beugen und seinen Platz in den Reihen der Völker annehmen.

Die Jugend von Tur-Abdin / Bethnahrin /Suryoye, wirst das Erbe des Widerstandes antreten, welche die geehrten Märtyrer und Helden wie: Gello Sabo, Marika d`Be Keco, Meshud Mzizahi, Semhune Hanne Haydo, Hanna Maqdisi Camune und Isoh Hanne hinterlassen haben sowie das was sich die Hazhoye gegenseitig geschworen und gesagt hatten: ” Lieber sterben wir einen heldenhaften Tod, als das wir unehrenhaft sterben.” Jugend von Bethnahrin, DU wirst dieses Erbe antreten!

Quelle

Diverse Berichte in pdf-Dateien aus Tur-Abdin (u.a. aus Sare sowie Bsorino


Anmerkung!

Man sagt, dass Mor Aphrem Barsaum (sluthe 'aman), zu seiner Zeit, noch als Bischof im Jahre 1919 beim englischen Premierminister eine Klage gegen das Osmanische Reich erhob. Folgende Tabelle soll er als Ausmaß des Schadens vorgelegt haben:

Tabelle von Mor Aphrem Barsaum 1919 an den englischen Premierminister

original siehe hier

Die Tabelle zeigt die Anzahl der zerstörten Dörfer, Kirchen, der getöteten Familien, einzelnen Aramäer und Priester.

Die Tabelle habe ich beim durchforcen des Internets nach näheren Informationen zu diesem Thema gefunden. Mehr konnte ich nicht rausfinden. Das Internet ist in diesem Fall eher dürftig ausgelegt.




Auf Türkisch:

1850-1950 yillari arasi Turabdin'de Heverka ve Mala Osmên -2

Ali Battê yalniz Heverkalilari degil komsu asiretleri de yönetmeye basladi. Ulusalci birçok asiret reisi tarafindan ziyaret edilerek gittikçe büyük bir destek buluyordu. Mardin'in yerli esrafi ile olumlu görüsmeler yapti; çogunun destegini aldi

MUSTAFA ALDUR

1917 yilinda Ali Batte vê Samun Harput cezaevinden kaçarak Midyat'a geldiler. Anlatilanlara göre cezaevindeyken asiret reisleri ile anlasmali olarak kaçip Kürdistan'in kurtulusu için silahli bir isyan baslatilacakti ve tutuklu asiret reisleri de mensup olduklari asiretlerle isyani dektekleme sözünü vermislerdi.

Ali idamla yargilanmisti. Ancak devlet çok karmasik bir dönemden geçiyordu, Dünya Savasi'ndan yeni çikmis, perisan bir durumu yasiyordu. Bu nedenle Midyat'taki hükümet yetkilileri, Ali Battê'nin üzerine gitmeyi göze alamadi.

Dört yil süren Dünya Savasi Kürdistan'i çok tahrip etmis ve zayif düsürmüstü. Savasin son iki yilinda açlik ve hastalik Kürdistan'in her tarafinda korkunç bir sekilde sürmüs, feci yaralar açmisti. Ermeniler katliamdan geçirilmis, Tor Abidin bölgesinde Süryanilerin çogu öldürülmüs, halk kitlik ve sefalet içinde yasiyordu.

Ali Battê yalniz Heverkalilari degil komsu asiretleri de yönetmeye basladi. Ulusalci birçok asiret reisi tarafindan ziyaret edilerek gittikçe büyük bir destek buluyordu. Mardin'in yerli esrafi ile olumlu görüsmeler yapti; çogunun destegini sagladi, ancak Haco III hala Harput cezaevinde tutuklu idi ve idamla yargilaniyordu. Disarda olsaydi amcasioglu Ali Battê'ye yardimda bulunacagi gibi karsi konulmaz bir güç teskil edeceklerdi.

Türk devletine karsi bir isyani baslatmak için birçok asiret reisinin destegini almasina regmen, bütün Kürdistan'da oldugu gibi Mardin bölgesinde de Kürdün Kürde karsi kin ve nefreti söz konusu idi. Bazi asiret reisleri tamamiyle bu isyana karsiydi ve devletten yana tavir sergilemekteydiler.

Ali Battê: Öncü kisilik

Birçok Hiristiyan, Türk otoritesinin uyguladigi baskiya dayanamayarak Ingiliz güçlerine siginmaktaydi. Türk devleti için bütün Hiristiyanlar Avrupalilarin ajani, provaktörüydü.

Ingilizlerin Halep mintikasi sefi Ali Battê'ye bir mektup göndererek otoritesi altinda bulunan Hiristiyanlarin güvenliklerinin saglanmasini arz etmisti. Midyat'in Estel kesiminde birçok asiret reisi ve taninmis kimseler bir araya gelerek Tor Abidin bölgesinde Hiristiyanlara bir darbe vurmak ve onlari devlet istegi dogrultusunda bu bölgeden çikarmak fikrinde birlestiler. Ancak Ali Battê bu toplantiya karsi çikarak, "Her kim ki Hiristiyanlara karsi bir eylemde bulunursa beni karsisinda bulacaktir'' deyip, toplantiyi dagitmistir.

Bundan olsa gerek Türkler, Ali Battê'yi Ingiliz ajani olarak nitelendirmektedirler.

Yöre halki üstü kapali bir sekilde baskan Wilson'un sartlarinin kabul edilmesini ve bir baris konfaransi ile kendi istemlerinin devlet yonetimine prensip olusturmasini arz ettiler. Ali Battê, Diyarbekir'de bulunan (1917, Diyarbekir'de ordu kumandani) Mustafa Kemal'e bir mektup göndererek, Kürdistan'dan elini çekmesini ve yapilacak bir katliamdan devletin sorumlu olacagini bildirdi.

Mart 1919'de Ali Battê Suriye tarafina geçerek Hamza Aga (Haci Silêmana asireti reisi) ve Arab Taya asiret reisi Seyh Mihemed ile görüserek Türk devletine karsi yapilacak isyanda onlardan destek sözünü aldiktan sonra tekrar Nusaybin'e geri döndü. Nusaybin'de bulunan devlet memurlari halka baski yaptiklarindan, onlari kontrol altina aldi. Halkin istegi üzerine Nusaybin kaymakamindan tutuklularin serbest birakilmasini istedi.

Bu istege karsi kaymakam "Vilayetten izin istemem gerekir, aksi takdirde onlari birakamam'' dedi.

Quelle: Gertrude Bell Archiv

Ali Battê buna itiraz etti. "Bu insanlar suçsuz ve yoksuldur, birakin ailelerine dönsünler." Fakat kaymakami razi edemedi. Kaymakam ileri bir tarihte tutuklulari salacagini söylediyse de Ali Battê onu dinlemeden, Semun ile birlikte Nusaybin cezaevinin kapisina geldi.

Semun tehlikeyi fark etmisti. Çünkü yapilacak baskaldiri için yeterli hazirliklar yapilmamisti. Almanlar, Türk yetkililerden, Nusaybin-Bagdat demiryolu ihalesini almisti. Ve demiryolunun dösenmesi de Ali ile Semun'un kontrölünde yapiliyordu. Ingilizler de Nusaybin-Bagdat demiryolu ihalesi pesindeydi. Bu demiryolu ihalesinin Almanlarin elinde olmasi, Ingiliz hükümetini gücendiriyordu.

Semun, Ali Battê'ye cezaevini açmamasini tavsiye ettiyse de dinletemedi. Ali, gardiyanlardan tutuklularin serbest birakmalarini istedi, gardiyanlar buna yanasmayinca yaninda bulunan silahli adamlari ile birlikte cezaevinin tüm kapilarini kirdirtarak 11 Mayis 1919 günü tutuklulari serbest birakti.

Ve isyan basliyor...

O sirada Kürdistan'da, merkezi Diyarbekir'de bulunan 13. Kolordu vardi. Nusaybin kaymakami Midyat'ta bulunan 24. Dag Alay Komutanligi'ndan yardim istedi. Ancak 24. Alay Heverkalilar tarafindan sarildi. 12 Mayis 1919 günü, 5. Tümen Komutanligi isyan bölgesine yeni kuvvetler gönderdi.

Ali Battê ve arkadaslari Nusaybin kislasini basarak kaymakam ve savciyla birlikte içinde bulunanlari rehin aldilar, halka zarar gelmesin diye, sehir etrafindaki çemberi yararak Omeriya daglarina dogru çekildiler.

Quelle: Gertrude Bell Archiv

Daglara vardiktan sonra kaymakam, savci, asker ve devlet memurlarini serbest biraktilar. Tinat köyünde Habezbeni ve Omeriya asiret reisleri ile görüstü, onlardan devlete karsi birlikte koymalarini istedi fakat onlari razi edemedi. Çünkü devlet zayif olmasina ragmen Kürtlerin çogu hala devletten korkuyordu.

Sabahin erken saatlerinde yogun top atislari altinda Heverkalilar çarpismalara devam etti. Heverkalilarin diger asiret reisler (Hitto, Omerê Sêro, Mihame'yê ælo, Alikê Segvên Osê Azam ve digerleri) yardima gelerek çarpismalara katildi. Semunhe Hanne Haydo topu kullanan subayin üzerine hücum ederek onu öldürdü ve topu asagiya dogru yuvarladi. Heverkalilar büyük moral kazandi. Çarpismalar Omeriya bölgesinde 20 gün araliksiz sürdü.

Ali Battê askerlerini Midyat'a dogru çekti. Midyat sokaklarinda gögüs gögüse çarpismalar yasandi, her iki taraftan da çok kisi vuruldu. 6. Alay ve bölge halkindan toplanan binlerce devlet milis müfrezesi Heverkalilarin üzerine yürüdü. Ali Battê kendi köyü olan Mizizax'a çekildi ve burada savunma durumuna geçti. Ancak Çelebi Aga cezaevinden serbest birakilmis, Saroxan II ile birlikte devletin yaninda yer alarak karsi saldiriya geçmisti. Deksuri asiretlerinin çogu Çelebi'nin yaninda yer aldi. Yogun çarpismalardan sonra Mizizax köyü top atesine tutuldu. Battê köyü terk etmek zorunda birakildi.

6. Alay komutani Binbasi Nuri Pehlivanzade Midyat'ta bir bildiri yayarak hükümetin yalniz Ali Battê'yi takip ettigini, asiretlerin kendisine yardim etmedigi taktirde kimseye dokunulmayacagini ilan etti.

Devlet güçleri firsati ellerine geçirmislerdi. Bazi asiret reislerine silah dagitarak milis güçlerinin sayisini artirdilar. 17 Agustos 1919'da Cehennem deresinin kenarinda yer alan Midih köyünün çevresi devlet ve Deksuri asiret kuvvetleri tarafindan sarildi. Çarpismalar gün boyu sürdü. Ertesi günün aksaminda (18 agustos 1919) Ali Battê vurulduktan sonra cesedi Midyat'a getirilerek hükümet konaginin önünde kasap çengellerine asildi. Bir hafta bekletildikten sonra akrabalari tarafindan altin karsiliginda alinan ceset Mizizax köyü mezarligina gömüldü. Heverka asiretlerinin birlik ve beraberligi tekrar bozuldu.

1925-Seyh Sait Isyani ve Haco

1925 yili Subat ayinda baslayan Sêx Said hareketini organize eden ve Kürdistan'da 23 subesi bulunan Azadi örgütüdür. Kürdistan'in her bölgesindeki, (Botan, Garzan ve Midyat) asiret reisleri ve taninmis etkin sahsiyetlerle tamas kurup isyani bütün Kürdistan'i kapsayacak sekilde en ufak noktasina kadar planlayan Azadi örgütü, çalismalarini Mardin ve Midyat bölgesinde de sürdürmüstür. Haco III, yöredeki önemli sahsiyetlerle toplanti düzenleyerek, birlikte harakete katilacaklari hususunda and içmislerdi.

Beytüssebap isyani ve isyanin planlanan tarihten önce patlak vermesi Sêx Said isyanini etkileyen önemli bir etkendir. Isyan planlanmisti. Haco bu durumda ikincil bir rol oynayabilirdi, bu nedenle beklemeye karar verdi.

Devlet ise bos durmayarak asiretleri isyanin üzerine saldirtmaya çalisti.

Haco 3000 kisilik (Müslüman, æzidî ve Süryanilerden olusan) silahli bir güçle Diyarbekir'e yöneldi. Amaci Diyarbekir'de Sêx Said kuvvetleri ile birlesmekti. Midyat'tan çikarken, Diyarbekir'e kadar devlet güçleri ile çarpisip zaman kaybetmek istemiyordu. Bütün adamlari tembihliydiler.

Haco henüz Diyarbekir'e varmadan Adana'dan Sark Ekspresi ile Mardin'e indirilen Naci Pasa kumandasindaki kolordunun siddetli taarruzu sonucunda Sêx Said Efendi'nin kuvvetleri tutunamamis, güneyden kuzeye dogru çekilmislerdi. (Zinnar Silopi Doza Kurditan s.89)

Diyarbekir'e varmadan Sêx Said kusatmasinin kalkmis oldugu ve kuzeydeki daglara dogru çekildigi haberini almasina ragmen, yardim için Haco kuvvetlerini Siverek yönünden Diyarbekir'e sokmayi amaçliyordu. Fakat burada da devlet güçleri ve devlet yanlilari tarafindan engellendigi için geri dönmek zorunda kaldi.

Türk devleti Haco'nun devlet yanlisi degil Sêx Said yanlisi oldugunun farkina varmisti. Siverek'te devlet güçlerine karsi çarpismisti.

Sêx Said tutuklandiginda Haco da mahkemeye çagrildi, devlet Sêx efendinin ifadesine basvurup Haco'yu idam etmek istiyordu.

Istiklal mahkemesi savciliginin, "Haco'yu taniyor musun, size yardim etmis midir?" sorusuna karsilik Sêx Said efendi: "Hayir ben o insani tanimiyorum, diyorlar ki Haco ve asireti æzidi olup bize karsi savasmis'' seklinde beyan veriyor. Ancak bu beyan Haco ve arkadaslarini Istiklal Mahkemesi'nin serrinden korumak için söylenmistir.

Ingiliz ve Fransiz kaynaklarinda da, Sêx Said hareketinin en büyük desteginin Haco önderligindeki Heverka güçleri oldugu belirtiliyor.

Sêx Said Efendi'nin kardesi Mihamed Mihdi mücadeleye devam etmek için Irak'tan Suriye'ye, Haco'nun yanina gitmek istiyordu. (Cigerxwin Jînenîgeriya min s.164)

Melle Cuma'nin da anlattigina göre Sêx Said tutuklanmadan önce Haco'ya bir mektup göndererek yarim kalan mücadeleye devam etmesi tavsiyesinde bulunmustu.

Haco, Fransiz güçlerle çatisiyor

1920 tarihinde Fransizlar Suriye'yi isgal ederek Osmanlilardan aldilar. 1924'te simdiki kuzey Suriye'de otoritelerini güçlendirerek El-Cezira mintikasina kadar el attilar ancak Osmanli devleti buradan Fransizlari geri püskürtmek için çaba sarfediyordu. O sirada Kürtlerle Arap Samar asiretleri arasinda devamli bir çatisma vardi. Samarlar öteden beri Osmanlilari destekliyorlardi.

Fransiz baskumandani Rolgan ve yardimcisi Kimyni, Cezira'ya (Kamislo-Derik-Andivere) geldiklerinde Samar asiret reisi Misal Baso El Erba onlari büyük bir memnuniyetle karsiladi. Bu seyhin amaci Kürtlere karsi destek kazanmakti. Arap Samar asiretine karsi olan Arap Taya asireti Kürtleri (Heverkalilari) destekliyordu, hem Osmanli hem Fransizlara karsi Kürtlerin yaninda yer almislardi. Taya asiretleri Kürt-Arap dayanismasiyle bir devlet kurmak istiyorlardi.

Fransizlar Beyandur köyünun tepesinde bir kisla kurmuslardi ve Kürt ileri gelenlerini tutuklayip onlari canli halde bogazlarina kadar topraga diktiler. Ose isminde (Tilminar köyünden) birini öldürdükten sonra digerlerini de bu sekilde topraga dikip üzerlerine aç köpekler saldirtarak öldürttüler, diger asiret reisleri kaçti, tutuklanan bazilari ise sürgün edildi.

Topraga dikilenler arasinda, Abasê Mihimid (Beyandur köyü muhtari), Heverka asiretinin Dorika kolu asiret reisi Avdê Timar, Heso'yê Avdila ve Haci Heso'yê Teya vardi.

Bunun üzerine El-Cezira'da bulunan asiretler Heverka asiret reisi Haco'den yardim istediler. Haco, Heverka asiret ileri gelenleri ile görüstükten sonra 2000 kisilik silahli bir güç ile Midyat'tan Bagok Dagi'na geçti, oradan da El-Cezira'ya indi. Ilk etapta Beyandur'da bulunan Fransiz askeri kislasina saldiridi. Siddetli çatismalar sonucunda Rolgan haber aldi ve Andiver bölgesinden Cerih'a dogru takviye güçlerini aktardi.

Bazi asiret reisleri Haco'ye tavsiyelerde bulunarak, Fransizlarin elinde güçlü silahlar oldugunu ve bu büyük güç karsisinda çok zayiat vereceklerini söylediler.

Haco ise, "Kesinlikle ve her ne pahasina olursa olsun, Fransizlarin burada Kürtler üzerindeki zulmünü kirmak için savasmadan geri dönmeyecegiz.

Böylece Haco'nun emri ile kuzey Suriye'nin hemen hemen her yerinde Fransiz güçleri ve Kürtler arasinda silahli çatismalar yasandi. Tirbespi ve Derik arasinda bulunan Girê Topê koyu civarinda taraflar arasinda siddetli çatismalar meydana geldi. Heverka asiretleri karar vermislerdi: Kesinlikle imha bile olsalar geri çekilmiyeceklerdi. Iki taraf da yüzlerce kayip verdi. Fransiz baskumandani Rolgan öldürüldü, Beyandur kislasi ele geçirildi ve Fransizlar güney Suriye'ye dogru çekildiler. Haco ve Heverkalilar ise Midyat'a geri döndü.

Not:1985 Kasim ayinda Sam'da yayinlanan Direset-i Istiraki isimli Suriye Komünist Partisi yayin organindan alinmistir.


Die Verfolgung und Vernichtung der Syro-Aramäer im Tur Abdin 1915
(vom Erzpriester Sleman Henno, ins Deutsche übersetzt von Amill Gorgis und Georg Toro)

Vergossenes Blut
(von Naaman Abdelmesih, ins Deutsche übersetzt von Amill Gorgis und Georg Toro)


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